Förderschule mit Licht und Luft

Ausnahmezustand in der Oelsnitzer Lernförder-Schule. Mitten im Unterricht gingen die Türen auf und neugierige Besucher spazierten ins Klassenzimmer.

Oelsnitz - Vor rund drei Wochen war die Einrichtung vom sanierungsreifen Gebäude in Voigtsberg an den Willy-Brandt-Ring umgezogen und arbeitet nun Tür an Tür mit der Berufsschule. Beim Tag der Offenen Tür stellte sich die Lernförderschule am Montag der Öffentlichkeit vor. Schüler der Klasse H 10 führen die Gäste. Einladend haben sie auf den Fluren kleine Stände mit Getränken und Süßigkeiten aufgebaut.

Die Schulführerinnen Juliane Eilitz aus Bad Brambach und Maria Alber vom Kinderheim "Tannenmühle" in Erlbach öffnen Türen und erklären das Farbkonzept der Räume, die in Weiß mit Grün, Gelb oder Blau gehalten sind. Die beiden Jugendlichen erwerben in diesem Schuljahr den Hauptschulabschluss. Mit von der Partie sind Anja Lüttge, die Vorsitzende des Schulelternrats und dessen Mitglied, Karina Kuhne.

"Wir haben den Umzug mit angestoßen und unterstützt - im Interesse guter Lern- und Lehrbedingungen. Deshalb präsentieren wir uns hier zum Tag der offenen Tür", lacht Frau Lüttge. Martina Joel unterrichtet die 4. Klasse in Werken gemeinsam mit Andrea Bogler. Zick-Zack-Alphabete werden gefaltet. Viel Platz bietet der lichtdurchflutete Raum mit Blick auf den Raschauer Grund.

"Die schönen großen Räume, der moderne Sportplatz und die Turnhalle, das haben wir vorher nicht gekannt", erzählt Frau Joel. Einige Lehrplaninhalte durften in der maroden Voigtsberger Halle nicht mehr ausgeführt werden. "Im Frühjahr wollen wir den Schulgarten neu anlegen. Viele Väter haben sich bereit erklärt, mitzuhelfen", sagt die Lehrerin.

In der schützenden Atmosphäre der Lernförderschule seien die Chancen gut, zur Hauptschule zu wechseln. Die Bildungsempfehlung gibt es in der 7. Klasse. Ab Klasse H 8 wird dann der Oberschul-Lehrplan der Klassenstufe 7 unterrichtet. "Mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass die Hauptschüler gute Chancen für die Berufsausbildung haben", erklärt Frau Joel. Vor Ort ist auch Berufseinstiegsbegleiter Matthias Heintze. Einmal in der Woche berät er die Schüler ab Klasse H8.

Grit Neitzel hält als Ansprechpartnerin der Bundesagentur für Arbeit festen Kontakt zur Schule, um ab der "Vorabgangsklasse" den Berufseinstieg mit vorzubereiten. Die beiden Führerinnen haben ihr Berufsziel schon gefunden. Juliane will Landwirtin werden, Maria Altenpflegerin oder Heilererziehungspflegehelferin.

Für den Informatikunterricht hat der Vogtlandkreis als Schulträger neue Computer angeschafft, die Juliane und Marie im neuen Kabinett präsentieren. Endlich ist die Enge von einst beseitigt, der Lehrer hat beste Sicht auf alle Arbeitsplätze, freuen sich die Schülerinnen. Schulleiterin Anja Schramm-Lorenz will die Zusammenarbeit mit der Berufsschule fortführen, die mit der Unterstützung beim Umzug begonnen hat.

"Wir wollen - auch im Prozess der Integration und Inklusion - dass sich die Schüler beider Schulen begegnen", sagt sie. Deshalb führen die beiden Einrichtungen das gemeinsame Mittagessen in der Caféteria ein. Die Schüler des Beruflichen Schulzentrums könnten aber auch ihre Berufe in der Lernförderschule vorstellen, zeigt Frau Schramm-Lorenz eine weitere Möglichkeit auf.

Den Vogtlandkreis als Schulträger vertritt Dezernent Helmut Meißner. Kurz vor Mittag schaut er sich in der Schule um. Das Gebäude aus Glas und Stahl ist ein Stück seiner beruflichen Vita. Er hat den Bau in den 90er Jahren mit allen Problemen von Anfang an miterlebt.