"Ersatzteile? Braucht heute keiner mehr"

Lottengrün - Täglich bringen Leute ihre Autos auf den Hof der Autoverwertung Pierer nach Lottengrün. Doch nicht nur verrostete und verbeulte Karossen stehen hier. Auch das eine oder andere Fahrzeug, das aussieht, als wäre nur jemand für einen Moment ausgestiegen, kann man finden. Der Eindruck, viele überstürzen den Kauf eines Neuwagens, könnte entstehen. Nicht jedem fällt es leicht sein ,,Altes" zu Schrott pressen zu lassen.

  Voll bis zum Rand   Die Auto-Friedhöfe sind proppevoll - quasi bis aufs letzte Auto gefüllt. Das ist nicht nur in Lottengrün, sondern überall in der Region so. Vor Monaten war das kaum vorstellbar. Oft wissen die Betreiber gar nicht mehr, wohin sie den Schrott noch legen sollen beziehungsweise wie hoch sie ihn noch stapeln müssen. Antje Pierer hat das Geschäft von ihrem Vater übernommen. Nun kämpft sie sich souverän durch eine eigentliche Männerdomäne. Viel zu tun gibt es jetzt für die Branche, reich wird deswegen wohl keiner von uns allen werden, lacht sie. Denn: "Ersatzteile, die vielleicht noch gerettet werden, wird in den nächsten Jahren keiner brauchen. Der Markt für neue Teile geht immer weiter Richtung Null. Sogar Rabatt-Aktionen mit 50 Prozent locken keine Käufer mehr an", sagt Antje Pierer.

Auch Autowerkstätten werden im nächsten Jahr die Nachwehen der Abwrackprämie zu spüren bekommen, "weil keiner sein altes Auto zur Reparatur schafft, sondern sich lieber die Prämie holt. Und neue Autos gehen nunmal nicht so schnell kaputt", weiß Antje Pierer.

Durch die wirtschaftliche Situation und Produktionspausen einiger Autohersteller, kommt es nun zu Engpässen bei der Auslieferung. Dadurch sind Wartezeiten von mehreren Wochen entstanden. Seit dem 30. März kann die Umweltprämie nur noch online reserviert werden. Wer kein Internet hat ist hier im Nachteil. Das Anmeldeformular muss vollständig und vor allem richtig ausgefüllt werden und zusammen mit dem rechtsverbindlichen Kaufvertrag als pdf-Datei an das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gesandt werden. Von dort gibt es dann eine Bestätigung mit einer Registrierungsnummer. Das System hält allerdings auf Grund der Masse der Anträge dem nicht stand und hat Probleme bei der Übertragung der Formulare. Ursache war laut BAFA eine Umstellung des Datenverkehrs auf mehrere Großrechner, deren Abstimmung aufeinander nicht korrekt funktionierte.

Die ersten Käufer ärgern sich über die langen Abwicklungszeiten und haben bisher noch nichts von den 2500 Euro auf ihrem Konto gesehen. Mehrere Pannen sind bereits bei der Übertragung oder Verteilung der Registrierungsnummern passiert. Einzelnen werden bürokratische Vorschriften zum Verhängnis, wie zum Beispiel der Nachweis der Zulassung auf den eigenen Name für zwölf Monate.