Eule aus Athen geholt

Die Plauener Ärztin Renate Roth liebt die "klugen" Vögel - seit einem Besuch in der Hauptstadt Griechenlands. Leser des VogtlandAnzeigers können jeden Tag ein Exemplar gewinnen - aus Holz von der Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen. Wie? Einfach mitmachen beim Adventsrätsel.

Von Uwe Faerber

Plauen Eulen nach Athen tragen, heißt im übertragenen Sinne, eine überflüssige Tätigkeit ausüben. Laut Internet-Lexikom Wikipedia geht die Redensart auf den antiken griechischen Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in einer satirischen Komödie prägte. Als Symbol der Göttin Athene, der Schutzgöttin der Stadt, gab es damals viele Eulen, sodass sie nicht extra nach Athen gebracht werden mussten, da sie selbst viel schneller dorthin fliegen können. Die Eule symbolisierte Klugheit - auch weil sie im Dunkeln sehen kann.
"Daran musste ich bei einem Besuch in Athen 2002 denken", sagt Renate Roth. "An einem Souvenirstand auf der Akropolis habe ich meine erste Eule gekauft."
Heute habe sie schätzungsweise 200 oder 300 - in allen Größen, in vielen Varianten, aus unterschiedlichen Materialien: klein wie ein Fingerhut und groß wie ein Stuhl, aus Holz, Glas und Kristall, aus Ton und Stein, gestrickt und genäht, als Kissenbezug und Türstopper, als Kerze und Buchständer; manche stammen aus dem Ausland. Nebenbei: Frau Roths Hausschuhe zieren - Eulen.
Weil es einfach zu viele sind ("gezählt habe ich nicht") sind nicht wenige der Eulen in Frau Roths Keller in zwei Plastebeuteln verstaut; die Wohnung dürfen nur die schönsten Exemplare verzieren: zum Beispiel die riesige Eule, die per Kettensäge entstand, und ein Hingucker auf einem der ersten Europäischen Bauernmärkte in Plauen war. "Die Eule hat uns gefallen - und wir haben sie gekauft."
Frau Roth stammt aus einer Umsiedlerfamilie, aus der Nähe von Posen/Poznan, die 1945 Polen verlassen musste. "Unsere Familie landete in Sachsen-Anhalt, in Halle habe ich Abitur gemacht und danach Medizin studiert - bis zum Physikum in Bukarest und dann in Dresden."
Wie die Mutter zweier Kinder berichtet, hat sie ihr Ehemann Dieter, ein Diplom-Ingenieur-Ökonom nach Plauen gelotst, wo sie 47 Jahre als Ärztin gearbeitet hat, bis zum 72. Lebensjahr. "Ab 1967 war ich am Bezirkskrankenhaus tätig, ab 1972 in der Stadtambulanz."
Dann kam die Wende - und große Unsicherheit. "Wir wussten nicht, ob die Polikliniken weiter bestehen würden. Also entschied ich mich schweren Herzens zur Niederlassung: Mit 49 Jahren war das nicht einfach: Kredite aufnehmen, Einarbeiten, Neuland betreten. Mein inzwischen verstorbener Mann war mir eine sehr große Hilfe."
Nach eigenem Bekunden war Frau Roth immer mit ganzem Herzen Hausärztin und immer in der Plauener Südstadt. "Das schöne am Beruf sind die menschlichen Begegnungen. Einige der Eulen habe ich von Patienten - als Dankeschön", berichtet die agile Frau, die sich seit 2014 im Unruhestand befindet: Sie besucht regelmäßig Konzerte, geht ins Theater, ist Gast des Seniorenkollegs. Und hält regen Kontakt mit ihrer Familie.
Interessiert sich der Enkel aus Halle für die Eulen? "Straßenbahnen sind das große Hobby des 32-Jährigen. Er kennt sich bestens aus mit allen Bahnen in Deutschland, auch in Plauen - und besser als ich. Als ich mit der ,5‘ nach Preißelpöhl fahren wollte, sagte er: Aber Oma, die fährt doch zur Plamag."

Kalenderblatt 6

Wo hat Renate Roth die riesige Eule gekauft, die mit einer Kettensäge entstanden ist? Wer die Antwort weiß, schreibt sie an uns auf einer Postkarte, via Mail oder per Facebook - unter dem Kennwort "Kalenderblatt 6":
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Das Lösungswort von Kalenderblatt 2 lautet: Pferde. Gewonnen hat Andrea Baumgärtel aus Weischlitz. Die Gewinner-Eule liegt in der Redaktion bereit. (Info: 03741-597 25 413)