Finder stehen 319 Euro zu

Ein Autohändler ist froh, dass er 10 300 nicht verloren hat - und ein ehrlicher Finder darf sich auf 319 Euro Finderlohn freuen.

Oelsnitz - Ein 26-Jähriger machte am Samstagabend den Fund seines Lebens: In der Sparkassen-Filiale der Oelsnitzer Dr.-Friedrichs-Straße findet er eine prall mit Geld gefüllte Tasche. Inhalt: 10 300 Euro. Weil es schon 20 Uhr war und die Sparkasse geschlossen hatte, rief der junge Mann das Lagezentrum der Polizei an. "Gegen 20.25 Uhr hat der ehrliche Finder die Tasche mit dem Geld dann auf dem Polizeirevier Oelsnitz abgegeben.

Kurz darauf hat dann auch der rechtmäßige Besitzer bei uns angerufen. Er wollte den Verlust der Geldtasche melden", so Polizeisprecherin Annett Helfer. Vermutlich habe der Geschäftsmann, ein Autohändler aus der Region, das Geld am Automaten einzahlen wollen und aus unbekannten Gründen vergessen. Die Pressesprecherin spricht von einer "außergewöhnlichen Summe" und davon, dass es wohl auch nicht ganz ungefährlich sei, am Abend nach Schalterschluss so viel Geld mit sich herumzutragen.

Wer Geld findet, hat nach Bundesgesetzbuch Paragraph 971 Anspruch auf Finderlohn - bis zu einem Betrag von 500 Euro gibt es fünf Prozent Finderlohn, alles, was darüber liegt, wird mit 3 Prozent vergütet. Im aktuellen Fall hat Polizeisprecher Jan Meinel 319 errechnet. "Das müssen die beiden Männer unter sich ausmachen. Aber im Falle, dass kein Finderlohn gezahlt wird, kann man den auch einklagen."

Hätte der Finder das Geld einfach mitgenommen, hätte er sich der Fundunterschlagung schuldig gemacht. Darauf stehen Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft. Straffrei bleibt nur, wenn man Geld unter einem Wert von 10 Euro findet. Auch auf "Facebook" machte der horrende Geldfund die Runde und brachte die unterschiedlichsten Kommentare hervor, wie etwa: "Wieso passiert mir so was nicht?" oder "Ich würde das Geld behalten - Unterschlagung hin oder her..." oder "Das Geld musste der doch eh abgeben, wird doch alles überwacht!"

Dass die Filialen per Kamera überwacht werden, bestätigte gestern Sparkassensprecherin Yvonn Lerchner. Bisher sei es aber ihres Wissens noch nie vorgekommen, dass jemand eine so hohe Summe Geldes einfach vergessen hat. Vorfälle, in denen Geld vergessen wurde, gab es lediglich beim Geld-Abheben am Automaten. Der spuckt allerdings höchstens 1000 Euro aus - und zieht es automatisch wieder ein, wenn es zu lange im Ausgabeschlitz stecken bleibt. "Supertoll! Wenn alle so handeln würden...", kommentiert Yvonn Lerchner die edle Tat. Wer Geld im Automaten-Raum der Sparkasse findet, kann den Fund auch einem Sparkassen-Leiter oder -mitarbeiter übergeben - es gibt dann als Nachweis eine Quittung darüber. cze