"Fein-Tuning" für das Weisbachsche Haus

Das Timing ist perfekt. Wenn Plauen im Jahr 2022 sein 900-jähriges Bestehen feiert, soll auch das Weisbachsche Haus auf insgesamt 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche als hochmodernes Forum für Textil und Spitze fertiggestellt sein.

Von Torsten Piontkowski und Cornelia Henze

Plauen - Nein, eine Nummer kleiner geht es wirklich nicht. Alle Beteiligten an der Realisierung eines hochmodernen Domizils für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Plauener Spitze im Weisbachschen Haus würden nur ungern von einem Museum sprechen, denn mit Verlaub - diesem Begriff haftet nun mal etwas Angestaubtes an. Interaktive Ausrichtung hin oder her. 
Bereits zu Beginn bewies die Stadt ein glückliches Händchen, als sie sich im Ergebnis der Ausschreibung für ein junges Architekturbüro entschied. Koko aus dem estnischen Tallinn genoss nicht nur in den baltischen Republiken, sondern auch darüber hinaus einen Ruf als die Rockstars der Branche. Leuten, die ihrer Kreativität ordentlich Zucker gaben und auch für den estnischen Pavillon auf der Expo 2011 die Ideen lieferten. Von Anfang an erwiesen sich die jungen Architekten als Fachleute zum Anfassen, führt sie ihr Weg doch mindestens einmal monatlich nach Plauen. "Die Zusammenarbeit läuft super, das Team von Koko ist jederzeit ansprechbar und flexibel", sagt Kulturbürgermeister Steffen Zenner, der in seinem Urlaub im vorigen Jahr die Chance nutzte, die Koko-Leute in Tallinn zu besuchen. Inzwischen habe sich zwischen der estnischen Hauptstadt und Plauen eine Art Linienverkehr gebildet. "Sie nutzen die Flugverbindung nach Nürnberg und sind binnen drei Stunden vor Ort", freut sich Zenner über jederzeit verfügbare Ansprechpartner, denn ob nun mit oder ohne Breitbandausbau - bestimmte Details lassen sich nun mal nur vor Ort klären. Und genau in dieser Phase befinde man sich derzeit. Für die Vitrinen, die Beleuchtung, die Technik werden bereits die Feinkonzepte erarbeitet. Mittlerweile befasse man sich auch schon mit bestimmten logistischen Fragen: Wie bekommen wir die gigantische Punch-Maschine aus dem Spitzenmuseum an die Elsteraue? 

Marketing-Profi für
Weisbachsches Haus
Parallel, so der Kulturbürgermeister, laufen auch Recherche- und Restaurierungsarbeiten. Und auch in Sachen Marketing will man nichts dem Zufall überlassen vor dem Hintergrund, dass das Weisbachsche Haus künftig eine Ausstellung von nationaler Bedeutung berherbergen soll, wie Zenner nicht müde wird zu betonen. Im Oktober werde man einen Marketingprofi einstellen - derzeit laufen noch die Bewerbungen. Erfahrungsgemäß planen die Busunternehmen zwei Jahre im voraus, da kämen Marketingmaßnahmen mit der Eröffnung im Wortsinne zu spät.

Verein Spitzenmuseum
stellt Arbeit ein
Gleichzeitig hat man sich darüber geeinigt, wie es mit dem Spitzenmuseum am Altmarkt weitergeht. Der die Einrichtung betreibende Verein werde zum 31. März nächsten Jahres seine Arbeit einstellen und befinde sich dann ein Jahr in der Liquidierungsphase, avisiert Zenner - genau jene Zeitspanne bis zur Eröffnung des Weisbachschen Hause im ersten Halbjahr 2022. 
Die Stadt springe quasi ein und übernehme das Museum in den Bereich Kulturbetrieb - es zwei Jahre zu schließen, sei ja keine Lösung, erklärt Zenner das Prozedere. 
Man werde die verbleibende Zeit bis zum Umzug nutzen, um im Spitzenmuseum intensiv für das Gesamtprojekt an der Elsteraue zu werben. Mit der "Fusion" der Exponate des Spitzenmuseums ins Weisbachsche Haus, sei der Vereinszweck entzogen, so die juristische Bezeichnung. Zu klären bleibt, was mit dem restlichen Fundus von enormem Wert geschehen soll. Ob die Stadt Eigentümer wird, hängt auch von den Gesprächen mit den Leihgebern ab.
Bliebe auch noch das "Feintuning" hinsichtlich des künftigen Namens, der bislang recht sperrig "Weisbachsches Haus Plauen - Deutsches Forum für Textil und Spitze" lautet. Als die Gebrüder Weisbach der Stadt das historische Gebäude schenkten, baten sie darum, dass der Name der Familie im Titel erhalten bleibt. Als Markennamen mit Wiedererkennungseffekt kann sich Zenner "Weisbachsches Haus Plauen" vorstellen. 
"Wir sollten uns auf unsere Wurzeln besinnen und das sollte im Namen zum Ausdruck kommen. Irgendwelche Phantasiebezeichnungen in Richtung Erlebniswelt sind eher hinderlich bei der Vermarktung", ist Zenner überzeugt.
Auch die Sommerakadermie, bislang in Regie der Kunstschule Plauen, soll im Weisbachschen Haus fortgeführt werden. Mit dem Planungsstand für die weiteren Gebäude Bleichstraße 1 bis 3 zeigt er sich ebenfalls zufrieden. Hier soll ein Textildepot sein Domizil finden, in dem später auch geforscht werden kann.
Geht es nach Martin Salesch, dem Leiter des Vogtland-Museums, wird der Mensch im Zentrum der Textilgeschichte stehen. So werden die Geschichten von Fabrikanten als auch Handsticker, Lohnarbeiter und Kinder, die das Garn für die Stickmaschinen einfädelten, erlebbar. Erkenntnisse, die man aus Dokumenten, Erzählungen, aber auch Interviews, die Beate Schad mit Zeitzeugen führte, gewann. Als Hommage an das Weisbachsche Haus wird man dessen Geschichte aufzeigen. Salesch plant eine Interieurs-Szene aus der Wohnung Bleichstraße 5 Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch die Rußspuren, die der Küchenofen hinterließ, sollen bleiben.