Fänneln wie vor 100 Jahren

Mensch und Maschine - "Maschine Mensch" ist das Thema zum Fächer verbindenden Unterricht der achten Klassen des Lessing-Gymnasiums, der auf mehreren Fächern, darunter Deutsch, Musik und Geschichte durchgeführt wird und die Schüler zum Geschichtsunterricht der besonderen Art in die Schaustickerei führte. Technik in historischen regionalen Zusammenhängen stand hier im Vordergrund, gepaart mit sozialen Aspekten für das Individuum in der Gesellschaft.

Bei praktischen, selbst durchgeführten Experimenten, gewinnen die Gymnasiasten am Beispiel der Spitzenindustrie und der Textilbranche Einblicke in die industrielle Entwicklung des Vogtlands. Viele Fragen wurden erörtert, um die fürs Vogtland einst typische Lohnstickerei, die damit verbundene Kinderarbeit und deren Wegfall nach technischen Erfindungen. Der Lohnsticker besaß selbst keine eigene Stickerei. Er bekam Muster und Stoffe vom Fabrikanten, dem er das fertige Produkt lieferte.

Früher wurden Kinder nach der Schule zum Lohnsticker geschickt, mussten dort für wenig Geld viel arbeiten. Das Fänneln, also den Faden in die Nadeln einziehen, das mussten auch die Lessing-Gymnasiasten beim praktischen Projekt heute unter Beweis stellen - genau so wie damals viele vogtländische Kinder. Bei allen Gymnasiasten wurden die dabei sehr unterschiedlichen Zeiten gemessen, nachdem sie viele Fragen um Kosten und Preise, die Werte von Stickmaschinen um 1900 zu beantworten hatten. Preistabellen galt es zu studieren, um Gewinne zu ermitteln und Kosten zu kalkulieren.

Technische Entwicklungen, wie die Fännelmaschine, die der Plauener Uhrmacher Hadam Ende des 19. Jahrhunderts erfand, und weitere industrielle Veränderungen erfuhren die Gymnasiasten beim sehr informativen Fächer verbindenden Unterricht in der Plauener Schaustickerei am Obstgartenweg.