Früchte einer "Anfangszuneigung"

Die Chöre der Theater Hof und Plauen-Zwickau arbeiten zusammen. Nach dem "Lohengrin" soll es weitere gemeinsame Produktionen geben.

Von Harald Werder

Hof/Plauen Wagners Lohengrin mit 20 Leuten im Chor, vielleicht mit einer Handvoll engagierter Gastsänger zusätzlich, wäre eine schwachbrüstige Angelegenheit. Aber das Theater Plauen-Zwickau brennt darauf, am 2. Oktober 2020 bei der (wahrscheinlichen, aber nicht sicheren) Wiedereröffnung des Zwickauer Gewandhauses die üppige romantische Oper zu spielen. Die rettende Kavallerie kommt aus Bayern angeritten. Das Theater Hof arbeitet mit seinem Opernchor in dieser Produktion mit. Und das soll kein einsamer Gastbesuch werden.
"Anfangszuneigung" verspürt Generalintendant Roland May zum Hofer Theater. Probleme würden noch kommen, noch klopfe man sich ab. Sein Hofer Kollege Reinhardt Friese ist ähnlich euphorisiert. "Das ist für alle schön." Die Hofer Sängerinnen und Sänger singen in Sachsen, im folgenden Jahr soll der Chor aus Plauen einer Produktion in Hof zu mehr Stimmwucht verhelfen. Man habe dafür Ideen, spruchreif sei nichts, sagt Friese. "Gewinner ist das Publikum", meint der Hofer Theater-Geschäftsführer Florian Lühnsdorf, der nur in einem Halbsatz erwähnt, dass er als Kaufmann im Haus auch lächeln darf. "Eine erkleckliche fünfstellige Summe" Friese) koste es, den Chor für eine Produktion mit Gastmusikern aufzurüsten. Das fällt nun weg.
"Wir sprechen aber nicht von Leiharbeit, sondern von einer Co-Produktion", macht der Hofer Intendant klar, bevor er seine Unterschrift unter den Vertrag setzt. Nächstes Jahr läuft das zugunsten der Plauener, dann profitieren die Hofer. Und dann sehe man, weiter, ob die Achse Hof-Plauen stabil bleibt.
Die neue Zusammenarbeit ist eine Liaison der Vernunft. Seit elf Jahren leitet May sein Theater, 40 Mitarbeiter weniger zählt das Haus mittlerweile. Auch Hof kann sich keinen größeren Chor leisten. "Jetzt arbeiten zwei potente Theater zusammen", sagt May. Und ja, da sagt auch Friese nicht Nein, man könne sich weitere Kooperationen vorstellen, etwa beim Ballett - jedoch nur, wenn es im konkreten Fall sinnvoll sei. Und nein: "Wir führen hier keine Fusionsdebatte!", legt Friese nach.
"Ein Stadttheater stiftet Identität", erklärte er. Und Fusionen seien ökonomisch weit weniger fruchtbar, als man das gemeinhin denke. Damit verneint er eine - ungestellte - Frage, die den beiden Theatern nicht neu ist. Nach der Wende stand schon einmal das Theater Hof-Plauen zur Diskussion; nach Protesten der Hofer und auch Plauener Bürger wurde es still um die Sache.
Die Hauptakteure der Kooperation, die Musiker des Chores, müssten indes keine Mehrarbeit auf sich nehmen. Im Spielplan sei der Lohengrin berücksichtigt. Und nicht jedes Musiktheater brauche einen Chor, sagt Friese. Es sei also Luft im Terminplan. Und die braucht der Hofer Opernchor, wenn er im Juni nächsten Jahres sich mit den Plauener Kollegen vorübergehend vereint.
Wer diesen großen Chor hören will, wird nach Sachsen fahren müssen. Zwar seien Gastbesuche der Theater vorgesehen. Aber Hof hat mit der Interimsspielstätte in der kommenden Spielzeit ein Platzproblem. Geschäftsführer Lühnsdorf: "Da würde der Chor nicht reinpassen - oder nur der Chor."