Flüchtlingsstrom ins Vogtland vervierfacht sich

Die nächsten zwei Monate wird das Vogtland so viele Menschen aufnehmen müssen wie bisher insgesamt, sagte Landrat Rolf Keil am Montag bei einem Spitzengespräch zum Thema Asyl.

Plauen - "Schon ab nächste Woche steigt die Zahl von wöchentlich 49 auf durchschnittlich 147 Personen. Und ab Mitte Dezember sowie im Januar auf wöchentlich 196 Personen", informierte Landrat Rolf Keil am Montag die Fraktionsvorsitzenden des Kreistages und die Bürgermeister. Dass die den sächsischen Landkreisen zugewiesene Asylbewerbern deutlich steigen, hatte zuvor die Landesdirektion Sachsen mitgeteilt.

Die nächsten zwei Monate wird der Vogtlandkreis demnach so viele Menschen aufnehmen müssen wie bisher insgesamt. "Das heißt für die kommunale Familie nicht nur die wichtige Frage der Unterbringung, sondern auch die gesamte Logistik der Versorgung, Betreibung, Wachschutz und so weiter bereitzustellen. Dazu ist der Landkreis mit seinen Kommunen gesetzlich verpflichtet", appellierte der Landrat an alle Bürgermeister, mitzuhelfen.

"Die Schulturnhallen der Schulen sind zunächst nicht im Blick", versicherte der Landrat. Er möchte auch weiterhin den vollen Schulbetrieb gewährleisten, sagte er. Es gelte aber, weitere Unterkünfte zu akquirieren. "Trocken, warm, satt" heiße die zu lösende Aufgabe. Gesucht werden laut Keil weiterhin Wohnungen und verstärkt leer stehende Gewerbeimmobilien sowie beheizbare Hallen. Mit den neuen Zahlen schmelze allerdings auch die seit September ausgewiesene Puffer-Kapazität an Notunterkünften und müsse ebenso hochgefahren werden.

Keil bedankte sich bei dem Treffen für das bisher Geleistete. "Das Konzept der dezentralen Unterbringung ging bisher auf", verwies er auf die Stadt Plauen, die mit den beiden Wohnheimen, rund 270 Wohnungen und der Erstaufnahmeeinrichtung die meisten Kapazitäten zur Verfügung stellt. "Wir müssen zusammenstehen und Mut machen", warb Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer für ein geschlossenes Handeln.

Mit der Unterbringungskapazität ist auch das Personal zu klären, so Keil. Schon jetzt habe der Landkreis befristet und unbefristet zusätzliche Stellen besetzen müssen. Die Bürgermeister wurden gebeten, Mitarbeiter befristet abzustellen, unter anderen für die Beurteilung des Brandschutzes bei anzumietenden Immobilien, für die Bearbeitung in der Ausländerbehörde, in der Kasse sowie Erzieher in der Betreuung.

Bei minderjährigen Flüchtlingen (Uma), seien bisher 103 Fälle bearbeitet, 61 junge Männer unter 18 Jahren aktuell in verschiedenen Jugendeinrichtungen untergebracht. 117 Plätze bei einem Betreuungsschlüssel von einem Sozialarbeiter für 25 Umas seien nächstes Jahr zu stemmen. Bei all den Aufgaben wurde auch die Frage der Finanzierung laut. "Die Zahlen werden erfasst", forderte Keil eine vollständige Deckung der Verwaltungsausgaben und Nebenkosten. Und ebenso eine konsequente Abschiebung. Im Vogtland gab es bisher vier derartige Fälle. red