Frau aus Pausa vor Gericht nicht erschienen

Richter, Protokollantin, Staatsanwältin und Verteidigerin waren pünktlich erschienen. Nur die Angeklagte fehlte zur vorgesehenen Zeit am Amtsgericht Plauen. Eigentlich hätte sich hier die 29-jährige Sandra (Name geändert) aus Pausa wegen Betruges verantworten sollen.     "Sie hat sich den Termin versehentlich erst auf den 27. Juli eingetragen", erläuterte Rechtsanwältin Nadine Klopfer. Die Verteidigerin hatte nach Verstreichen der anberaumten Uhrzeit in löblicher Absicht ihre Mandantin angerufen. Allerdings konnte sie nur vermelden, dass ein kurzfristiges Erscheinen der jungen Frau aus der Erdachsenstadt nicht möglich sei: "Sie ist irgendwo unterwegs." Theoretisch wäre nun eine polizeiliche Vorführung oder der Erlass eines Haftbefehls denkbar gewesen. So weit wollte es Richter Michael Rüsing aber doch nicht kommen lassen.

"Sie ist ja nach Aktenlage geständig und bisher auch noch nicht vorbestraft", begründete der Vorsitzende seine Anregung, ins Strafbefehlsverfahren überzugehen. Der Mutter zweier Kinder (4 und 9) war vorgeworfen worden, zwischen Januar und Oktober 2007 im Unternehmen ihres Lebensgefährten tätig gewesen und Einkünfte erzielt zu haben, obwohl sie im gleichen Zeitraum Arbeitslosengeld bezog. In der Anklageschrift ist ein Gesamtschaden von fast 8000 Euro beziffert, der die vom Amt getragenen Versicherungsbeiträge mit einschloss.     Nach nochmaliger telefonischer Rücksprache mit der Beschuldigten erklärte die Anwältin, Sandra sei mit dem Erlass eines Strafbefehls einverstanden. Die Angeklagte ist derzeit geringfügig beschäftigt und bezieht keinerlei Leistungen mehr von der Agentur für Arbeit oder der Arge. Wie von der Staatsanwältin beantragt, legte Richter Rüsing die Höhe der zu zahlenden Geldstrafe mit 80 Tagessätzen zu je 20 Euro, also insgesamt 1600 Euro, fest. Die Verteidigerin erklärte nach der Urteilsverkündung bereits Rechtsmittelverzicht.  Sven Gerbeth