Expertin entsetzt über Zustände in Landwüst

In diesen Tagen erhält Landrat Tassilo Lenk Post von Katja Margarethe Mieth. Die Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen weilte vor einer Woche in Landwüst und verschaffte sich ein Bild zur Arbeit.

 

 Vor dem Hintergrund schwelender Vorwürfe um die museale Führung hatte Lenk die Frau aus Chemnitz ins Vogtland gebeten und erhofft sich von ihr Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Vor einer Woche war das Treffen mit der Chance eines "Self-Outings" durch die Geschäftsführung der Vogtland Kultur GmbH zu Ende gegangen. Bis Ende des Jahres sollte diese intensive und kritische Selbsteinschätzung abgeschlossen sein.

Doch mittlerweile hat Mieth ihre Meinung geändert. "Ich habe mich erstmals in Landwüst bewusst umgesehen", so die Frau. "Seither habe ich mich noch einmal intensiv zur Sachlage informiert und viel nachgedacht." So habe sie festgestellt, dass bereits 2001 durch ihren Amtsvorgänger sowie den Sächsischen Museumsbund massive und deutliche Kritik an der musealen Arbeit laut geworden war. Daraus habe man in Landwüst offensichtlich nichts gelernt. Keiner der Hinweise von damals sei umgesetzt worden. "Ich bin betroffen und entsetzt von dem, was ich gesehen habe."

 

 Keine der Kernaufgaben eines Museums sei erfüllt. So sei weder bekannt noch dokumentiert, welche Schätze das Freilichtmuseum überhaupt besitze. "Durch Schenkungen, oft unter Einsatz öffentlicher Gelder ist der Bestand gewachsen. Doch die Bewahrung dieser Schätze ist nicht gewährleistet, der Zustand der archivierten Relikte bedauernswert." Weder Forschungsarbeit wurde betrieben und selbst die aktuelle Sonderausstellung "Wagen - von der Wiege bis zur Bahre" lässt Mieth so nicht gelten. "Es sind herrliche Ausstellungsstücke, doch keines ist beschriftet." Besucher können sich nur allgemein informieren. "Das machen wir alles per Führung", hatte Mieth zu hören bekommen. "Das kann nicht sein. Besucher müssen sich auch ohne Erklärungen dort zurechtfinden."

Mieth glaubt nun, im Gegensatz zur letzten Woche, dass die vereinbarte Analyse angesichts der langen Dauer der Vernachlässigung der Museumsarbeit keinen Sinn mache. "Wenn eine Person in 16 Jahren nicht gelernt hat, was museale Arbeit heißt, wird sie das auch im nächsten Jahr nicht begreifen", so ihre Sicht auf die langjährige Leiterin.

Sie habe beim Vor-Ort-Termin deutlich ihre Inkompetenz bewiesen. Mieth empfiehlt dem Landrat daher, Maiwald in einem Gebiet einzusetzen, welches sie beherrsche. Darüber hinaus solle die ohnehin vakante Stelle eines wissenschaftlichen und musealen Leiters neu ausgeschrieben werden - das ist am 8. Oktober geschehen. "Mit einem Fachmann an der Spitze kann dort noch etwas erreicht werden." Mieth erwartet über dies ein deutliches Votum des Landkreises zur geplanten Museumslandschaft im Vogtland.

Sie riet unbedingt einen Trägerwechsel an, warnt jedoch auch davor, jetzt zum Schutz des Museums einen Verein zu gründen. "Der würde ehe er es sich versieht, die Verantwortung für das Museum übergestülpt bekommen. Sinnvoller wäre es, das Museum unterstände wieder direkt dem Landkreis." Zur Kündigung Wunderlichs wollte sie sich nicht näher äußern. Nur: "Der Zustand in Landwüst geht nicht auf das Konto der letzten paar Monate."  mam