Eva Habermann liest in Greiz "Der kleine Prinz"

Greiz - Es war eine literarisch-musikalische Sternstunde, die die gut 100 Zuhörer im Weißen Saal des Unteren Schlosses Greiz am Donnerstag erlebt haben. Die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin Eva Habermann las im Rahmen von Prominente im Gespräch Antoine de Saint-Exupèrys Meisterwerk "Der kleine Prinz", musikalisch traumhaft am Flügel begleitet von Sarah Stamboltsyan.

"Zwei interessante, kluge und schöne Frauen" versprach Initiator Harald Seidel den Gästen - und behielt Recht. Trotz verpasstem Zug erreichte Eva Habermann pünktlich die Elsterstadt. In weinrotem, langem Abendkleid mit funkelender Strassbrosche betrat sie den Raum, ihre blonden Haare trug sie offen, allerdings so, dass die zu Brosche und Ring passenden Ohrringe sichtbar blieben. Das bereitgestellte Mikrofon schob sie zur Seite. Sie habe am Tag zuvor zum Test das Buch ihrer etwas schwer hörenden Mutter vorgelesen, die sich immer dann zu Wort gemeldet hätte, wenn sie zu leise geworden sei.

Das Greizer Publikum musste dies nicht. Mit kräftiger Stimme drang die 1976 geborene, in Hamburg und München lebende Schauspielerin bis in die letzten Reihen vor. Spätestens jetzt wurde klar, hier agiert kein Glamourgirl, sondern eine gestandene Mimin mit großem Können und Ausstrahlung. "Der kleine Prinz" sei ein "Buch für das Kind im Erwachsensen", sagte sie zu Beginn. Die bekannte märchenartige Fabel von der Begegnung eines Piloten, der mit seinem Flugzeug in der Wüste abgestürzt ist, und dem kleinen Prinzen, der auf seiner Reise über verschiedene Planeten auf die Erde kam und nun zurück zu seiner geliebten Rose will, hat seit ihrem Erscheinen 1943 nichts an Strahlkraft, Emotionalität und menschlicher Wärme verloren.

 

Und die Schlüsselsätze "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" und "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast" besitzen unverändert Gültigkeit. Eva Habermann trägt den Text betont, aber ohne jegliche Affektiertheit vor, sie gibt den Figuren Charakter und weiß den Szenen brillant Stimmung und Atmosphäre zu schenken. Wie sie Saint-Exupèrys Geschichte interpretiert, das ist die hohe Schule der Schauspielkunst. Während sie liest, bleibt sie nicht immer am Tisch sitzen, sie wechselt den Platz, geht lesend durch den Raum und nimmt damit zudem die Starre einer Lesung. Zwischen den Textpassagen spielt Sarah Stamboltsyan am Flügel träumerische Stücke von Robert Schumann, Felix Mendelsohn, Johannes Schmidauer und Manfred Schmitz und verleiht so virtuos den Worten Raum zum Wirken.

Das Greizer Publikum lernte Eva Habermann aber nicht nur als großartige Darstellerin kennen, sondern ebenso als sympathische, aufgeschlossene Frau, die die Nähe zu ihren Fans sucht. Bereitwillig und mit großer Geduld ließ sie sich solo oder mit den Gästen fotografieren, gab Autogramme und beantwortete Fragen, ohne jemals das Gefühl zu vermitteln, ein unnahbarer Star zu sein. K. Schaarschmidt