Fest verwurzelt in Plauen

Als vor 85 Jahren Richard Köstner das Familienunternehmen gründete, war an einen Plauener Standort noch lange nicht zu denken. Seit 17 Jahren aber ist das Stahlzentrum am Leuchtmühlenweg fest verwurzelt und wächst stetig.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Das Familienunternehmen aus Neustadt an der Aisch wird seit 1997 in der dritten Generation von Dr. Norbert Teltschik geleitet. Und hatte dessen Großvater mütterlicherseits, Richard Köstner, mit einer Eisenhandlung begonnen, so sieht das Firmenprofil heute ganz anders aus. Einzig das Material, mit dem gehandelt wird, ist Eisen, oder besser Stahl, geblieben. Auf die letzten Jahre der 85-jährigen Geschichte, blickte Vorstand Dr. Teltschik bei einem Gespräch in Plauen zurück. Mit 81 Mitarbeitern ist der vogtländische der größte Stahlstandort des mittelständischen Unternehmens, das auf 477 Mitarbeiter an elf Orten verweisen kann. 
 Niederlassungsleiter Felix Windisch blickt zuversichtlich in die Zukunft des Plauener Stahlzentrums, in das allein im vergangenen Jahr über eine Million Euro investiert wurde. Erweitert wurden Gebäude, Maschinen und Fuhrpark. Gleichwohl steht man vor großen Herausforderungen. "Wir haben jetzt die Hardware auf Vordermann gebracht, jetzt ist die Software an der Reihe", sagte Dr. Teltschik: "Das Projekt läuft über zweieinhalb Jahre und ist Voraussetzung für die Digitalisierung in unserem Unternehmen. Wir wollen mit der Lager-Verwaltungs-Software die Warenströme und den Austausch mit Lieferanten besser vernetzen und automatisieren. Ziel ist bester Service für die Kunden", erklärt der Firmen-Chef den eingeschlagenen Weg zu Industrie 4.0. Der erste Schritt sei mit dem Jahreswechsel passiert, der zweite soll im Juli folgen. Komplett vernetzt soll alles zum Jahresbeginn 2020 sein. "Es soll so weit gehen, dass der Kunde mit seinem Smartphone nachschauen kann, was im Lager bei uns liegt und was er braucht. Zum anderen wird auch der tägliche Arbeitsprozess automatisiert sein, Maschinen mit Maschinen kommunizieren", erklärt Windisch. 
 Trotzdem brauche sich kein Mitarbeiter Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen: "Im Stahlhandel ist es unmöglich, auf den Einsatz von Menschen zu verzichten. Wir wollen die Prozesse so sicher wie möglich machen, der Faktor Mensch ist und bleibt das wichtigste. Nicht zuletzt wegen der persönlichen Kontakte im Verkauf", betont Dr. Teltschik. Das Köstner Stahlzentrum hat sich auf den Stahl- und Metallhandel sowie seine Anarbeitungsprozesse spezialisiert. Betonstahl, Stahl, Edelstahl und Aluminium in Form von Profilen, Blechen und Rohren werden an Metallbau, Hoch- und Fahrzeugbau, Schlosser, Stahlbau, Industrie sowie Maschinen- und Anlagenbau geliefert. 
 Aus der Biegerei wurde eine Säge-Linie und die zehn Mitarbeiter dafür umgeschult. Mit der neuen Bandsägeanlage wurde das Hohlprofile-Sortiment ausgeweitet - und am Standort das zentrale Lager für dieses Sortiment geschaffen. Mehr als 10 000 Artikel liegen in den Lagern aller Standorte und sind im Regelfall innerhalb eines Arbeitstages beim Kunden. Dafür sorgt auch der Fuhrpark. Zwölf Lkw stehen am Standort Plauen bereit, darunter als Pilotprojekt zwei Solo-Wechselbrücken-Lkw. Im Umkreis von 150 Kilometern in Sachsen, Thüringen, Bayern und Tschechien werden die Kunden beliefert. 
 Mit einer Spannweite von rund 24 Metern kann ein neuer Kran Blechtafeln bis zu 16 Tonnen heben. Stahlträger können bis zu 21 Meter Länge an den Maschinen bearbeitet werden, erklärt Windisch und auch, dass die kleinsten Teile nur Zentimeter messen. Monatlich verlassen Teile mit insgesamt rund 2500 Tonnen Gewicht den Handelsbetrieb. Der Umsatz hat sich seit Gründung des Plauener Stahlzentrums 2002 mehr als verdoppelt. 
Das neue Bürogebäude für die Mitarbeiter des Fuhrparks und der Logistik bietet beste Arbeitsbedingungen. Im Erdgeschoss sind Warenannahme, Warenausgang sowie Kunden- beziehungsweise Lieferantenanmeldung untergebracht. 
Sehr viel Wert legt "Köstner" auf die Ausbildung junger Leute und wurde im vorigen Jahr sogar als einer der hervorragenden Ausbildungsbetriebe Sachsens ausgezeichnet. Vier neue Azubis haben ihre Lehre begonnen. Und, dass sie gute Chancen im Betrieb haben, zeigt auch das Beispiel Felix Windisch. Der 29-Jährige hatte im Betrieb gelernt und steht seit 2016 als Niederlassungsleiter an der Spitze. Nächste Woche gibt es einen Azubi-Tag, an dem sich alle Auszubildenden des gesamten Unternehmens treffen - diesmal in Plauen. 
Weil sich Mitarbeiter im Unternehmen nicht nur wohlfühlen, sondern auch gesund bleiben sollen, startet Ende April im Betrieb eine Rücken- und Nackenschule. "Die Gesundheitstage im vorigen Jahr waren ein Erfolg und sollen so fortgesetzt werden", sagt Windisch. 
Gesundheitsvorsorge vor Ort könne auch ein Zugpferd für neue Mitarbeiter sein. Die sucht auch "Köstner" dringend und ärgert sich über gezielte Abwerbung seiner Leute. Aber davon lässt sich Dr. Teltschik nicht aus dem Konzept bringen und verspricht, "wenn wir weiter erfolgreich sind, werden wir in Plauen weiter investieren".