Ex-Autohändler in Zwickau verurteilt

Der frühere Plauener Autohändler- und Vermieter Andreas H., der in den Jahren 1998 bis 2000 mit fingierten Autounfällen Versicherungen um rund 640 000 DM geprellt haben soll, wurde gestern vom Zwickauer Landgericht wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

 

Außerdem muss er eine Geldstrafe von 14 400 Euro zahlen. Diese sogenannte Kombi-Strafe wird bei Großen Strafkammern eher selten angewandt, ist jedoch bei Wirtschaftsstrafkammern durchaus üblich. In dieses Urteil floss eine weitere Strafe desselben Gerichtes ein. Im Januar 2008 war der heute 39-jährige Angeklagte, zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, nachdem er 2001, offenbar um einen Mieter loszuwerden, das sogenannte "Kutscherhaus" in Plauen anzünden ließ.

  Kriminelle Energie attestiert   Das Gericht sah es im jetzigen Prozess in 19 Fällen als erwiesen an, dass H., gemeinsam mit bereits verurteilten Mittätern, Versicherungen unrechtmäßig und zur eigenen Bereicherung, Kosten für Unfallschäden und Mietfahrzeugen in Rechnung stellte. So verkaufte er teilweise zum Schein Fahrzeuge aus seinem eigenen Gebrauchtwagenhandel an Mittäter, die meist kurz darauf in Unfälle verwickelt wurden, die oftmals gar keine waren. Die Kosten für die Reparaturen wurden daraufhin von den Versicherungen übernommen. Häufig wurden die Fahrzeuge nach einer notdürftigen Reparatur gleich wieder zu einem Unfallfahrzeug, wenn auch mit einem anderen Besitzer.

Bis zu fünfmal sollen die Autos teilweise im Einsatz gewesen sein. Die angeblich durch den Unfall Geschädigten unterschrieben bei seiner Autovermietung einen Vertrag über ein Leihauto, das sie jedoch nie bekamen. Auch für diese Kosten kamen die Versicherungen auf. Für diese "Geschäftsidee" bescheinigte ihm Richter Müller durchaus eine kriminelle Energie. Der Annahme, dass der Angeklagte, wie von Staatsanwalt Gerd Veith vermutet, der Rädelsführer, des "Plauener Kreises" war, folgte die Kammer nicht. Zu den führenden Köpfen habe er jedoch sehr wohl gehört.

Sein Verteidiger, der Plauener Rechtsanwalt Herbert Posner, sieht das ähnlich. "Er mag zwar mit den fingierten Unfällen begonnen haben. Später stieg er jedoch aus. Die Methode wurde dann von anderen weitergeführt und verfeinert". Tatsächlich hatte H. seine Aktivitäten nach einer Durchsuchung seiner Räumlichkeiten im Jahr 2000 durch die Steuerfahndung zumindest drastisch eingeschränkt. Dennoch waren in Plauen und Umgebung noch immer "Autobumser" am Werk. Mit dem Urteil ist das wohl aufwendigste und längste Strafverfahren der jüngeren Geschichte des Zwickauer Landgericht beendet.

Sieben Haupttäter wurden zu Bewährungs- oder Geldstrafen verurteilt. Darunter auch ein TÜV-Gutachter und eine Rechtsanwältin. Rund 200 an den Unfällen beteiligte Personen waren mittels eines Strafbefehles, als ohne Gerichtsverhandlung, zur Rechenschaft gezogen worden.

Meist hatten sie nur eine Unterschrift unter einen Autokauf- oder Versicherungsvertrag gesetzt. Allein die Polizei hatte im Vorfeld rund 1000 Unfälle überprüft, von denen sich schließlich etwa 250 als strafrelevant herausstellten. Die anderen, so Staatsanwalt Veith, lägen in einer Grauzone. 21 fingierte Unfälle hatte er schließlich in seiner Anklageschrift gegen Andreas H. zusammengefasst.

Da der Angeklagte zwar die Vorwürfe pauschal einräumte, sich aber an die Einzelfälle nicht erinnerte, musste das Gericht jeden der Unfälle, inklusive der Vernehmung mehrerer Zeugen einzeln abarbeiten. Das hieß bei der Zweiten Strafkammer, war der Montag der H.-Tag. Schließlich bremste der permanente Wechsel der Verteidiger den Prozess.

  Anwälte verschlissen   Herbert Posner, ist Anwalt Nummer fünf. Zuvor waren seine Kollegen sogar aus Potsdam und Dresden gekommen. Das Verfahren drohte im Sommer vergangenen Jahres sogar zu kippen, als der Pflichtverteidiger seinen Job ohne großes Federlesens aufkündigte. Da der "Neue" aber die Zeugen nicht gehört hatte, hätte theoretisch alles noch einmal aufgerollt werden müssen. Das, so wurde man sich schnell einig, galt es zu vermeiden. Schließlich wurde die "verfahrensabschließende Absprache" getroffen. Das Urteil ist rechtskräftig, Andreas H. nahm die Entscheidung noch im Gerichtssaal an.

Für die 14 400 Euro Geldstrafe bat er nicht einmal um eine Ratenzahlung. Zuvor hatte er bereits 250 000 Euro an den Insolvenzverwalter überwiesen. Das Geld stammt nach Angaben seines Verteidigers von seiner Familie. Wo die Erlöse aus den Versicherungsbetrügereien abgeblieben sind, ist allerdings bis heute unklar.  F. Dörfelt