Erinnerung an ein Unglück

Der 13. Juli 1959 war ein heißer Sommertag: Kurz nach der Mittagszeit begann der Großbrand: Das Feuer begann im Rittergut Rodau und breitete sich schnell im ganzen Dorf aus.

Von Jochen Pohlink

Rosenbach/Rodau -  "Es war etwas später als 13 Uhr. Ich war gerade mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit nach Schönberg. Da rief jemand hinterher: Kehr um, bei euch brennt's!", erinnert sich Renate Scholz an das für die damals junge Familie schlimme Ereignis, die durch den Brand gemeinsam mit drei weiteren Familien ihr Zuhause verlor. Ihr Mann Günter ergänzt: 
"Das ehemalige Rittergut gehörte seit wenigen Jahren zur LPG. Wir hatten uns von der Maschinen-Traktoren-Station eine Dreschmaschine ausgeliehen und waren mit den Vorbereitungen für den Rapsdrusch beschäftigt. Das Kabel lief durch die Scheune und stand plötzlich in Flammen. Das Feuer breitete sich, obwohl die Scheune leer war, so schnell aus, dass jeder Versuch es zu ersticken erfolglos war. Obwohl die Feuerwehr sehr schnell zum Einsatz kam, konnte sie nicht verhindern, dass die Scheune völlig niederbrannte und auch das benachbarte Gebäude mit dem Schweinestall und den darüber liegenden Wohnungen dem Brand zum Opfer fiel." 
Seine Frau fügt hinzu: "Ins Haus zurückgekehrt hatte ich in höchster Eile alles Wichtige zusammengerafft und in ein großes Tuch eingeschlagen, als die Decke herunterbrach und die Habseligkeiten in Rauch aufgingen. Nach gerade einmal einem Jahr hatten wir unser Zuhause verloren. Ein Glück im ganzen Elend war, dass meine Schwiegereltern ein kleines Häuschen besaßen, in dem wir unterkamen." 
Der erste Neubau in der Leubnitzer Straße stand vor der Fertigstellung und bot den Eheleuten danach eine Unterkunft. Beide ziehen heute noch den Hut, wenn sie an die Hilfe der Dorfbewohner zurückdenken, die das Leid ein wenig abmilderte.
Friedhelm Sachs war damals Gruppenleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr Rodaus und schildert das Geschehen: "Um das Kabel zu befestigen, hatte der Verantwortliche, der später für seine Fahrlässigkeit bestraft wurde, Nägel in das Kabel eingeschlagen, wie sich bei der Ursachenforschung des Kurzschlusses herausstellte. Die Hitze war so groß, dass ich nicht mehr an den im Hof stehenden Hydranten herankam und wir Wasser aus dem oberhalb liegenden Teich heranführen mussten. Der Funkenflug war so stark, dass sogar das Turmdach unserer Kirche zu qualmen anfing und Wasser durch Helfer hinaufgetragen werden musste, um einen Brand abzuwenden. Die geliehene Dreschmaschine ging in Flammen auf und mittlerweile stand das Wohngebäude mit dem im Erdgeschoss befindlichen Schweinestall im Vollbrand.  Zwölf Mastschweine verbrannten und durch den Stromausfall mussten die Milchkühe der LPG in den nächsten Tagen von Hand gemolken werden. Ein Glücksumstand für den Teil des geretteten Gebäudes war, der Einbau einer leichten Brandschutztür im Frühjahr. Während des Brandes begann sie zu glühen." Unglücklicherweise wurden zum Zeitpunkt des Brandes im Ort Straßenbauarbeiten durchgeführt, weswegen die aus anderen Orten zur Hilfe kommenden Fahrzeuge einschließlich der Berufsfeuerwehr Plauen den Umweg über Tobertitz nehmen mussten. Als damals Elfjährigem kam Friedhelm Gunold mit seinen Mitschülern die Aufgabe zu, die aus dem Gebäude ausbrechenden Schweine aufzuhalten: "Das Schwierige war, die  fast 100  aufgeregten Tiere zu bändigen und sie auf der Tobertitzer Straße und auf dem Postweg aufzuhalten. Eine Reihe von den Tieren musste sogar notgeschlachtet werden."