Erstes Plauener Seniorenhaus eröffnet

 

Plauen - Der Zeit geschuldet mit immer mehr älteren Menschen, die auch entsprechende Wohnungen benötigen, entsteht im Gebäude Dittesstraße 60 etwas (bisher) Einmaliges: das erste Plauener Seniorenhaus.

 

"Wir wollen mehr sein, als nur ein Domizil für ältere Menschen", unterstreicht Carmen Müller. Sie ist die Geschäftsführerin des Wohn- und Lebensräume-Vereines, kurz WohL, der für die Betreuung der Hausbewohner die Verantwortung trägt.

Der Verein selbst wurde im April 2008 in der Wohnungsbaugesellschaft Plauen aus der Taufe gehoben, der auch das Gebäude neben der Polizei gehört. Schließlich sind Senioren eine immer stärker wachsende Mietergruppe in diesem städtischen Unternehmen. Da kommt es nicht von ungefähr, dass der WohL-Vereinsvorsitzende der WbG-Geschäftsführer Hellfried Unglaub ist. Über ein Jahr wurde das Haus umgebaut, um das zu werden, was es heute ist: eine Heimat für ältere Mieter mit Begegnungstreff, Räume für den WohL-Verein, Platz für den vereinseigenen Pflegedienst, aber auch ein Veranstaltungsort für Familienfeiern von Menschen im Wohngebiet.

Das vollkommen barrierefrei gestaltete Gebäude mit Fußbodenheizung beherbergt 24 Wohnungen vom zweiten bis vierten Obergeschoss, die bereits alle an Bewohner von 70 bis über 80 Jahre vermietet seien, wie die WohL-Geschäftsführerin ergänzt. Frau Müller war früher selbst als Hausverwalterin in der WbG Plauen tätig. Und sie hat ein besonders inniges Verhältnis zu dem Gebäude, denn die Frau organisierte den Aus- und Umzug der früheren Bewohner, vor dem Umbau. "Nun bin ich beim Einzug und der neuen Nutzung des Hauses wieder dabei. Das macht mich schon stolz auf das Erreichte."

Eine Besonderheit bietet das erste Obergeschoss. Dort sind neun einzelne Ein-Raum-Wohnungen zu finden und in der Mitte der Etage ist ein großer Gemeinschaftsraum mit größerer Küche eingerichtet. Die Gesprächspartnerin nennt das Ganze "gemeinschaftlich betreutes Wohnen", andere würden das als Senioren-WG bezeichnen. Dafür seien auch künftig zwei Alltagsbegleiter des Vereins im Einsatz, um den Menschen auf dieser Etage behilflich zu sein. Natürlich könnten sich auch Bewohner der oberen Etagen in die Aktivitäten mit einklinken. Der Ursprungsgedanke für eine Etage für Demenzkranke (wir berichteten) sei fallengelassen worden. Die Vermarktung für die neun Ein-Raum-Wohnungen beginne morgen, dem Eröffnungstag, war von Frau Müller zu erfahren.

Alle Mieter des Hauses hätten einen Mietvertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Plauen und einen Betreuungskontrakt mit dem Verein Wohn- und Lebensräume. In Letztgenanntem sind einige Serviceleistungen integriert, beispielsweise die 24-Stunden-Erreichbarkeit des Vereins für die Mieter. Ein Hingucker, der auch zum Nachdenken anregen dürfte, ist ein spezielles Kartensystem für die Mieter. Wenn sie zufrieden sind, können sie an ihrer Wohnungstür eine grüne "Mir-geht?s-gut!"-Karte anheften. Sieht der Mieter rot, dann steht "Ich wünsche ein Gespräch" auf der Karte. Diese rote Karte der Mieter möchten die Vereinsmitglieder nur selten zu sehen bekommen. "Wir hoffen immer auf eine grüne Karte", so die Gesprächspartnerin, die auf dem Weg durchs Haus von mehreren Mietern angesprochen wird.

Herzstück des Ganzen ist der bereits erwähnte Begegnungstreff mit Küche. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Angeboten sollen die Bewohner und auch die Menschen im Wohngebiet hier einen neuen Anlaufpunkt finden. Des Weiteren sind im Haus ein Gymnastikraum, eine Hausbibliothek, aber auch ein internetfähiger PC installiert. Außerdem gibt es für jede Wohnung einen Keller sowie im Keller einen größeren Raum für alle mit Waschmaschinen und zwei Trocknern. Nicht zu vergessen, darauf legte die Gesprächspartnerin großen Wert: die "Wohlfühl-Oase" mit einem Pflegebad im Erdgeschoss.

Dank sagt Frau Müller an die vielen Spender, die das Ganze mit unterstützt haben. Zuerst nennt sie die ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne", die 27 000 Euro für die Ausstattung des Gebäudes beisteuerte. "Diese Fördermittel hatten wir vorher beantragt". Ebenso gab es umfangreiche Unterstützung von der Stadtverwaltung, Handwerksbetrieben - und nicht zuletzt auch von der Wohnungsbaugesellschaft. B. Walther