Erinnerungen wecken Lust auf Neues

Diese Schau in Grünbach weckte so viele Erinnerungen, dass etliche Besucher gar nicht aufhören wollten, zu erzählen.

Von Margitta Rosenbaum

Diese Schau weckte so viele Erinnerungen, dass etliche Besucher gar nicht aufhören wollten, zu erzählen. "In memoriam- Drei Grünbacher Urgesteine", so haben die Initiatoren sie genannt. Gezeigt wurden Erinnerungstücke aus dem Leben von drei Grünbachern, deren Kreativität Spuren hinterlassen hat. Petra Gronem-Schlosser und Gerd Wolf hatten am Samstag zur Sommerausstellung in die "Alte Stickerei" in der Bahnhofstraße 22 eingeladen. Das lange ungenutzte Gebäude wurde damit zu neuem Leben erweckt und die Veranstalter wünschen sich, dass hier bald noch mehr passieren kann. Das 1925 von Linda und Max Wolf errichtete Gebäude erzählt von der Geschichte der Stickerei in dem Ort, der durch die Textilindustrie geprägt wurde. Die beiden hatten vier Kinder und blieben der Textilbranche immer treu.
In Klingenthal betrieben sie später das HO-Kaufhaus Charmant. Bis 1962 wurde hier in der Bahnhofstraße gestickt. Dann war es noch ein Lagerraum und schließlich blieb nur noch die Wohnung im Obergeschoß. Seit die Tochter der Gründer, Else Jung, im Jahr 2003 ins Pflegeheim musste, steht das Gebäude leer. Gerd Wolf lebt in Markneukirchen und hat die Alte Stickerei übernommen, er ist ein Enkel der Gründer. Er hat viele Ideen, wie die Industriebrache zum Leben erweckt werden kann. Gemeinsam mit Nachbarin Petra Gronem-Schlosser fand nun schon die zweite Ausstellung statt. Bisher waren alle Ideen gescheitert. Aber im vergangenen Jahr hatte die Grafikerin, die ein Büro in Berlin hat, die Alte Stickerei genutzt, um zu Pfingsten im Rahmen von "Kunst offen in Sachsen" eigene Werke zu präsentieren. In diesem Jahr sollten zu Pfingsten insgesamt fünf KünstlerAusschnitte aus ihrem Schaffen in der Industriehalle zeigen.
Petra Gronem-Schlosser war traurig, weil wegen Corona alles abgesagt werden musste. Damit wollte sie sich nicht abfinden. Nun hat sie sich gemeinsam mit Gerd Wolf etwas Neues einfallen lassen. "Das was ist nutzen, um etwas neues entstehen zu lassen", das habe sie von Martin Gläß gelernt. Nun schaut sie, was sich noch ergeben könnte. Sie sucht Mitstreiter aus allen Generationen. Am liebsten möchte sie ebenso für Kinder wie für Ältere etwas in dem Gebäude anbieten und dafür mit vielen Menschen ins Gespräch kommen. "Das Haus bietet eine Plattform dafür, dass auch hier auf dem Land etwas angeboten werden kann. Wir werden sehen, was man daraus machen kann", sagt sie. Viele der über 100 Besucher der Ausstellung bestärke sie darin.
Die Sommerausstellung zeigte Erinnerungsstücke der Familie Wolf und einen Rückblick auf die Geschichte der Stickerei von der Handstickerei bis zur industriellen Fertigung. Martin Gläß ist als Grünbacher Ehrenbürger bekannt geworden für seine Musik- und Mundartauftritte. Dass er auch als Textilgestalter erfolgreich war, ist weniger bekannt. Manfred Luderer war ebenfalls Textilgestalter und hat gleichzeitig viele Motive für den Ort Grünbach gestaltet. Mit seiner Malerei in Öl hat der Grünbacher Architekt Manfred Kretzschmann viele markante vogtländische Landschaften festgehalten.
Die Ausstellung kann auf Anfrage noch besichtigt werden. Termine vermittelt die Gemeinde Grünbach (03745 5303).