Erinnerung an Meister der Mundart

Der Mundartdichter Max Schmerler wurde am 30. Oktober 1873 als Sohn eines Bäckermeisters in Zwota geboren. Mit 25 Jahren zog er nach Dresden, arbeitete dort als Lehrer und starb am 26. Juni 1960. Im Zwotaer Walfisch wurde an ihn erinnert.

Von Helmut Schlangstedt

Zeitlebens fühlte sich der Mundartdichter Max Schmerlesich aber eng mit seiner Heimat verbunden. Aus Anlass seines 60. Todestag hatte Walfischwirt und Vorsitzender des im Jahr 2000 gegründeten Zwotaer Heimatvereins René Goram die Idee, mit einer unterhaltsamen Veranstaltung mit vogtländischen Sagen an den sogar in der DDR gewürdigten Dichter zu erinnern und damit auch den Kulturbetrieb im Ort in Corona-Zeiten langsam wieder anzukurbeln.
Mit im Boot die Sagengruppe des Theaterdorfs Zwota, wegen Corona ebenso wie die Besucher in abgespeckter Zahl: Mit Thorald Meisel als Moderator der Veranstaltung sowie Carla Dunger, Mario Knoth und Andrea Meisel als Vorleser vogtländischer Heimatsagen, die heute aus welchen Gründen auch immer Konjunktur haben.
Fürs musikalische Entertainment sorgte Richard Wunderlich mit seinem Akkordeon, der gleich zum Auftakt mit dem "Gruß aus Klingenthal" und später mit anderen flotten Liedern, wie etwa dem "Schnedderedeng" für die richtige Stimmung im Publikum sorgte.
Thorald Meisel erinnerte mit einem Porträt Max Schmerlers aus dem Jahr 1933 und einem großen Koffer alter Bücher mit einigen Geschichten und Anekdoten an das Leben von Max Schmerler, zu dessen Freunden bereits in der Jugendzeit der spätere Maler Richard Grimm Sachsenberg und der Oelsnitzer Heimatdichter Paul Apitzsch gehörten.
Dieser verfasste auch eine Festschrift zu Schmerlers 75. Geburtstag, aus der ebenfalls etwas zu hören war. Doch am interessantesten waren natürlich die Sagen aus der näheren und weiteren Umgebung. So etwa über das rote Schlößchen in Zwota, das noch heute seine Farbe besitzt und in dem es einen unheimlichen Turmgreis gab. Der tat aber nichts Böses. Anders als die Voigtsberger Laterne, die dem einsamen Wanderer des Nachts heimleuchtete. Wehe, man gab ihr nicht das versprochene Geld fürs Geleit. Dann bekam man eine geschossen, nach der man sich nicht wiederfand.
Und eine Mordgeschichte gab Andrea Meisel zum Besten. Ein Pechkratzer hatte im Wald den lange vermuteten geheimnisvollen Baum mit Gold statt Harz unter der Rinde gefunden. Doch ein anderer Pechkratzer erstach ihn aus Gier, worauf sich das Gold in Harz und Blut verwandelte. Darob erschrak der Mordbube so sehr, dass er in den nahe gelegen Fluss rannte und dort jämmerlich ersoff. Auch, wenn einem ein altes kleines Männlein über den Weg läuft und etwas zu essen erbettelt, sollte man es nicht verjagen. Die Folgen bekam ein griesgrämiger Viehhändler zu spüren, dessen Taler sich in Steine und seine zwei Kühe in eine blecherne Ziege und eine weiße Sau verwandelten. Und wirklich Pech hat, bei dem das Stragakerle im Haus einzieht, denn dieses komische Etwas bringt nur Unglück. Doch was haben all die Sagen mit Max Schmerler zu tun? Der schrieb auch Märchen und Sagen, wie etwa die in Mundart vom Stelzenbaum, der im Ort Stelzen steht.
Mit einem Nachruf aus dem Jahr 1973 von Wolfgang Schmerler, dem ältesten Sohn Max Schmerlers, und passend dazu dem Feierabendlied endete der Abend, für den sich das Publikum mit viel Applaus bedankte.