Erinnerung an den Wendeherbst

Im Oktober 1989 standen Plauen und Hof im Blickpunkt des Weltgeschehens. Grund genug, mit zahlreichen Veranstaltungen an den Wendeherbst vor 30 Jahren zu erinnern.

 

Von Mario Wild

Plauen - Oktober 1989: Insgesamt 14 "Botschaftszüge" machen sich in Prag auf. Ihr Ziel: Hof. Plauen liegt an der Strecke. Auch in der Spitzenstadt gärt es. Am Samstag, 7. Oktober, demonstrieren tausende Menschen in der Spitzenstadt. Die erste Kundgebung, vor der die DDR-Staatsmacht zurückweichen musste. Plauen rückt in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Eine denkwürdige Zeit - für Beteiligte in Ost und West.
"Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke", erinnert sich Hofs Oberbürgermeister
Dr. Harald Fichtner. Dieser war gestern zu Gast im Plauener Rathaus. Hier gaben die beiden Partnerstädte einen ersten Überblick über die geplanten Veranstaltungen zum Thema 30 Jahre Wendeherbst. 
"Wir erinnern daran, dass wir damals die Freiheit erhielten - und dass es sich lohnt, diese zu verteidigen", schlug Plauens Stadtoberhaupt Ralf Oberdorfer zugleich den Bogen zur Gegenwart. 
Höhepunkt wird am 9. November ein Festabend im Theater sein - mit jeweils 200 Gästen aus Plauen und Hof, Sachsens amtierenden Ministerpräsident Michael Kretzschmar wird ein Grußwort halten. Ob sein bayerisches Pendant Marcus Söder anreist, ist derzeit noch unklar. "Ein anspruchsvolles Programm mit Filmsequenzen, Schauspielszenen und einem Podiumsgespräch wird derzeit erarbeitet", so Oberbürgermeister Oberdorfer. Für die musikalische Umrahmung sorgt das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau. Wichtig: Nicht nur Zeitzeugen sollen dabei sein, sondern auch die jüngere Generation. Deshalb werden einige Eintrittskarten an die hiesigen Gymnasien gehen.
Am gleichen Tag findet in beiden Städten ein Seminar der Akademie für Politische Bildung Tutzing statt. Thema: "30 Jahre Friedliche Revolution und Grenzöffnung - eine historisch politische Studienfahrt zu Schauplätzen der deutschen Teilung". Diese beginnt am Bahnhof in Hof und endet mit einem Stadtrundgang in Plauen.
Zudem sind Bustouren entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze mit Alfred Eiber, einem ehemaligen bayerischen Grenzpolizisten, geplant. "Die vier Touren sind bereits so gut wie ausgebucht, die Nachfrage ungebrochen hoch", so Steffi Behncke aus dem Plauener Kulturreferat.
"Die Städtepartnerschaft zwischen Plauen und Hof ist keine gewöhnliche. Das ist ein historisches Vermächtnis, das wir pflegen müssen", so Rainer Krauß, Pressesprecher der Stadt Hof, der folgende Anekdote beim gestrigen Pressetermin zum Besten gab: "Ich war damals elf Jahre alt, als die Botschaftszüge in Hof eintrafen. Ich stand mit ausgewaschenem T-Shirt auf dem Bahnsteig, als ein älterer Herr mir einen Beutel mit Bananen und zehn D-Mark mit den Worten in die Hand drückte ,Bou, das wird schon wieder'", erinnert sich Krauß zurück.
Doch nicht nur am 9. November wird in Plauen einiges los sein - sondern auch davor und danach. Beispielsweise am 7. Oktober - "dem Tag der Demokratie" in der Spitzenstadt. Am Vorabend ist in der Johanniskirche Plauen ein Konzert mit der Vogtland-Philharmonie geplant, zu dem auch Bundespräsident Frank-Walte^r Steinmeier eine Einladung erhielt. "Er zieht den Termin in Erwägung, eine Zusage gibt es aber noch nicht", leitet Oberbürgermeister Oberdorfer den aktuellen "Wasserstandsbericht" aus dem Bundespräsidialamt weiter. Die Organisation liegt in den Händen von Wolfgang Sachs und den hiesigen Serviceclubs.
Am 8. Oktober steigt der traditionellen Workshop des Vereins "Deutsche Gesellschaft". Der steht unter dem Motto "Wege zur Freiheit". Teilnehmen werden Schüler des Lessing- und des Diesterweg-Gymnasiums sowie der Berufs- und Fachoberschule Hof. Zwei Tage später halten die Zeitzeugen Rainer Maria Kett und Künstler Peter Luban, "Schöpfer" des Wendedenkmals, im Malzhaus einen bebilderten Vortrag "Plauen, 07.10.1989 - eine Stadt steht auf". An gleicher Stelle spricht am 17. Oktober Dr. Helmut Müller-Enbergs über die "Stasi und ihre Folgen".
Doch nicht nur die Partnerstädte haben sich einiges einfallen lassen, sondern auch Institutionen, Kirchen und Vereine gedenken der Ereignisse des Herbstes 1989. Thematische Ausstellungen wird es unter anderem in der Jugendherberge und im Malzhaus geben. Diesterweg-Gymnasiasten verarbeiten Zeitzeugenberichte in szenische Darstellungen. Motto "Keine Mauer, keine Angst, Freiheit" - die Aufführung ist für den 10. September geplant. Am 8. November organisiert die CDU Plauen gemeinsam mit den Unionsfraktionen der Partnerstädte Hof und Siegen ein Festkonzert in der Herz-Jesu-Kirche. Zudem wird im Vogtlandtheater ein Tanzstück zum Thema Friedliche Revolution aufgeführt werden.
"Die Aufzählung ist bestimmt nicht vollständig. Einige Privatinitiativen stehen sicher noch in den Startlöchern", so Oberdorfer. 
Im April wird ein Flyer mit allen öffentlichen Veranstaltungen erscheinen, der unter anderem in der Tourist-Information am Rathaus erhältlich sein wird.
Im nächsten Jahr heißt es dann "30 Jahre Deutsche Einheit". Dieses Ereignis wirft ebenfalls bereits seine Schatten voraus. Derzeit ist ein Kunstprojekt in Arbeit, das 2020 fertig sein wird - entstanden in einer Kooperation zwischen dem Berufsschulzentrum, e.o.plauen und der Berufsfachschule für Produktdesign Selb
"Die Veranstaltungen sind kein Selbstzweck", betont Oberdorfer. Im Gegenteil: Sie sollen die Erinnerungskultur an den Wendeherbst 1989 wach halten. Das 30. Jubiläum ist ein guter Anlass dafür. "Deshalb wollen wir das Jahr nicht ohne besondere Aktivitäten verstreichen lassen", so das Plauener Stadtoberhaupt.