"Es gibt keine große Abschiedsparty"

Sieben Jahre leitete Levente Sarközy in der Stadtverwaltung den Geschäftsbereich II. Dahinter verbergen sich alle Aufgaben, die direkt und indirekt etwas mit dem Baugeschehen in Plauen zu tun haben. Im Gespräch mit Torsten Piontkowski zog der scheidende Baubürgermeister ein Fazit seines Wirkens und blickt auch ein stückweit voraus.

Herr Sarközy, mit welchen Erwartungen sind Sie vor sieben Jahren nach Plauen gekommen?
Das war ja nicht das erste Mal. Plauen habe ich das erste Mal 1998 kennengelernt und habe dann auch bis 2002 hier gelebt. Meine beiden Kinder sind hier zur Welt gekommen, also die Stadt war mir zu Amtsantritt durchaus schon vertraut. Und was die Erwartungen betrifft: zum einen, dass ich an meinem neuen Arbeitsplatz gut aufgenommen werde, zum anderen hatte ich die Erwartung an mich selbst, die Stadt voranzubringen.

Können Sie sich noch an die Projekte erinnern, die sie als Erstes angeschoben haben?
Das waren tatsächlich mehrere. Noch vor meinem eigentlichen Amtsantritt hatte ich Kontakt zum Forum Zukunft Elsteraue. Einer der Sprecher bemerkte damals auf einer Veranstaltung, er wolle die Verwaltung vor sich herjagen. Das habe ich als Signal verstanden, das Gespräch - nennen wir ruhig Namen - zu suchen mit Herrn Pöllmann und Herrn Weisbach. Auch um die Ursachen ihres offenbaren Frusts zu erfahren und zu verstehen versuchen.
Ja und dann war zu dieser Zeit auch noch der Kemmlerturm gesperrt, vom vorletzten Podest bis hoch zur Spitze. In der Regel ist es so: Ist ein Turm erst mal dicht, dann bleibt das auch so, zumindest für lange Zeit. Es war deshalb mein Anliegen, dieses beliebte Ausflugsziel den Plauenern baldmöglichst wieder zu öffnen. Und schließlich gab es dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich der Bahnhofstraße, da war es mit ein paar Blumenrabatten nicht getan.

Und auf welche Projekte unter Ihrer Regie sind Sie rückblickend stolz?
Da würde ich gleich beim Kemmlerturm bleiben. Ich habe versucht, die Bürger mitzunehmen und das hat hervorragend geklappt Der Spendenaufruf löste eine regelrechte Welle aus.
Die Kemmlerschüler starteten ein Projekt, die Freunde Plauens legten sich finanziell ins Zeug, der Plauener Kai Grünler engagierte sich, die Kameraden der Wehr Stöckigt halfen mit Technik.
Stolz bin ich auch auf alles, was im Zusammenhang mit Elsteraue, Hempelscher Fabrik und Weisbachschem Haus in die Gänge gebracht wurde. Das war über viele Jahre ein undefinierbares Konglomerat, auf das es wenig erschöpfende Antworten gab.
Beispiel Stadtpark. Ich war ehrlich gesagt anfangs nicht unbedingt dafür, die Bürger in so großem Maßstab in dessen Gestaltung einzubeziehen. Doch dann haben wir uns im Vorfeld eines Ideenwettbewerbes vor Ort umgesehen und mir war schnell klar - das Potential der Bürger müssen wir aufgreifen.
Rückblickend freue ich mich, dass das Projekt Possig-Entwässerung Gestalt annahm, dass das Kombiticket für die Straßenbahn eingeführt wurde.
Ja und außerdem bin ich mit meinen Mitarbeitern auch für Ordnung und Sicherheit in der Stadt zuständig. Inzwischen ist es gelungen, die Innenstadt tatsächlich sicherer zu machen, auch dank der Leute vom Ordnungsamt, die jetzt spürbar präsent sind und das mit einer ordentlichen Ausrüstung.
Vielleicht noch ein Wort zur Rathaussanierung. Die befand sich ja schon im Fluss, als ich kam.
Ich bin sehr froh, dass ein Konsens gefunden wurde, den Außen- und Innenbereich zu sanieren und auch das Kunstwerk von Karl-Heinz Adler zu erhalten. Dahingehend war sich das Bürgermeister-Trio sehr uneins.

Was erwies sich im Nachhinein als besonders dicker Brocken?
Stichwort Gewerbegebiet Oberlosa, da wurde es mit der Zeit richtig schwierig. Wir haben bei den Bürgern an Glaubwürdigkeit eingebüßt, alle Beteiligten, auch der OB und das ist bitter. Das ist der eigentliche Grund, weshalb es derzeit stockt.

