Flugzeugingenieur in Elsteraue

Was macht ein Flugzeugingenieur in der Elsteraue? Wer neugierig am Areal zwischen Bleichstraße, Färber- und Hofwiesenstraße vorbei pilgert, kann hinter den Bauzaun schauen. Dort klärt sich die Frage.

Von Marlies Dähn

Plauen Abendliche Stille eines Frühsommertages legt sich über das Areal der Hempelschen Fabrik. Die Bagger und Bulldozer stehen stumm auf staubigem Grund. Gleich nebenan, im wild romantischen Garten der Weberhaus-Hexen, wuchert üppig Frühlingsgrün zwischen Bibliothek und Handwerkskunst. Ein Feldblumenstrauß im rostigen Krug grüßt als fröhlicher Farbtupfer. Die kleine Bühne nimmt Gestalt an. Die Fundamente sind getrocknet. Die neue Bühne wird zur Brücke zwischen historisch Gewachsenem und all dem, was gerade neu entsteht.
Während die Vögel und Insekten im verborgenen Weisbachschen Garten ihr Abendlied anstimmen, die Sonne noch einmal durch die Wipfel der Bäume blinzelt, greift Thomas Meßmeringer gerade zur Maurerkelle. Um ihn herum liegen Bruchsteine. Die Theumaer Schiefer gehörten zur Weisbachschen Garage, die einstmals Pferdestall war. Jetzt ragt nur noch eine Abbruchwand empor, die später ein Ringbalkenanker aus Stahlbeton schützen wird. Wer genauer hinschaut, entdeckt die gut durchdachte alte Bauweise. "Dort hab ich mir alles abgeguckt", sagt Thomas Meßmeringer und lässt mit geschickten Händen eine kleine Mauer wachsen.
Der 55-Jährige gehört seit über drei Jahren fest zum Unikatverein. Den Münchner hat es vor vier Jahren ins Vogtland verschlagen. Als Hausmeister heuerte ein Cousin ihn an für Plauener Mietshäuser. Das Geschäft setzte der Immobilienmakler in den Sand. "Und ich war wieder auf Arbeitssuche", sagt der Neuvogtländer gelassen. Als die Weberhaus-Hexen Männer mit handwerklichem Geschick suchten, machte Thomas Meßmeringers vogtländische Freundin ihn darauf aufmerksam. Die Chemie stimmte zwischen Weberhaus-Team und dem Flugzeugingenieur, der 1992 arbeitslos wurde, kreuz und quer durch Länder reiste, Gelassenheit lernte, auch in den 14 Jahren, die er im Dschungel Südamerikas lebte. "Ein Dschungel ist kein Super- oder Baumarkt. Improvisieren, aus altem Material neue Dinge erschaffen gehört zum Überleben", schmunzelt der 55-Jährige, den besonders auch die Lebensweise und Mentalität der Menschen dort nachhaltig geprägt hat. So hinterlässt es bei ihm Spuren, wenn zum Beispiel im Zuge der umwälzenden Bauarbeiten rund um die Hempelsche Fabrik mit neuem Kindergarten und ausgebauten Handwerkerhöfen großzügig Platz gemacht wird. Für drei junge Bäume legte sich der Münchner daher zusammen mit Weberhaus-Hexe Kerstin Rüffer ins Zeug. Die Laubbäume wurden erfolgreich umgesetzt innerhalb des Weberhaus-Gartens. Und auch altes Baumaterial wird selbstverständlich gesichert.
Kurzum, Thomas Meßmeringer liebt das, was er jetzt hier in Plauen mit seiner Hände Arbeit schafft. Die vom alten Mörtel befreiten Steine fügen sich zur Mauer. Ziegelnachschub holt er am nächsten Tag von einer Abbruchscheune aus Haselbrunn. Zwischen Baudreck und Bruchmauer sorgt bereits ein sorgsam gefügter Klinkerboden für Struktur. Vor der Bruchsteinwand entsteht als Teil der Handwerkerhöfe ein Café, vielleicht in Form eines Pavillons. Das ist noch offen.
Hinter dem Bauzaun schlängeln sich Radfahrer vorbei, lässt eine junge Mama ihren kleinen Sohn an der Heckenrose schnuppern, die vom Weisbachschen Garten herübergrüßt und der ehemalige Flugzeugingenieur aus München, packt sein Handwerkszeug zusammen und schaut zufrieden auf sein Tagwerk.