"Erstwähler sein ist spannend"

Wer 18 ist, darf das erste Mal an die Wahlurne. Den oder die neue OB von Plauen können am Sonntag 847 volljährige Jugendliche der Stadt wählen. Unter ihnen sind auch die Abiturienten Marlene Enders, Julian Gering und Chris Mollenhauer. Sie verraten, was ihrer Ansicht nach der oder die künftige OB tun sollte, damit Plauen noch schöner und lebenswerter wird.

Von Cornelia Henze

Plauen Marlene will zum Jura-Studium nach Leipzig, Chris "heuert" beim Bundeskriminalamt an und verfolgt eine Beamtenlaufbahn. Bundeskader-Läufer Julian Gering studiert bald in Dortmund Wirtschaftswissenschaften. Alle drei Diesterweg-Gymnasiasten verlassen nach den Ferien Plauen und haben eines ernsthaft vor: "Wir wollen nach Plauen zurück kommen." Wenn das so weit ist, wird der oder die neue OB schon einige Jahre im Amt sein - und so hofft das junge Trio - die Dinge angeschoben haben, die ihnen heute am Herzen liegen.


Im Moment werde in Plauen nicht genug für die Jugend getan, die Wirtschaft hat Nachholebedarf, und überhaupt könnte die Wirtschaftsförderung besser laufen - wie etwa in Reichenbach, meint Julian Gering. Chris Mollenhauer hofft, verkehrsmäßig in Plauen dann besser voranzukommen, sowohl per ÖPNV in Bus, Bahn und Straßenbahn als auch als Autofahrer: Statt Stop and Go wünscht er sich einen zügigen Verkehrs-Flow samt "Grüner Welle". Marlene Enders glaubt, dass das ohnehin schon schöne Stadtbild sich noch mehr zum Positiven wandeln sollte - und wohin die Reise mit der Wirtschaft geht, darüber mag sie heute noch nicht spekulieren.


Alle drei wollen unbedingt am Sonntag wählen gehen, wobei Julian die Briefwahl bevorzugt und zum Pressetermin am Mittwoch schon sein Kreuz auf dem Stimmzettel gemacht hatte. Wählen, das sei schon aus reinem Demokratieverständnis ein Muss. Marlene, Julian und Chris gehen wählen, um in der Stadt mitbestimmen und sie mitgestalten zu können. "Erstwähler sein, das ist eine spannende Sache", sagt Julian, und Chris findet es bedeutend, der Generation anzugehören, die in Plauen erstmals einen neuen OB seit langer Zeit ins Amt wählen. "Denn ich kenne nur Herrn Oberdorfer als OB."


Aber wie sollte der oder die "Neue" sein? Das könnte ruhig ein Typ sein, wie Boris Palmer. Ein Macher, einer, der anpackt und sich was traut. In Plauen hätten sich die jungen Leute in der schweren Corona-Zeit auch einen gewünscht, der für die Spitzenstädter in einem "Plauener Modell" mehr Lockerungen schafft. Stattdessen sei es in dieser Hinsicht im Rathaus recht ruhig gewesen, haben die Schüler beobachtet. Das bedauert vor allem Marlene Enders, hatte sie sich doch selbst einen Kopf gemacht und ein "Plauener Modell" á la Tübingen ersonnen. Leider haben ihre Ideen das Rathaus nie erreicht, und sie blieben eben in der Schublade, reflektiert die junge Frau.


Wer auch immer im OB-Zimmer sitzen wird, sollte sich um diese Top 3 kümmern: Julian wünscht sich mehr Bürgernähe und den Dialog mit den Spitzenstädtern. Das sollte dazu führen, dass Plauen nicht mehr so gespalten ist, wie aktuell. Der Sportler hofft auf mehr Radwege, einen Anschluss der Deutschen Bahn an Großstädte wie Leipzig und überhaupt eine idealere Infrastruktur. Chris erhofft sich ein Stadtoberhaupt, das sich nicht nur öffentlich äußert, wenn etwas Gutes in der Stadt passiert. Und auch ihm ist ein besseres, dichteres Verkehrsnetz wichtig. Marlene setzt auf mehr Bürgernähe und Transparenz, auf eine intakte Infrastruktur mit sanierten Altbauten, Büros, Grünflächen. Ein Brennpunkt-Thema ist für alle drei die Digitalisierung - sowohl in den Schulen als auch in der Stadt. Ein digitales Rathaus, mehr öffentliche, kostenfreie WLAN-Hotspots und Stadtratssitzungen, die über Social Media live übertragen werden, stehen auf dem Wunschzettel. Die Gymnasiasten wissen, dass die beiden letztgenannten Punkte von der Mehrheit der Stadträte abgelehnt und ergo für nicht wichtig befunden wurden. Ein Fehler, eine bedauerliche Sache, die Plauen nicht gut zu Gesicht steht, meinen die jungen Leute kritisch.


Dabei ist in Plauen vieles nicht schlecht: Mit Theater, Hallenbad und einer vielseitigen Gastronomie sei Plauen besser aufgestellt als Städte vergleichbarer Größe, lobt Marlene. Und die Sache mit ÖPNV und Digitalisierung sei auch auf gutem Wege, weiß sie durch ihre Arbeit in Kreis- und Landesschülerrat. Das Gute sollte die Stadt besser vermarkten durch Social-Media-Kampagnen, und dabei ruhig auf die jungen Leute an den Schulen zugehen, die dort oft frischere Ideen hätten als manches Stadtmarketing.


Damit frischer Wind durch Plauen pustet und Ideen der Jugend real werden, appellieren Julian, Chris und Marlene an alle jungen Leute, ihre Stimme abzugeben. Für wen sie selbst voten, verraten sie selbstverständlich nicht, tippen aber darauf, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem Mann und einer Frau und sehr wahrscheinlich zu ei einem zweiten Wahlgang kommen wird. Wer schon im Wahlfieber ist, kann sich dem "Kandidatencheck", zu finden auf der Homepage des Diesterweg-Gymnasiums, stellen.