Euregio-Egrensis-Preis in Greiz verliehen

Ein "kleines Jubiläum", wie es Simon Wittmann, Landrat des Landkreises Neustadt a. d. Waldnaab und Präsident des Gemeinsamen Präsidiums der Euregio Egrensis nannte, gab es am Sonnabend im Weißen Saal des Unteren Schlosses Greiz zu feiern: Zum 15. Mal wurde der Euregio-Egrensis-Preis verliehen - eine Auszeichnung, die Einzelpersonen oder Institutionen würdigt, die sich in besonderer Weise um die grenzüberschreitend deutsch-tschechische Zusammenarbeit verdient gemacht haben.

In den drei Arbeitsgemeinschaften Sachsen/Thüringen, Bayern und Böhmen werden für das gesamte Euregio-Gebiet entsprechende Themenschwerpunkte bearbeitet; in der sächsisch-thüringischen, der Vogtlandkreis-Landrat Dr. Tassilo Lenk als Präsident vorsteht, sind das die Themen Verkehr und Infrastruktur.    Es war dieses gewisse Gänsehautgefühl, das die Gäste der hochrangig besetzten Auszeichnungsveranstaltung ergriff, als Bilder, Fotos und kurze Videosequenzen aus dem Vogt- und Egerland gezeigt wurden, die die Schönheit dieser Landstriche widerspiegelten, musikalisch virtuos vom Ensemble "Chapelle Baroque" untermalt. Dem Grußwort des Greizer Bürgermeisters, Gerd Grüner, folgte die mit viel Beifall bedachte Festrede des Zeulenroda-Triebeser Stadtarchivars Christian Sobeck, der über die achthundert Jahre währende Nachbar- und Partnerschaft des Vogtlandes und des Egerlandes referierte. Sobeck nannte die Region eine "unverwechselbar einzigartige", die Europa prägte und auch in Zukunft formen wird; ging aber auch auf das "dunkle Kapitel", die Vertreibung der Deutschen aus dem Egerland, ein. "Wir fanden wieder zueinander", so Sobeck, der die "Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft" zum Kernstück seiner Rede werden ließ. "Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen", zitierte er abschließend Winston Churchill.

Drei Personen - es sind mittlerweile 41 Preisträger insgesamt - wurden im Folgenden ausgezeichnet: für die Arbeitsgemeinschaft Sachsen/Thüringen Ulrich Kunze, für die AG Bayern Andreas Krainhöfner und für die AG Böhmen Rudolf Chlad. Ulrich Kunze, für den Dr. Tassilo Lenk die Festrede hielt, erhielt die Würdigung für seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Obervogtländischen Vereins Innere Mission Marienstift Oelsnitz, die er von 1991 bis 2008 ausübte. "Vom ersten Tag an identifizierten Sie sich mit dieser großen und herausfordernden Aufgabe, die Sie auch bald bewog, den Blick über die Grenze nach Tschechien zu werfen", wie Lenk betonte. Vor allem das Engagement in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen dem Kindergarten des Marienstifts und den Kindergärten in Sokolov und As nannte der Landrat als Beweggrund für die Auszeichnung.

Für die AG Bayern zeichnete Klaus Peter Söllner, Landrat des Landkreises Kulmbach, der in Vertretung für Präsidentin Dr. Birgit Seelbinder kam, den Altbürgermeister von Himmelkron, Andreas Krainhöfner, aus. Bereits kurz nach Grenzöffnung habe den Kontakt zu "einer Kommune im Nachbarland gesucht", organisierte schon im Jahre 1987 Fahrten in die damalige Tschechoslowakei. Der Geehrte sei eine der ersten und bekanntesten Personen in der Euregio Egrensis, wie Söllner unterstrich. In Eger geboren, kam Krainhöfner nach Himmelkron, fand dort eine neue Heimat und es begann "ein enormes Schaffen", in beruflicher, wie auch ehrenamtlicher Hinsicht. "Die Überwindung unseliger Vergangenheit, gerade für ihn, der seine Heimat verlor, wurde seine Herzensangelegenheit."

Der Bürgermeister der tschechischen Stadt Halze und Präsident der Euregio Egrensis AG Böhmen, Frantisek Curka, ehrte anschließend Rudolf Chlad. Chlad, der als Bergwachtleiter im Raum Erzgebirge tätig ist, bringe sich auch ehrenamtlich in viele Vereine ein, wie Curka sagte, dessen Ausführungen simultan übersetzt wurden. Eine enge Zusammenarbeit mit der sächsischen Bergwacht habe sich durch sein Mittun entwickelt - es werden beispielsweise methodische Übungen oder gemeinsame Einsätze z.B. bei der Fahndung nach vermissten Personen durchgeführt. Chlad zeige sich für einen 160-Kilomter langen Abschnitt in der Grenzregion verantwortlich und habe geholfen, ein gemeinsames Projekt einer Bergwachtstation zu entwickeln.

 Lobend hob Curka auch die gute Zusammenarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Gottesgab mit der Oberwiesenthaler hervor oder den Ausbau und die Pflege von grenzüberschreitenden Naturlehrpfaden: "Rudolf Chlad trägt tagtäglich zur Länderkooperation bei." Einen Appell richtete Curka abschließend an alle, die sich für die Euregio-Region einbringen: "Nur wenn wir uns durch die Geschichte belehren lassen, wird es Frieden zwischen Deutschen und Tschechen geben!"