Erzieherinnen zu Geldstrafen verurteilt

Im Prozess blieben Emotionen nicht außen vor - immerhin ging es um Krippenkinder, die von ihren Erzieherinnen drangsaliert wurden. Am Ende bekamen die beiden Frauen Geldstrafen.

Pöllwitz - Wegen rabiater Erziehungsmethoden hat das Amtsgericht Gera zwei Kindergärtnerinnen zu Geldstrafen von 3600 und 5500 Euro verurteilt. Das Schöffengericht sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass im "Spatzennest" in Pöllwitz (Kreis Greiz) ein Mädchen zum Essen an einen Stuhl festgebunden, ein Junge als Strafe in einen dunklen Abstellraum gesperrt und ein Kind zum Essen gezwungen wurde, bis es unter Tränen würgte. "Hier wurden eindeutig Grenzen überschritten", sagte Richter Siegfried Christ in der Urteilsbegründung. Das Gericht sprach die Frauen der Nötigung in jeweils drei Fällen für schuldig. Die Verteidigung hatte Freisprüche beantragt, die Anklage Bewährungsstrafen von sechs und acht Monaten.

Die beiden Frauen, eine von ihnen war damals Leiterin des kommunalen Kindergartens, arbeiten nicht mehr in der Einrichtung, sind aber weiter in ihrem Beruf tätig. Ursprünglich hatte ihnen die Anklage noch weit mehr Vorwürfe gemacht - etwa dass sie Kinder bei einer Feier im Dezember fast drei Stunden in einem warmen Raum ließen, ohne ihnen die Skianzüge auszuziehen, oder mehrere Kinder in ein Laufgitter zwängten. Doch in diesen Punkten wurde das Verfahren eingestellt oder die Frauen freigesprochen. "Nicht jeder pädagogische Fehler ist eine Straftat", erläuterte Christ. Staatsanwältin Steffi Kögler hatte in ihrem Plädoyer klargestellt, dass es absolut rechtswidrig sei, Kinder zur Strafe in eine Abstellkammer zu sperren - auch wenn diese nicht abgeschlossen ist.

"Hier haben wir es mit einem ganz erheblichen Autoritätsgefälle zu tun." Die Verteidigung hatte die Vorfälle dagegen als "aufgebauscht und überzogen" bezeichnet. Die Angeklagten hatten unter anderem angeführt, das Handtuch sei nur zum Schutz des Mädchens an den Stuhl gebunden worden, um es vor dem Herunterfallen zu bewahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. dpa