Ihr Ressort verbinden Außenstehende oft mit besonderen bürokratischen Hürden. Wie gehen Sie selbst mit Bürokratie um?
Der Geschäftsbereich hat mehrere Gesichter. Einen Teil kann man als bürokratisch empfinden, beispielsweise die Vielzahl an Genehmigungen. Andererseits geht es dabei darum, eine Gleichbehandlung für alle Beteiligten zu erreichen. Dabei kommt es immer wieder auch zu Konflikten. Da muss man einen Konsens suchen und ich denke, dass ist auch oft gelungen.
Das andere ist die Gestaltung des öffentlichen Raums, also die des Stadtbildes, da kann und muss man kreativ sein. Stadtentwicklung heißt immer auch strategisch zu denken, etwas anzustoßen, was erst in zehn Jahren realisiert wird oder werden kann.

Welche Projekte hätten Sie gern noch vollendet?
Haselbrunn ist als Stadtumbaugebiet ausgewiesen, samt einem sozialem Aspekt. Ich wäre beruhigter gewesen, wenn ich das hätte mit meinem Team zu Ende bringen können. Oder auch die Halle 1 der Hempelschen Fabrik. Da waren die Gespräche mit einem Investor schon weit gediehen, wurden aber coronabedingt reduziert.

Haben Sie den Eindruck, dass ein Baubürgermeister in der Öffentlichkeit eher als Prügelknabe dasteht?
Nein, den Eindruck habe ich wirklich nicht. Bauen bedeutet immer bewusste Veränderungen und das erzeugt auch Konflikte und die "Kunst" besteht darin, mit diesen Konflikten umzugehen. Ein Baubürgermeister der nie kritisiert wird, ist falsch an seinem Platz.

Wie schätzen Sie rückwirkend die Zusammenarbeit in Ihrem Fachbereich ein? Hinter vorgehaltener Hand heißt es schon mal, Sie seien ziemlich stur.
Also ich bin und war nie beratungsresistent und bin auch nie mit einer vorgefassten Meinung in eine Beratung geganen. Es gibt viele die finden, dass ich immer zugehört und mir erst danach eine Meinung gebildet habe.

Sehen Sie Ihre Arbeit intern, also in der Verwaltung, ausreichend gewürdigt?
Meine Wahrnehmung ist, dass ich von vielen positiv beurteilt werde. Jene, die eine geradlinige Meinung schätzen, zu der ich auch bei Gegenwind stand. Ich ließ mich nie verbiegen. Aber lassen Sie mich auch hinzufügen: Es wird keine große Abschiedsparty geben. Ich werde mich im kleinen Kreis von meinen Mitarbeitern verabschieden.

Ihre Bewerbung im Stadtrat für eine zweite Amtszeit - haben Sie im Nachhinein das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben?
Nein, ein Bürgermeister ist kein Einzelkämpfer, nahezu alles Erreichte in diesen sieben Jahren war Teamwork. Und darauf habe ich mehrfach hingewiesen - zu Recht, wie ich überzeugt bin. Wovon ich aber auch überzeugt bin: Das Ergebnis der Wahl stand von vornherein fest.

Was nehmen Sie aus Ihrer jetzt endenden Tätigkeit mit?
Wie jeder Mensch habe auch ich mich verändert. Das Positive: Ich war manchmal selbst erstaunt, was mit guter Bürgerbeteiligung zu erreichen ist. Diese Beteiligung darf keine Droge sein, sie muss auf Augenhöhe erfolgen und dann kommt da jede Menge Positives zurück. Was ich allerdings auch gelernt habe: Ich habe manche Gegner unterschätzt und diese Seite zu lange ausgeblendet.

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?
Viel Erfolg und ein glückliches Händchen für diese Stadt. Dass sie mit ihren Mitarbeitern wertschätzend umgeht, sie zusammenhält und für kreative Lösungen zu begeistern versteht. Dass sie andere Meinungen ihres Teams zulässt und ein offenes Ohr für die Bürger hat, egal, ob sie den Betreffenden kennt oder nicht.

Sie sind ein gläubiger Mensch. Was wünschen Sie sich für Ihre eigene Zukunft?
Dass ich den richtigen Weg und die richtige Aufgabe finde. Kommunalpolitik ist meins, ich hoffe, in diesem Bereich wieder eine Herausforderung zu finden - als Parteiloser, das ist mir wichtig.

Wäre Budapest - Ihre Geburtsstadt - auch eine Option?
Meine Heimat ist inzwischen hier. Hier lebt meine Frau, meine Kinder, obwohl ich mit Ungarn noch familiär stark verbunden bin. Aber als Arbeitsoption käme es schon aufgrund der derzeitigen politischen Lage nicht in Frage.

Recht herzlichen Dank für das Gespräch und persönlich alles Gute.