Frauenhäusern geht Geld aus

Sächsische Frauenhäuser bangen ums Überleben. "Unser größtes Sorgenkind ist die unsichere Finanzierung", sagt Vera Fünfstück von der Landesarbeitsgemeinschaft Frauenhäuser und Interventionsstellen (LAG). (Noch) keine Kürzung in Sicht ist beim Frauenhaus im Vogtland.

Plauen/Auerbach - In zwei Einrichtungen im Vogtland finden Frauen, die von Männern misshandelt, geprügelt und sexuell missbraucht werden, Zuflucht: Im Frauenhaus des Vereins Karo in Plauen sowie in der Frauen- und Kinderschutzwohnung des DRK-Kreisverbandes Auerbach. Doch nur die Einrichtung des DRK wird finanziell vom Vogtlandkreis bedacht.

"Das Frauenhaus von Karo Plauen wird vom Vogtlandkreis nicht finanziell unterstützt. Die Kapazität der Frauenschutzwohnung des DRK Auerbach wird grundsätzlich als bedarfsgerecht gesehen und ist auch seitens des Freistaates als förderfähige Einrichtung anerkannt", heißt es von Sozialamtsleiterin Gabriele Paul. "Kürzungen sind uns nicht bekannt", gibt Doreen Lindel, Leiterin der DRK-Frauen- und Kinderschutzwohnung Auskunft.

Über die konkrete Höhe, die der Kreis in seinen Haushalt 2013/14 für die Schutzwohnung einstellen wird, mag die Sozialamtsleiterin nicht sprechen. Darüber könne erst nach dem Kreistagsbeschluss Auskunft erteilt werden. Über eine Kürzung von Landesmitteln liege keine Information vor. Und: "Es handelt sich beim Vogtlandkreis um eine freiwillige Förderung." Bekannt ist aber auch, dass der Vogtlandkreis bei jeglichen (freiwilligen) Leistungen im Haushalt 2013/14 zwei Prozent der Zuschüsse kürzen will. Der Druck der Kommunen auf die Kreisverwaltung wegen der drohenden Kreisumlage von 34 Prozent ist enorm hoch.

"Bei klammen Kassen wird oft an freiwilligen Aufgaben gespart. Viele Frauenhäuser werden nur noch von einer Mitarbeiterin betreut, die rund um die Uhr da ist, sogar an den Wochenenden. In Pirna zum Beispiel kann die Mitarbeiterin höchstens einmal in den Urlaub fahren, mehr nicht", sagt Vera Fünfstück von der LAG.

Auch die Frauenschutzwohnung vom DRK Auerbach, die es seit 1991 gibt, sei im LAG organisiert - Karo Plauen indes nicht. "Wir wollten Karo nicht in die LAG aufnehmen, da dieser Verein auch mit Freiern, Zuhältern und Prostitution zu tun hat. Wir achten die Arbeit von Karo sehr, aber deren Konzept passt nicht zu unserem", so Vera Fünfstück. Um die Frauenhäuser in Sachsen, denen nun Landes- und kommunale Mittel gekürzt werden, tut es Karo-Chefin Cathrin Schauer leid. Indes: Seit 2009 zeigen Schauer und ihre Mitstreiter, dass ein Frauenhaus auch ohne die öffentliche Hand, allein durch Sponsoren, überleben kann. Wenn auch schwer.

Seit 2004 sponsere der Automobilhersteller Skoda jährlich ein Auto für Karo, mit der die Helfer mobil schnell zur Stelle sein können - zum Beispiel wenn die Mädchen und Frauen auf dem Straßenstrich in Tschechien Probleme haben. Bad Brambacher sponsere die Getränke fürs Frauenhaus, viele andere Firmen gaben Geld fürs Inventar. Schauer: "Trotzdem müssen auch wir Geld für Miete und vieles mehr aufbringen." Viele Male habe Karo versucht, als förderfähige Einrichtung von Land und Kreis anerkannt zu werden. Immer sei man abgelehnt worden.

"So ist das, wenn man politisch unbequem geworden ist", kommentiert das Cathrin Schauer. Dabei decke das Karo-Frauenhaus auch ein Feld ab, das andere Einrichtungen nicht tun: Bei Karo kommen auch Frauen aus ganz Europa unter, Frauen, mit denen Menschenhandel betrieben wurde, Frauen, die sich vor Zuhältern schützen und viele Male sexuelle Gewalt erfuhren. 25 Frauenschutz-Plätze sind das Maximum bei Karo - vier bis fünf hält man immer für spontane Notfälle frei. Zehn Euro zahlt eine Frau für den Unterschlupf bei Karo pro Tag - ein Kind 5 Euro. "Manche Frauen bleiben nur wenige Stunden, andere bis zu zwei Jahren", so Schauer.

In Sachsen gibt es derzeit 15 Frauenhäuser und 10 Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt. 2012 gab das Land Sachsen 462 000 Euro an Frauenschutzhäuser. Im Jahr 2011 registrierte die Polizei in Sachsen 2831 Fälle von häuslicher Gewalt - 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 67 Prozent davon waren Körperverletzungen. Von 2146 Tatverdächtigen waren 83 Prozent Männer. va