Feier zum Fest - ohne Fete

Das Jubiläum am 3. Oktober fällt kleiner aus - wegen Corona. Dennoch will das Vogtland als einziges ehemaliges, innerdeutsches Grenzgebiet in Sachsen in besonderer Weise an 30 Jahre Deutsche Einheit erinnern: Mit einer Wanderausstellung, mit Gottesdienst und Festkonzert. Und ein Bauwerk steht im Fokus: Jeder sieht es rechts der Autobahn, wenn er Sachsen in Richtung Bayern verlässt.

Plauen - Das traditionelle Fest in Mödlareuth mit tausenden Teilnehmern findet nicht statt am 3. Oktober, sagte Landrat Rolf Keil in einem Pressegespräch: Dort, "wo der Bär brummt", habe man mitfeiern wollen. Jetzt gebe es nur einen Gottesdienst für 200 Menschen und abends ein Festkonzert im König Albert Theater in Bad Elster. Außerdem ist ein weiterer Gottesdienst in Heinersgrün geplant - in der Kapelle St. Klara.
Stichwort Heinersgrün: Dort steht ein heruntergekommener Grenzturm, den die DDR zur Grenzsicherung verwendet hat. Laut Keil soll die Sanierung des Turms als Gedenkort vorangetrieben werden. "Unsere Region in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bayern war von der ehemaligen Grenze besonders betroffen. Familien und Freunde waren getrennt. Wir wollen die Geschichte der Menschen angemessen würdigen."
Nach Keils Worten ist zudem eine Wanderausstellung mit vielen Zeitzeugen-Dokumenten und historischen Fotografien vorgesehen.
Unterlagen aus dem Archiv des Landkreises mit Zeitungsausschnitten, handschriftlichen Texten und Bildern würden die Zeit des Wendeherbstes 1989 aufleben lassen, ergänzte Christian Espig, Sachbereichsleiter Historisches Archiv des Vogtlandkreises über die Schau, die in den ehemaligen Kreisstädten des Vogtlandkreises zu sehen sein wird.
Der Plauener Künstler Wilhelm Mühsam hat bewegende Szenen der Wendezeit vor allem aus seiner Heimatstadt Plauen in Zeichnungen festgehalten - obwohl er nach eigenen Worten damals, vor 30 Jahren das Gefühl hatte, eine Welt zerbricht. "Das ging vielen so."
Bilder mit diesen Motiven stellte er Anfang des Jahres anlässlich seines 80. Geburtstages im Landratsamt aus. Gezeigt wurden 40 Motive - ein kleiner Querschnitt der Arbeiten des Zeichners und Reimers Mühsam. Die Kunstwerke entstanden beinahe ausschließlich mit Kugelschreiber, unter Verwendung einer feinen und leicht schreibbaren Mine. Den würdigen Abschluss der Ausstellung holte Keil jetzt nach, weil er seinerzeit coronabedingt nicht möglich war.
Mühsam bedankte sich herzlich und in gereimter Form für die Zusammenarbeit bei Keil mit einem Geschenk: Eine Ansicht Plauens, die er gezeichnet hat vom Balkon des Landratsamtes. ufa/dpa