Firma Seidel macht Damen glücklich

Seit über 100 Jahren ist der Name Seidel aus Schreiersgrün in der Textilbranche ein Begriff- und das über die Grenzen Deutschlands hinaus. Mode "Made in Germany" steht weltweit hoch im Kurs.

Schreiersgrün - Axel Seidel, Geschäftsführer der Friedrich Seidel GmbH aus Schreiersgrün, sagt von seiner Firma, dass man "alles herstellen will, was Frauen glücklich macht." Das traditionsreiche vogtländische Unternehmen fertigt Damenbekleidung für Frauen ab 30 Jahren an. Axel Seidels Urgroßvater Friedrich Seidel hatte die Textilfirma im Jahr 1909 gegründet. "Mit 1000 Reichsmark Mitgift hat er sich eine Stickmaschine gekauft und zunächst eher auf Haushalts- Textilien gesetzt.", so der Urenkel. Ende der 50er Jahre versuchte sich dann Axel Seidels Großvater erstmals an Damen-Oberbekleidung. Und genau dabei sind bis jetzt alle nachkommenden Generationen der Seidels geblieben. Zum Jubiläum im Jahr 2009 bekam die Firma den Titel "Perle des Mittelstandes" verliehen.

Axel Seidel führte das Unternehmen von 2001 bis 2012 gemeinsam mit seinem Vater, der im letzten Jahr in den Ruhestand gegangen ist. "Trotzdem kommt er jeden Tag noch vorbei und wir setzen uns zusammen.", verrät der Geschäftsführer. Der Zusammenhalt in der Familie spiegele sich auch im Unternehmen wider: "Bei uns arbeiten stets ältere und jüngere Mitarbeiter zusammen. Die Älteren bringen dabei viel Erfahrung, die Jungen neue Ideen und Anregungen mit." Seidel bezeichnet einen jeden Einzelnen als "Rädchen im Getriebe" seiner Modefirma. 52 Angestellte und ein Lehrling sind derzeit im Betrieb beschäftigt. Von Größe 34 bis 56 schneidert man in Schreiersgrün unter anderem Shirts, Tuniken, Blusen und Pullover.

Jährlich werden zwei Hauptkollektionen mit 180 verschiedenen Teilen herausgebracht. Egal ob zierlich oder eher kurvig, Seidel möchte "Lieblingsteile" herstellen, die Frau "stilsicher, exklusiv und trendy" kleiden. Designerin Claudia Kreißl entwirft Kleidungsstücke und Stoffmuster. "Unsere Stoffe kommen zu 70 Prozent aus Europa, aber auch aus Asien beziehen wir einige", so Seidel. Fast die Hälfte der Stofflieferanten stellen deutsche Firmen, zum Beispiel die Stoffdruckerei Hanno aus Hof. Es komme je nach Materialien darauf an, welche Erfahrung die jeweiligen Lieferanten mit den Stoffen haben. "Die Langlebigkeit und Qualität unserer Ware sind enorm wichtig für unsere Firma", so der Geschäftsführer.

Ungewöhnliche Anfrage

"Im vergangenen Jahr erreichte uns die Anfrage einer Frau aus Berlin, die gerne ihre Lieblingsbluse nachbestellen wollte. Die hatte sie aber noch vor Wendezeiten am Alexanderplatz gekauft, schmunzelt Axel Seidel. Zu DDR-Zeiten verstaatlicht, stattete Seidel-Moden beispielsweise das Olympiateam aus, ein Großteil der produzierten Ware konnte nur in den teuren Exquisit-Läden erstanden werden.

Nach der Wende ließ sich das Schreiersgrüner Unternehmen als erste private Firma im Regierungsbezirk Chemnitz eintragen. Laut dem Geschäftführer sei das Unternehmen heute auf Fachmessen ein gern gesehener Gast. "Jährlich sind wir auf etwa 20 Messen vertreten", erklärt Seidel. Die Herkunftsbezeichnung "Made in Germany" lockt nicht nur Kundschaft aus Deutschland. Auch in vielen europäischen Ländern wie der Schweiz, Österreich oder Finnland ist die Marke Seidel vertreten. Sogar in Dubai hat das Schreiersgrüner Unternehmen Kundschaft: "Unsere Sonnenschutz- Kollektion findet dort guten Anklang."

Sogar Kunden in Dubai

Auf dem Fabrikgelände in Schreiersgrün befindet sich auch ein Betriebsshop. "Der Shop ist ein regelrechter Magnet, es kommen sogar extra Privatkunden aus Dresden hergefahren, um bei uns einzukaufen.", freut sich der Geschäftsführer. Bei der Firma Seidel lagen die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren im ein- bis zweistelligen Bereich. Warum das so ist? Axel Seidel antwortet: "Unsere Kunden sind zufrieden, eben weil wir auch gezielt deren Wünsche und Anregungen berücksichtigen." Obwohl Axel Seidel ein optimistischer Unternehmer ist, hat er auch Sorgen. So werde der Preisdruck aus Asien immer größer. Ganz aktuell sei auch das Hochwasser ein Problem: "Viele Geschäfte unserer Kunden stehen unter Wasser."

Betroffenen hat er als Hilfestellung einen Zahlungsaufschub gewährt. Außerdem hofft er darauf, für den Herbst zwei geeignete Lehrlinge als Modeschneider beziehungsweise Modenäher finden zu können. In Zukunft möchte man weiter auf den europäischen Markt expandieren. Auch will das Unternehmen das Angebot auf funktionelle Bekleidungstextilien für den Gastrobereich erweitern. Dabei soll die Kundenzufriedenheit immer "Leitbild in einer Welt des Überflusses und der Massenproduktion" sein, bestätigt Axel Seidel.