Ex-Mitstreiter wollen sich wieder "einmischen"

Seit etwa einem halben Jahr treffen sie sich wieder, die Aktivisten des Neuen Forums Plauen. Ein Mal im Monat sitzen ein Dutzend Männer und eine Frau um einen großen Tisch in der Gaststätte "Am Goetheplatz" in Plauen. Es ist ihr "Politischer Stammtisch". Es geht lebhaft zu. Diskutieren.

 

Dazwischenreden. Einwände. Ergänzungen. Applaus. Gestikulieren. Aufmuntern. Argumente äußern, Fragen stellen. Antworten. Neuer Aufbruch zu spüren Es ist eine neue Kraft zu spüren. Ein neuer Aufbruch? Vergangenen Dienstag hat Jörg Schneider, der Mann, der 1989 das entscheidende Flugblatt, den Aufruf zur großen Oktoberdemonstration am Tunnel verfasste und verteilte, zwei damalige Helfer mitgebracht. Dieter Orgs und Holger Nürnberger. Die Stammtischler zollen den beiden herzlichen Beifall. Schneider fühlt sich gut: "Es macht mir Mut, wenn wir wieder gegen Missstände aufstehen wollen und von Herzen diskutieren."

Auch über die Vergangenheit wird gesprochen. Gerade haben die alten Neue Forum-Mitstreiter ihr Buch "Bürgermut macht Politik" auf dem Tisch liegen. Es wird signiert, in dem gelungenen Werk geblättert. "Gekämpft haben wir - geerntet haben andere", meint Dieter Orgs trocken. "Während wir noch in Plauen demonstrierten, sind andere in Hof einkaufen gewesen", sagt er ironisch. Etablierte Parteien, die Wirtschaftsmonopole, die Finanzmächtigen führen heute das Land. Wie sie es tun, man entnimmt es den Wortmeldungen am Tisch, stimmt keinen zufrieden. Darum ist umso mehr der Blick der ehemaligen "Neuen Forumler" nach vorn gerichtet. Einmischen wollen sie sich. Es macht sich konkreter Umnut breit, als es um eine Gedenktafel in Plauen zur Friedlichen Revolution 89 geht. Das Neue Forum soll nicht mal erwähnt werden. "Wir müssen denen Feuer machen in der Stadt, dass sie uns nicht übergehen", sagt Klaus Seidel. Brief an Bundespräsidenten "Gründen wir einen Verein oder bleibt es bei einer Initiative?", fragt Seidel. "Dann müssten wir uns sogar zur nächsten Wahl stellen", findet Dietrich Kelterer. "Langsam, langsam, wir sollten im Kleinen beginnen", schlägt Jörg Schneider vor. Nadelstiche setzen, kleine Aktionen, Briefe, Konzepte aufstellen. Frank Grünert fordert: "Wir brauchen ein Ziel!" Schneider packt ein Schreiben aus. Es ist ein offener Brief an den Bundespräsidenten wegen dessen Besuch bei der mittlerweile allseits bekannten Dumpinglohnfirma und die Antwort aus Berlin hat er auch parat. "Diese Post ist von einer Referentin Köhlers, so Null acht fünfzehn geschrieben", sagt Schneider, auf die der Plauener eine erneute Entgegnung verfasst hat.

 

Er protestiert gegen diese postalische Ignoranz und Arroganz der Macht und fordert Köhler auf, die regionalen Politiker zur Rede zu stellen. "Der Landrat und andere Entscheidungsträger im Vogtland hätten doch wissen müssen, dass die Instrumentfirma keine Vorzeigefirma ist." Es ist spät geworden. Die zwölf Männer und Adelheid Liebetrau sind sich einig: Das ehemalige Neue Forum arbeitet. "Man fühlt sich gleich viel lebendiger, wenn man merkt, die Leute sind nicht in Lethargie erstarrt", zeigt sich Jörg Schneider froh. Und fest steht: Am ersten Dienstag im neuen Jahr ist wieder Politischer Stammtisch. Es gibt viel zu tun.