Frowin und Doleys begeistern mit Programm Plauener

 

Lachen ja, gern mal bei Distel, aber bitte nicht unter Niveau warnten Michael Frowin und Tim Doleys auch das Plauener Publikum am Sonntagabend im Theater der Stadt. Beteuerten aber gleich zu Anfang, dass es wohl an diesem Abend nichts zu lachen gibt, denn über Frauenwitze werde am meisten gelacht und die gehören nicht zum Repertoire, sondern es sei ein politisches Programm.

 

Nicht über Dinge wie "Kommt ne Frau zum Arzt mit solchen...." sondern eher über ernsthaftes, wie die Arbeit von Klofrauen, die in der heutigen Zeit als freundliche Servickraft in der MC Clean Oase bezeichnet wird und eine eigene Homepage hat.

Außerdem lachen Leute nicht über den Witz, sondern darüber, dass sie ihn verstanden haben. Wobei die Deutschen ja eh humorlos sind, sind sich beide ganz sicher. Eine typisch deutsche Begrüßung könne mit den Worten "Spaß beiseite" ablaufen. Genotologen, so werden Lachforscher genannt, haben heraus gefunden, dass Lachen schon vor hunderten von Jahren als Mittel zum Waffenstillstand beigetragen habe. Vielleichte sei der Humor der Deutschen aber auch nur sehr feinsinnig. So feinsinnig, dass sie sich in den Sangriaeimer des jeweils anderen übergeben. Lachen in Zeiten der Cholera erzählt warum Florian Silbereisen ein kalkuliertes Missverständnis ist, in Oberhof bald ein Palmenstrand eröffnet werden könne oder der Hausarzt so unter der Gesundheitsreform leide, dass ihm die Enten am Fluss das Brot zu werfen.

Überhaupt seien doch wir alle selbst Schuld an der Rezension. Es werde einfach zu wenig gekauft - oder hat jemand vor dem Programm eine Kiste Rotkäppchen getrunken und ein Fässchen Bier geleert, stand die Frage ihm Raum. Wer will denn schon in einem Land leben, wo Milliardäre den Zug nehmen müssen, witzelte Doleys und forderte das Publikum auf sich dafür zu entschuldigen. "Kauft, egal was, nehmt was ihr habt und setzt es um." Und völlig ohne nachzudenken und voller Einsicht war mehrmals der laute Sprechchor der Zuschauer mit einem: "Es tut mir leid zu vernehmen." Es sei eben Mit-Mach-Kabarett, frei von Zensur und fern von jeglicher Scheu vor weniger gesellschaftsfähigen Themen. Gerade über bestimmte Gruppen sollten wirklich keine Witze gemacht werden, betonten die Kabarettisten. Nur die Wahrheit könne ruhig gesagt werden. Pflegefälle zum Beispiel, die kaufen und wählen nicht. Sie haben hinter sich das Leben und vor sich die Pflegestufen.

Themen die bei so manchen Zuhören hängen blieben und in der Pause für Gesprächsstoff sorgten. Regelmäßige Lacher hatte das eigentliche Trio, denn musikalische Unterstützung kam von Franz-Josef Grümmer, auf seiner Seite. Doch gab es auch Phasen, die etwas flach anmuteten und ihre Wirkung verfehlten. Dafür wurden dann ein Joker aus dem Ärmel gezogen wie: "Merkel, Steinmeier und Westerwelle fahren in einem Boot. Das Boot kippt, wer wird gerettet? - Deutschland."

Besonders aber irrwitzige Vergleiche zur Lebenssituation waren eine Schmunzelgarantie. So erklärte Frowin, dass es doch genauso sei, wie wenn man einen See auspumpe um einen Ertrinkenden zu retten und darauf hoffe, dass der Ertrinkende mit dem was er ausspuckt den See zum Überlaufen bringt." Und wenn das "Erzählen" nicht mehr wirkte, dann wurde gesungen. Zwar musikalisch korrekt, doch war man gerade bei Michael Frowin als Frau immer auf dem Sprung, um Erste-Hilfe mit Mund-zu-Mund-Beatmung leisten zu können, falls er komplett vergisst beim Singen Luft zu holen.

 

Von Stephanie Rössel