Frisuren für die Fledermaus

Barbara Kellert ist "goldene" Friseurmeisterin - und stolz wie vor 50 Jahren, als sie den Titel erwarb. Als Höhepunkt ihrer Berufslaufbahn sieht sie eine Arbeit für das König- Albert-Theater in Bad Elster.

Bad Elster - "Mein Lehrling und ich mussten für jede Aufführung die Perücken für 20 Sängerinnen der ,Fledermaus‘ herrichten und den Haarschmuck selbst gestalten", berichtet Frau Kellert über die Aktion Mitte der 1990er Jahre: Damals führt ein Ensemble aus Wien, verstärkt mit vogtländischen Sängern, die Operette von Johann Strauss fünfmal im Kurtheater auf.
Auch bei Aufführungen in Bayreuth ist Frau Kellert für die Frisuren verantwortlich. "Wir haben immer 15 Uhr angefangen zu frisieren, damit die Vorstellung abends pünktlich beginnen konnte. An den Tagen musste ich meinen Salon in Bad Elster schließen, aber ich hätte den Auftrag nicht angenommen, wenn ich gewusst hätte, wie stressig das ist."
Barbara Kellert ist Ur-Elsteranerin, geboren in einem der ältesten Häuser des Kurorts. "Meine Eltern waren Landwirte, die immer arbeiten mussten - und wir vier Kinder auch."
Nach der zehnten Klasse lernt Barbara Friseuse im Geschäft des Onkels, der im Sachsenhof einen der größten Salons der Friseur-Genossenschaft in Bad Elster führt. "Eigentlich wollte ich Sportlehrerin werden oder Physiotherapeutin - aber das ging aus gesundheitlichen Gründen nicht: Ich konnte nicht ins Wasser."
Anfänglich fremdelt Frau Kellert mit dem Beruf, aber dann beginnt eine Liebe, die bis heute anhält: "Man lernt nie aus: Weil Mode und Farben wechseln, weil sich die Schnitttechniken ändern. Lehrlinge unterschätzen manchmal, dass man lebenslang lernen muss." Und natürlich sollte ein Friseur nach Frau Kellerts Worten auch ein Seelsorger sein - aber keine Klatschbase.
Nach der Lehre arbeitet sie in der Friseur-Genossenschaft, lernt auch deren Salons in Markneukirchen, Bad Brambach und Adorf kennen - und bekommt ihren ersten Sohn. 1970 beginnt sie trotz zweiter Schwangerschaft die Meisterausbildung. "Es war der letzte Kurs in Plauen, danach hätte ich nach Chemnitz gemusst."
Frau Kellert berichtet von einer anstrengenden Zeit: "Kindererziehung, Berufstätigkeit, Ausbildung - es war hart. Zum Glück hatte ich viel Unterstützung von meinem Mann Peter (der selbst Fernstudent war), meiner Mutter und meiner Schwester."
Am Abschlusstag müssen die angehenden Meister(innen) alles zeigen: Kinder- und Männerhaarschnitt, Dauerwelle, Modefrisur und als Meisterstück eine festliche Frisur mit Haarteil. "Es ging rund - von 7 bis 19 Uhr."
Auch Ondulieren gehört zum Prüfungsprogramm, also mittels Hitze, die Haare zu wellen. "Aber weil das schon lange nicht mehr in Mode war, hatte ich keinen Ondulierstab. Also hatte ich mir vom Schmied einen anfertigen lassen, den ich mit einem Gasbrenner im Salon erwärmen konnte. Andere hatten sich aus dem Westen einen elektrischen Ondulierstab besorgt."
Frau Kellert fällt ein Stein vom Herzen, als die Meisterprüfung bestanden ist. "Ich war so froh - und bin stolz bis heute."
Die frischgebackene Meisterin arbeitet weiter in der Friseur-Genossenschaft und wechselt von 1982 bis 1990 ins Staatsbad. Dort qualifiziert sie sich zum Bademeister und Masseur.
Dann kommt die Wende. Frau Kellerts Mann darf als Sportlehrer weiter im Staatsbad arbeiten, sie wird entlassen - und hat Glück: "Ich konnte einen Friseursalon in der Vogtlandklinik eröffnen. Am Ende hatte ich zwei Mitarbeiterinnen und Lehrlinge habe ich auch ausgebildet." 2016, nach 25 Jahren, verkauft sie den Salon.
Frau Kellert genießt jetzt ihr Rentnerdasein - leider ohne den Ehemann. "Mein Peter ist leider vor zwei Jahren verstorben." ufa