Festhalle ist "85"

Etwas unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die Bad Brambacher Festhalle im vergangenen Jahr 85 Jahre alt geworden. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit hätte dieses Jubiläum sicherlich auch trotz Corona verdient gehabt.

Von Erhard Adler

Bad Brambach -  Es war im Frühjahr 1935, als es dem Ärzteverein Radiumbad Brambach gemeinsam mit der Geschäftsleitung der Brambacher Sprudel GmbH gelang, den 1. Internationalen ärztlichen Fortbildungs-Kursus in unseren Kurort zu holen. Dazu brauchte es aber eine Kongresshalle, die sich in ihrer Architektur der Landschaft sowie den umgebenden Baulichkeiten anpasst. Der Ärztekongress war für Oktober 1935 avisiert. In erstaunlich kurzer Zeit wurde die heutige Festhalle geplant und erbaut. Dies betraf nicht nur das Gebäude selbst. Der Röthenbach musste reguliert und umgeleitet werden, der Teich vor der Festhalle wurde geschaffen. Nicht zuletzt dank des unermüdlichen Einsatzes, der Beharrlichkeit und der Ausdauer des legendären Generaldirektors Adolf Hayer, der alle Arbeiten koordinierte und forcierte, war es gelungen, dass das neue Gebäude samt Umfeld wie vorgesehen in Betrieb genommen werden konnte. Am Sonnabend, dem 5. Oktober 1935 begann der 1. Internationale Ärztekongress. Die enorme Anteilnahme der Bad Brambacher Bevölkerung an diesem herausragenden Ereignis zeigte ein festliches Gepräge des Ortes mit reichlichem Fahnenschmuck bereits am Vortage, an dessen Abend ein feierlicher Empfangsabend für die hohen Gäste mit vorherigem exklusiven Abendbrot im Radium-Kurhotel stattfand. Neben den entsprechenden Kapazitäten aus Deutschland waren zahlreiche Mediziner und Wissenschaftler, u.a. aus Norwegen, Schweden, England, Finnland, Dänemark, Holland, der Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn, der Schweiz in Radiumbad Brambach versammelt.
Als Veranstalter traten der Reichsausschuss für ärztliche Fortbildung (Prof. Dr. Adam - Berlin), die Deutsche Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde (Prof. Dr. Vogt - Bad Pyrmont) sowie die Badeverwaltung und der Ärzteverein Radiumbad Brambach auf. Die Gesamtleitung lag in den Händen eines der größten Fachexperten seinerzeit, des mit Bad Brambach eng verbundenen Dr. Friedrich Gudzent (Berlin). Im Mittelpunkt des dreitägigen Kongresses standen Gicht, Rheuma, Aufbruchskrankheiten (Herz-, Blutgefäße), Klimakterium.
Vom 5. bis 7. Oktober 1935 wurde in insgesamt 17 Fachvorträgen von hochrangigen Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland referiert. Für unseren Kurort besonders interessant waren die Vorträge von Prof. Dr. Aeckerlein (Freiberg /Sa.) über radioaktive Quellenforschung in Bad Brambach und von Dr. Flach (Bad Elster) über Freiluft-Ionenforschung in Bad Brambach.
Die Ergebnisse des Kongresses wurden in einem europaweit vertriebenen Tagungsband (auch in englischer Übersetzung) veröffentlicht. Die Eröffnung unserer Festhalle vor 85 Jahren war nicht nur eine bedeutsame Veranstaltung für die Mediziner, von der nationalen wie internationalen Presse stark beachtet, sondern auch ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte unseres Bades und Ortes - ein überragender Startschuss für die weitere Nutzung des wohl meist fotografierten Objektes in Bad Brambach, unserer Kongresshalle, Kino, Festhalle.
In all den Jahren war die Festhalle der Kulturtempel Nr. 1 im Kurort, die lokalen wie auch überregionalen Künstler bis hin zu aus Funk und Fernsehen bekannten Stars eine Bühne bot. In DDR-Zeiten war für das Haus schlicht und einfach der Name Kino gebräuchlich. Viel wäre zu berichten. Aktuell erinnert jährlich das von der Sächsischen Staatsbäder GmbH organisierte Radon-Symposium an den Grund der Erbauung. Ansonsten nutzt die Chursächsische Veranstaltungsgesellschaft die Festhalle für die zwar wenigen, dafür aber hochklassigen Musiker der Chursächsischen Philharmonie zu musikalisch hochklassigen Konzerten.
Auch für die einheimischen Musikvereinigungen und Vereine wie das Brambacher Carnevals Volk, die Musikschule und andere ist das historische Gebäude Ort vielfältiger Events. Größere private Feiern finden auch statt. Schade ist, dass es nicht zu Auftritten überregional bekannter Künstler wie einst kommt. Seit Kurzem ziert eine Plakette als Ehrung für den Bad Brambacher Ehrenbürger und verdienten Musiker, Dirigent, Musiklehrer Gustav Ploß die Festhalle.
Allerdings ist die Stelle, an der die Ehrentafel angebracht ist, vorsichtig ausgedrückt nicht gerade optimal. Bei allen Denkmalschutzbedenken wäre eine günstigere Stelle der hochverdienten Ehrung ein würdigerer Rahmen.