Erst müssen Apotheker auf die Schulbank

Noch vor Weihnachten sollen Apotheker, Zahn- und Tierärzte gegen Covid 19 impfen und ihre Kollegen aus der Allgemeinmedizin entlasten: So verlautbart ganz aktuell nun auch die Ampel-Koalition aus Berlin. Doch ganz so einfach ist das für den Berufsstand der Pharmazeuten nicht.

Von Cornelia Henze

Plauen/Falkenstein Einer der "Weltmeister" im Testen ist Apotheker Robert Herold aus Falkenstein. 2020 hat er - wie auch etliche seiner Kollegen - ein Testzentrumaus dem Boden gestampft und testet mehrere hundert Leute pro Tag. Viele Menschen stehen oft länger als eine Stunde vor dem Testzentrum für einen Schnell- oder PCR-Test. Eine riesige Aufgabe für Apotheker, die kaum zu bewältigen ist, seitdem in Bus und Bahn sowie am Arbeitsplatz ein Test gebraucht wird. Und nun rollt auf die Apotheker die nächste Hürde zu. "Ja, ich könnte mir vorstellen zu impfen, aber nur wenn die Ärzteschaft in meinem Umfeld das befürwortet und ich damit die Arztpraxen entlasten kann", sagt Herold. Er weiß aber auch, dass Apotheker von ihrer Ausbildung her grundsätzlich erst mal nicht berechtigt sind, zu impfen. Denn Bestandteil eines Pharmaziestudiums ist dieser medizinische Eingriff nicht. Dafür benötigen Apotheker eine Zusatzausbildung, die einige Wochen Zeit braucht. Vor Weihnachten sei das wohl nicht mehr zu schaffen, vermutet Robert Herold. Nur mit Schulung und ausgestelltem Zertifikat ist es Apothekern möglich, ein Vakzin zu spritzen. Robert Herold verweist aber auf andere Bundesländer, in denen Pharmazeuten an einem Modell für Grippeschutzimpfung teilgenommen haben und daher bereits über eine Schulung verfügen. Dazu zählen die Länder Bayern (Oberpfalz), Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und das Saarland. Einige andere Länder überlegten noch, in das Modell einzusteigen, heißt es in einem Beitrag der Pharmazeutischen Zeitung. Sachsen und viele andere Länder sind beim Modellprojekt "Grippeschutzimpfung" noch nicht dabei, hat also noch keine Erfahrung impfender Apotheker vorzuweisen.


"Wenn wir in dieser aktuell sehr ernsten Lage dazu beitragen können, dass mehr Menschen durch die Corona-Impfung geschützt sind, sind wir natürlich dazu bereit unsere ärztlichen Kollegen weitergehend zu unterstützen und auch in den Apotheken kurzzeitig Booster-Impfungen anzubieten. Allerdings müssen dafür rechtliche Grundlagen geschaffen und eine medizinische Schulung des Impfpersonals erfolgen", erklärt Dr. Kathrin Quellmalz, Sprecherin des Sächsischen Apothekerverbandes. Aufgrund hoher Arbeitsbelastung durch die Bürgertestung, der Verteilung der Corona-Impfstoffe und durch die Pandemie bedingte Personalengpässe werden wohl nicht alle Apotheken das Angebot machen können, räumt Quellmalz ein. Somit könnten Booster-Impfungen in Apotheken nur als zusätzliches Angebot verstanden werden.


Wer als Apotheker impft ohne Berechtigung, steht somit rechtlich auf wackligen Füßen. Denn abgesehen von der Impfung selbst, muss der Patient über den Impfstoff undmögliche Risiken aufgeklärt werden. Im Falle, dass der Geimpfte einen anaphylaktischen Schock erleidet, sollte der Apotheker Erste Hilfe leisten können. Ohne Berechtigung impfen, gehe gar nicht. Das Thema Impfen dürfe nicht bagatellisiert werden, handele es sich doch um einen Eingriff in den Körper, so Robert Herolds Meinung.
Prinzipiell kann sich Zahnärztin Dr. Jana Weigelt vorstellen, Ärzte beim Impfen zu unterstützen. Allerdings sieht sie keine freien Spitzen dazu im Alltag ihrer Zahnarztpraxis in Auerbach. Freie Spitzen gebe es nur in der Freizeit. Davon sei sie bereit, etwas abzugeben, um beispielsweise einen Vormittag oder Nachmittag im Impfzentrum zur Spritze zu greifen. Aber auch Zahnmediziner dürfen rechtlich nicht einfach ein fachgebietsfremdes Vakzin verabreichen. Dafür müsste ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, weiß Dr. Weigelt. "Wir Zahnärzte dürfen in Notfällen Medikamente verabreichen und Flexüle legen, aber schon Botex-Spritzen, welche man gibt, um Zähneknirschen zu reduzieren, sind ohne Kosmetikerausbildung oder Heilpraktiker-Schulung nicht erlaubt."


Und lassen wir einmal die rechtliche Basis außen vor: Auch organisatorisch können Zahnmediziner den Pieks auf dem Zahnarztstuhl nicht gut umsetzen. Problematisch ist die Lagerung des nicht ewig haltbarten Impfstoffes.
Wer impft, braucht Zeit für Anamnese, Aufklärung - und Platz, um Geimpfte danach noch eine Weile unter Aufsicht in der Praxis warten zu lassen. Platz, den auch Jana Weigelt in ihrer Praxis nicht hat. "Wenn du viel impfen willst, kannst du nur die Impfzentren wieder aufmachen, wir Zahnärzte können nicht die Massen impfen", so Fazit der Zahnmedizinerin.