Erste H4-Anlage von Narva Plauen abtransportiert

Während es sich die einen am sonntäglichen Frühstückstisch mit Toast und Ei gut gehen ließen, trafen sich andere gestern Vormittag im Hotel Dormero.

 

Nicht, um sich ebenfalls beim Brunch verwöhnen zu lassen, sondern um über ihre berufliche Zukunft zu diskutieren und informiert zu werden. Eingeladen hatte die IG Metall Südwestsachsen ihre Mitglieder von Narva Plauen. Nachdem in den letzten Wochen unter zähem Ringen mit der Geschäftsführung von Philips im holländischen Eindhoven ein Sozialplan ausgehandelt und auch über eine Transfergesellschaft für die von Entlassung bedrohten Kollegen weitgehend Einigkeit erzielt wurde, befindet sich das Schicksal der H4-Produktion nun in der heißen, oder treffender gesagt, in der kalten Phase.

 

Am heutigen Montag beginnt der Abtransport der ersten Halogen-Anlage, informierte Stefan Kademann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Südwestsachsen, gestern auf Anfrage. Wie seit längerem bekannt, wird die Anlage nach Polen geschafft. Dass sich der Konzern davon weitere Gewinnmargen erhofft, wird inzwischen selbst von Unternehmerseite eingeräumt. Wann genau der Transport über die Bühne geht, sei noch unklar, so Kademann. Man werde aber bestrebt sein, den "Abgesang" der H4-Produktion vom Standort Plauen mit einer Aktion auf dem Betriebsgelände zu begleiten.

Bereits am Freitag wurde die Anlage abgeschaltet, auch die Elektrik ist seit dem Wochenende tot, wie es Kademann formuliert. Mit Demontage und Transport sei eine Fremdfirma beauftragt worden, die das Ganze professionell betreibt. Es handelt sich um die Firma Konvoi. Gibt man deren Bezeichnung im Internet ein, stößt man auf eine Art Allround-Unternehmen mit breit gefächertem Branchen-Mix. Die Frankfurter bieten sich als "Lieferant von industriellen Dienstleistungen" an, sind aber auch als Unternehmens- und Rechtsberater sowie in Sachen PR und Werbung aktiv. Dass mit dem Abbau der eigenen Arbeitsplätze keine Narva-Beschäftigten beauftragt wurden, sieht Kademann als positiv.

Und auch die Gerüchte der letzten Tage, wonach bei Narva Leiharbeiter eingesetzt werden sollen, um die gut gefüllten Auftragsbücher abbauen zu helfen, haben sich nicht bestätigt. "Es gab ein entsprechendes Ansinnen, aber das hat der Betriebsrat abgelehnt. Ab Montag werden bei der Narva keine Leiharbeiter mehr beschäftigt sein", ergänzt der Gewerkschafter. Dabei ist die Situation bei Narva nicht die einzige, die über die Betroffenen hinaus die ganze Region beschäftigte. Auch bei den Arbeitnehmern der Plamag herrscht Verunsicherung und Zukunftsangst.

Über ein Viertel der Belegschaft bekam jetzt schriftlich mitgeteilt, dass sie in ihren gegenwärtigen Berufen am Standort Plauen nicht mehr gebraucht werden. Dabei handelt es sich allerdings (zunächst) nicht um Kündigungen; den Leuten wurden individuelle Angebote unterbreitet, bestätigt Kademann die Situation in einem weiteren "Brandherd".

Die Alternativen halten sich freilich in Grenzen: Entweder Pendeln zum Manroland- Standort nach Augsburg, Umschulung zum Zerspaner und damit einhergegend Einkommensverlust oder der Gang in eine Transfergesellschaft mit möglichem Ende Arbeitslosigkeit oder Frührente. tp