Ex-Horten wird Landratsamt für fast 40 Millionen Euro

Das Horten-Kaufhaus in Plauen wird bis 2013 zum Landratsamt des Vogtlands. Der Kreistag hat den Umbau beschlossen - für 28 Millionen Euro reine Umbaukosten. Die Gesamtkosten werden steigen auf bis zu 39,8 Millionen Euro wegen: Ausstattung (3 Millionen), Parkhaus (2,5 Millionen), Erbbaupacht (1,5 Millionen) und 17 Prozent Baukosten-Spielraum (4,8 Millionen).

 

Mit dem Beschluss hat sich die CDU-Fraktion (unterstützt von der FDP) durchgesetzt, die befürchtet hatte, dass die Kosten noch höher würden: Im ersten Beschluss-Entwurf war der schlimmste Fall mit 44 Millionen Euro beziffert worden. Damit sahen die Christdemokraten die Kredit- und Zukunftsfähigkeit des Vogtlandes gefährdet. "Wir wollen, dass Spielraum bleibt", sagte Dieter Kießling, Reichenbachs CDU-Bürgermeister und Vorsitzender des Finanzausschusses. Mit dem neuen Beschluss sei eine Obergrenze gesetzt. Die kleinere Bausumme steigere zudem die Chancen, dass regionale Firmen zum Zuge kommen. Außerdem soll ein privater Investor das Parkhaus bauen.

Hauptamtsleiter Peter Plohmann hatte die Notwendigkeit der Zentralisierung des Landratsamtes ausführlich erläutert. Nach seinen Angaben sind 32,6 Millionen Euro reine Baukosten erforderlich, um das Horten umzubauen - für 546 Mitarbeiter. Jetzt gibt es viele Außen- und Nebenstellen. Würden nur 28 Millionen Baukosten angesetzt, fänden nur 400 Mitarbeiter Platz im neuen Haus.

Diese Rechnung müsse optimiert werden, forderte die CDU - und bekam Schützenhilfe von der FDP. Fraktions-Chef Dieter Käppel führte ins Feld, dass man überlegen sollte, die Arbeitsplatzgröße im Landratsamt zu reduzieren: Von 11 Quadratmetern auf 8 bis 10, wie von der Berufsgenossenschaft empfohlen. Kießling und sein Auerbacher Oberbürgermeister-Kollege Manfred Deckert mögen bei ihren Plädoyers für niedrige Baukosten auch daran gedacht haben, dass Mitarbeiter des Landratsamtes wie bisher in Außenstellen der Großen Kreisstädte Unterkunft finden sollten, die andernfalls leer stehen.

Kerstin Knabe (FDP) erinnerte an einen Grundsatzbeschluss, nicht mehr als 28 Millionen auszugeben. Ebenso argumentierte ihr Parteikollege Martin Treeck, der vom Geld der Bürger sprach. Karl-Heinrich Hoyer (Freie Wähler): "Wenn ich nur 28 Millionen habe, kann ich nicht teurer bauen." Die Opposition im Kreistag sah das anders: Vertreter der Linkspartei setzten sich vehement für die große (und teurere) Lösung des Horten-Umbaus ein: Thomas Höllrich lobte Plohmanns Ausführungen, Partei-Kollegin Waltraud Klarner sagte: "Wir sind für die ehrlichere Variante".

SPD-Fraktions-Chef Lutz Kätzel sprach von einer Mogelpackung, die Kießling vorgetragen habe: "Da wird ein Trabbi bestellt - und ein Mercedes gewollt." Mit einer straffen Baukontrolle könnte man die Kosten beherrschen, zumal die Architekten stabile Kosten garantierten. Und nach den Worten Hellfried Unglaubs (SPD) ist die teure Variante die wirtschaftlichste. Die DSU hielt nichts von der Diskussion. Ihre Vertreter nannten den Horten-Umbau ein Prestigeobjekt, für das bis 2041 Steuerzahlergeld verpulvert werde, wie Ulrich Lupart sagte. Stattdessen sollte man brachliegende Immobilien sanieren, auch das bald leer stehende Polizeigebäude sei eine Option.

Schließlich einigte sich die Mehrheit der Kreisräte auf einen Kompromiss: Die große Variante solle optimiert werden - Bauen für 28 Millionen (mit 4,8 Millionen Puffer): Dafür gab es 42 Ja-Stimmen, 12 mal Nein und 5 Enthaltungen. ufa