Frankt Trtschka wird zum Prinz auf der Erbse

Plauen - Er macht sich nicht zur Wurst. Im Gegenteil. Er radelt und radelt und radelt: Heute, 16 Uhr, hat es Frank Trtschka geschafft. Dann ist die 72-Stunden-Ergometer-Challenge Geschichte. Dann kann sich der 31-Jährige hinlegen. Dann hat er sich buchstäblich abgestrampelt für die Plauener Tafel. Seine verbrannten Kalorien werden in Wurst umgerechnet und den Bedürftigen der Plauener Tafel gespendet. Er schädigt seinen Schinken um selbigen der Tafel anbieten zu können.  Aber eins wird er ab heute Abend nicht mehr machen: Sich setzen. Viele Frauen kennen das: Problemzone Po. Bei Trtschka ist das nicht anders. Nach über zwei Tagen im Sattel trägt er zwei Radlerhosen, hat sich eine Tube Creme ans Hinterteil geschmiert, der Sattel wurde getauscht und darauf ein Fango-Kissen gelegt. "Ich fühl mich wie der Prinz auf der Erbse. Das Thema Hinterteil habe ich buchstäblich ausgesessen", lachte Trtschka. Doch es klingt ein wenig gequält. Kann man auch verstehen bei folgender Aussage: "Ich sitze auf rohem Fleisch." Er zieht das jetzt durch, sagte er gestern Nachmittag entschlossen. Mit der Müdigkeit kommt er klar. Die ist zwar vorhanden, stört aber nicht sonderlich. Er zeigt einen eisernen Willen. "Es gab noch keine Sekunde, wo ich hätte aufgeben wollen. Ich habe immer noch das Gefühl: Da geht noch mehr. Der Körper will noch. Aufs Sofa legen kann ich mich ab Samstagabend. Jetzt wird gestrampelt." Nur mit mentaler Stärke ist solch ein unglaublicher Kraftakt zu schaffen. Kommt immer mal ein kleines Tief, zieht sich Trtschka an schönen Ereignissen wieder nach oben. So auch am Donnerstagabend: "Da kam die Nachricht, dass die Tochter meiner Lebensgefährtin einen Sohn zur Welt gebracht hat. Ich bin somit mit 31 Jahren wohl einer der jüngsten (Stief-) Opas in Deutschland. Das ist doch was. Da kann ich immer sagen: Als Ludwig, so heißt der kleine Mann, auf die Welt kam, saß ich im Plauen Park und bin für einen guten Zweck drei Tage geradelt", so Trtschka.  Zwei Tage erlebte er weitere Glücksmomente, als die ersten Sonnenstrahlen kamen und die Händler in ihre Läden strömten. Nachts wird in einem leeren Laden geradelt. Morgens werden die drei Ergometer wieder vor die Fleischerei Floß gestellt. "Wenn man dann so sieht, wie urplötzlich Leben in die Geschäfte einzieht, dann ist man gleich ganz anders motiviert. Das gibt einen Kraft."  Was Trtschka toll findet: Er war in all dieser Zeit auf dem Rad nie allein. Ständig sind zwei Physiotherapeuten in seiner Nähe und die beiden Ergometer neben ihm sind auch nachts ständig besetzt. "Die Räder standen eigentlich nie still. Von der ersten Sekunden an hatte ich Mitstreiter gefunden, die mit mir um die Wurst radeln. Daher war es in der Nacht nie langweilig. Man lernt neue Leute kennen und erfährt viel über ihr Tun. Das ist ein schöner Nebeneffekt meines Tuns."  Sein Haupttun ist Wurst erstrampeln für die Plauener Tafel. Er und seine Mitstreiter haben es auf bisher mehr als 70 Kilo Wurst geschafft. Die spendet Heiko Floss von der gleichnamigen Fleischerei der Tafel. "Ich will auf alle Fälle den Heiko richtig schröpfen. Auf 100 Kilo wollen wir schon kommen. Und das packen wir auch. Kiloweise Wurst für rohes Sitzfleisch." Heiko Floss wird dann die Wurst nicht zentnerweise an die Tafel geben. "Das bringt nichts. Da bleibt sie ja nicht frisch. Wir werden sie portionieren und nach Bedarf an die Tafel liefern. Ich freue mich, dass die Sache hier so rund läuft und wir den bedürftigen Menschen in Plauen helfen können", so Floss.