Fremdlinge fühlen sich im Vogtland wohl

Sie ist das Grauen eines jeden Gartenfreundes: Die spanische Nacktschnecke. Die schleimigen, viele Gartenpflanzen vertilgenden Wesen gehören zu den eingeschleppten Tierarten - so genannten Neozoen. Im Frühjahr ist der Fremdling wieder verstärkt unterwegs.

Plauen - Wie grässlich jene Nacktschnecken sind, so wunderbar anzuschauen sind beispielsweise Lupinen. Was diese Tier- und jene Pflanzenart gemeinsam haben: Sie wurden vor Jahren aus fernen Ländern eingeschleppt, sind in Deutschland heimisch geworden - vermehren sich exorbitant schnell, verdrängen teils heimische Tiere und Pflanzen und richten oft hohen Schaden an. Was die eingeschleppte Pflanzenwelt betrifft - genannt Neophythen - so ist der Landkreis seit 2011 dabei, ein Neophytenkataster zu erstellen. "In diesem Jahr ist mit Ergebnissen zu rechnen", sagt Dr. Uwe Bernhard vom kreislichen Umweltamt. Innerhalb des grenzübergreifenden Projektes zwischen Vogtland, Tschechien und Bayern, genannt "Clara 2" werden nicht in die Region gehörende Pflanzen und ihre Standorte erfasst.

Prominentester Fremdling ist der Riesenbärenklau, der einst als Zierpflanze nach Europa kam. Der Gigant wächst bis zu drei Meter hoch. Sein Pflanzensaft enthält giftige Substanzen - wer die Pflanze berührt, dessen Haut beginnt zu jucken und brennen. Hierzulande sei der Bärenklau an der deutsch-tschechischen Grenze, an den Gewässerläufen von Weißer Elster, Mulde und Göltzsch zu finden, so Dr. Bernhard.

Bisher hat man den Bärenklau an 51 Stellen im Vogtland gesichtet. Seit den 1990er Jahren werden wuchernde Neophyten per Monitoring beobachtet - in Einzelfällen auch mit Stumpf und Stiel ausgerottet, hier bevorzugt in Naturschutzgebieten. "Jeden dieser Standorte auszumerzen, dass kann man sich personell und von den Kosten irgendwann nicht mehr leisten. Das ist ein gigantischer Aufwand", so Dr. Bernhard.

An 19 Standorten hat man das Drüsige Springkraut, an 17 den Japanischen Staudenknöterich gelistet. Besonders im "Grünen Band" im Burgsteingebiet fühlten sich die Lupinen wohl - schön anzusehen ist das Meer blauer Blumen, doch enthält auch diese Pflanze Tücken. Der Schmetterlingsblütler reichere besonders viel Stickstoff im Boden an - je stickstoffhaltiger das Erdreich, um so geringer die Chance, dass dort Pflanzen gedeihen, die weniger konkurrenzfähiger sind.

Magere Standorte, wie Schuttplätze oder auf Baurückständen lieben Staudenknöterich und Goldrute. Oftmals seien Neophyten aber nicht nur Fluch, sondern auch Segen: So liefert zum Beispiel Springkraut Hummeln und Wildbienen Nahrung. Nicht mehr wegzudenken von unserem Speiseplan sind Kartoffeln, Tomaten und Mais. Auch das sind eingeführte Pflanzen. "Neophyten sind all jene Pflanzen, die ab 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, in Länder eingeschleppt wurden, wo sie eigentlich nicht hingehören", sagt Dr. Bernhard.

Relativ selten komme die allergieauslösende Pflanze Ambrosia in Deutschland vor - auch im Vogtland sei sie noch kein Thema. "Unsere ehrenamtlichen Naturschutzhelfer achten darauf, an welchen Stellen solche Arten vorkommen", sagt der Fachmann vom Umweltamt. Manche eingeschleppte Pflanze zieht auch das dazugehörige Tier - mitunter ein Parasit - nach sich. So macht es sich auf der aus dem Mittelmeerraum stammenden Rosskastanie die Miniermotte gemütlich. Diese sei dafür verantwortlich, dass die Kastanienblätter in den vergangenen Jahren so braun und verschrumpelt aussahen. Mittlerweile wurden sie zur wahren Plage. Gleiches gilt für den asiatischen Marienkäfer und die spanische Nacktschnecke, welche unsere "Rote Wegschnecke" verdrängt. Schon um 1900 herum schaffte der amerikanische Krebs den Siegeszug in deutsche Lande. Der überträgt eine Pest, die dem deutschen Edelkrebs nicht gut bekommt.

Weniger der Mink (Nerz), dafür aber Marderhund und Waschbären seien auch in Vogtland-Wäldern heimisch. Zum Abschuss frei gegeben ist auch hierzulande der possierliche Waschbär, der auch schon die Stadt als Lebensraum für sich entdeckt. So wurde schon in einem Plauener Lichtschacht ein Waschbär entdeckt sowie in einer Gartenanlage in Bad Elster. Durch das viele Reisen bringen immer mehr Leute exotische Tiere, wie Schlangen und Schildkröten aus warmen Ländern mit. Leider werden diese Exoten öfters von ihren Haltern später in freier Natur ausgesetzt. Uwe Bernhard: "Das sollte man nicht tun, haben viele Tiere, sobald der Winter einbricht, bei uns keine Überlebenschance. Außerdem könnten sie zu Feinden heimischer Tierarten werden."