Fast 2000 Konzerte seit der Wende im Malzhaus

Plauen - Vor mehr als 300 Jahren wurde es erbaut, so wie es heute noch zu sehen ist. Viel zu erzählen haben die Wände und Räume. In den 70er Jahren begannen die wilden Jahre. Politisch und musikalisch revolutionär ging es im Plauener Malzhaus zu, was zu einer Schließung unter Vortäuschung einer bevorstehenden Rekonstruktion im Juli 1982 führte.

 

Doch nicht einmal zehn Jahre später, begründet auf dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung besetzte der Vereins "Autonomes Kulturzentrum Malzhaus" das Gebäude. Im März 1990 begann der regelmäßige Veranstaltungs- und Cafébetrieb. Das ist nun fast auf den Tag genau 20 Jahre her und gab Anlass zur großen und ultimativen Geburtstagsshow am Wochenende.

Fast 2000 Konzerte mit über einer Million Besuchern gab es seither. Ein Teil der Künstler hat spontan zugesagt, die Fete zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. Und das ist mehr als gelungen! Fast ein Dutzend Musiker, darunter auch die Männer der ersten Stunde, die Hausband des Malzhaus - die Landluper, gaben sich das Mikrofon auf der Galerie Bühne in die Hand. Ein Film zur Einstimmung über die Bauzeit beschäftigte sich vor allem mit den notwendigen Sanitär-Maßnahmen, die von den Bands später mit Kusshand aufgenommen wurden, um Überleitungen zu finden.

Durch den Abend führte das Duo Sonnenschein, das musikalisch, aber auch komisch brillierte und dabei nicht nur das Publikum auf den jeweils nächsten Höhepunkt einstimmte, sondern gleichzeitig die Lachmuskeln kitzelte. "Bleib liegen, bleib liegen, bleib liegen Dein Gesicht ist beim Schlafen so schön", sang Jörg "Ko" Kokott und zaubert damit nicht nur Gänsehaut, sondern auch ein Lächeln auf viele Frauengesichter. Doch selbst die "Enten auf dem Teich" gehörten zu den klangvollen Highlights der Nacht. Kokott selbst habe zwar eine momentane Aufenthaltsgenehmigung in Straßberg, ist vielen aber noch aus seiner "Lokal-Zeit" in der Straßberger Straße bekannt.

Auch Matthias "Kies" Kießling durfte zum Jubiläum nicht fehlen, war er es doch, der vor 20 Jahren die Bühne sozusagen entjungferte. Mit deutschem Liedgut vom grünen Tal oder einer Patrone Bavarie Version, gab er sich die Ehre. Auf die "Strafbank" gesetzt wurde Danny Dziuk nicht, wie in einem seiner Songs, sondern eher auf die vor dem Flügel. Denn auf dem kann er sich zu seinen Songs genauso gut begleiten, wie auf der Gitarre und ließ auch die Wirtschaftskrise mit der "Tante Bank" nicht aus.

"Komische" Artistik lieferte Jens Bühring. Mit einer Jonglagen-Geschichte unterhielt er das sehr gut besuchte Malzhaus, mit besonderen Rotnasen-Charme, zeigte aber später auch noch, dass ihm musikalisch ernstere Themen nicht fremd sind. Lüül, dessen Name aus einer Wortspielerei mit seiner Schwester entstand, kam mit "Bergliedern" ins Vogtland "Berge gibt es ja hier auch genug". In Begleitung von Kerstin, die der Säge genauso hörbare Töne, wie der Geige entlockt, ist er dem Publikum hier kein Unbekannter. Erst im Januar klang seine rauchige Stimme durchs Kellergewölbe. Der gebürtige Leipziger und Wahlhamburger Johannes Kirchberg gehört mittlerweile zum Kreis der sehr gefragten Künstler, auch im Bereich der Filmmusik. Seine Lieder, direkt aus dem Leben gegriffen, auf den Punkt ausgesprochen und von den Zuhörern als "einfach nur gut" befunden, lösten zustimmendes Nicken aus. Seien es seine eigenen Erfahrungen, die er besang oder zusammengetragene Empfindungen anderer, kaum deutlicher können Lebensgeschichten erzählt oder in diesem Falle vertont werden.

Last but not least, the one and only - die Landluper. Fast wie zu Hause sollten sie sich in den Mauern fühlen, gehören sie doch zur Malzhaus-Ära, wie die Luft zum Atmen. Mit vereinten Kräften, unterstützt von Gründungsmitglied Matthias Freihof, läuteten sie das Finale ein und gaben eine Überleitung für die Kellerbühne, wo dann kräftig weiter gefeiert wurde. Ultimativ sollte der Malzhaus-Abend werden, Superlativ war er - gebührender kann ein Geburtstag nicht gefeiert werden.    sr