Fanprojekt Plauen-Vogtland vor dem Aus?

Wer als Zuschauer staunt nicht über die Fanblöcke in den Stadien, die vielen Fahnen und Transparente, die Sprechchöre, die Begeisterung, Lautstärke, den persönlichen Aufwand, die Synchronisation der Bewegungen der Fans und ihre so genannten Choreografien, wenn ein Block zu einem Gemälde aus Menschen und Symbolen wird -und das alles für den jeweils heiß geliebten Fußballverein.

Die Fans, meist junge Menschen, sammeln sich mit ihren Temperamenten, ihren Stärken und Schwächen, ihren Hoffnungen und Sorgen. Sich um sie zu kümmern, ist unter anderen die Aufgabe der zwei Sozialarbeiter Nicole Kittler und Volker Herold, die seit Sommer 2009 an einer einmaligen Sache wirken. Sie betreuen das Fanprojekt Plauen Vogtland. Dieser Verein ist ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der sich für junge Fußballfans im Vogtlandkreis engagiert. "Wir haben ein gut funktionierendes Projekt aufgebaut, sind in Plauen mit einer schönen Anlaufstelle in der Dobenaustraße präsent und in Auerbach oft vor Ort", so Herold. Ihre Arbeit umfasst unter anderem die Betreuung der Fans, sie sind Ansprechpartnert im Stadion, organisieren gemeinsame Veranstaltungen wie Fußballfanturniere, Spielabende, Grillabende und Diskussionsrunden, aber auch Ausfahrten zu Spielen und Partnervereinen.

 

Die sozialpädagogische Unterstützung in Krisensituationen, die junge Menschen aus eigener Kraft nicht bewältigen können, gehört ebenso dazu. Aktuell erreicht das Duo Kittler/ Herold weit über hundert Jugendliche in direkter Betreuung. Jetzt aber droht die Arbeit Ende des Jahres vorbei zu sein. Das Geld darüber hinaus ist nicht bewilligt, erläutert der Projektleiter. "Insgesamt 60 000 Euro stehen uns zur Verfügung, davon kommen ein Drittel vom DFB, ein Drittel vom Freistaat Sachsen und ein Drittel von der Kommune.

Fällt das letzte Drittel weg, dann ziehen die anderen Geldgeber sich auch zurück", sagt der Plauener. Da die Kreisfreiheit Plauens nicht mehr bestehe, und das Geld aus dem Bundesprogramm "Vielfalt tut gut" für Plauen und so ein Teil auch für das Fanprojekt nicht mehr bindend sei, stünde man mit seiner Arbeit vor dem Aus.

Nun soll der Landkreis einspringen, bei dem sich nun die Verantwortung befindet. "Der Landkreis hat uns bisher 5000 Euro und Plauen ebenso viel angeboten, macht mit den beiden anderen Fördermittelgebern insgesamt 30 000 Euro. Das wäre aber zuwenig für ein Projekt mit zwei großen Vereinen im Vogtland", mahnt der Sozialarbeiter. Sicher, noch habe man im Vogtland keine Fanszene, in der es krache, in der die sozialen Probleme sich durch jugendliche Fans stark auf den Fußball projizierten. "Es ist aber wichtig zu begreifen, dass man davon abkommt zu denken, Prävention sei nicht so wichtig. Erst wenn was passiert ist, mit einer sozialpädagogischen Gegenmaßnahme zu reagieren, ist nicht gut", findet Herold.

Der DFB schätzt dies ebenso ein. "Dass die finanzielle Absicherung jedoch notwendig ist, zeigen gerade die aktuellen Entwicklungen im Vogtlandkreis. Nicht nur an den Regional- und Oberligaspieltagen kommt es zu Störungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen meist jugendlicher Fans - die Konfrontationen zwischen den Fußballfans haben sich zunehmend in den Alltag verlagert", beschreibt die Koordinationsstelle des DFB für Fanprojekte. Schauplätze der Auseinandersetzungen seien zunehmend Schulen, Diskotheken und öffentliche Plätze. Die regionale Nähe zu den anderen Fanszenen in Aue und Zwickau verstärkt diesen Trend auch im Vogtland. Gerade weil derzeit vor Ort ein Generationswechsel in der Ultraszene (besonders aktive Fans) stattfindet, sei eine Intensivierung der präventiven Arbeit mit den jungen Menschen unbedingt notwendig und sinnvoll.

"Wir arbeiten daran, dass unsere Geldgeber in Stadt und Kreis noch eine Schippe drauf legen", ist Herold voller Hoffnung, dass das Fanprojekt Plauen-Vogtland auch im Jahr 2011 und darüber hinaus mit den jungen Leuten in der vogtländischen Fußballszene zusammenarbeiten kann. Im Übrigen ist das vogtländische Projekt das kleinste in Deutschland von 42. In Plauen und Auerbach, da wo die höherklassigen Vereine der Region daheim sind, ist die Zahl der Fans wohl noch überschaubar, aber gerade deshalb ein guter Ansatzpunkt für Jugend-und Sozialarbeit weiß Volker Herold.