Erdmännchen besetzen Termitenhügel

"Die Erdmännchen sind die Lieblinge im Tierpark", sagt Tierparkchef Tino Richter. Die possierlichen Tiere haben jetzt ein nagelneues Gehege bekommen.

Von Helmut Schlangstedt

Klingenthal - Es soll ja immer noch Leute geben, die am Sinn des Tierparks zweifeln, obwohl es die meistbesuchte Einrichtung der Stadt ist. Spätestens die "Operation Erdmännchen" sollte diese Zweifler nun zum Schweigen bringen. Nach dem Tod des 20 Jahre alten Leoparden im Jahre 2014 suchte man nach einer Weiternutzung des Areals und entschied sich schließlich für ein Erdmännchengehege, da diese Tiere tagaktiv sind. 
Tierparkleiter Tino Richter übernahm ab 2016 die gesamte Planung, wobei sich Gesamtkosten von rund 40 000 Euro ergaben. Es folgte Anfang 2018 ein Spendenaufruf mit überwältigender Resonanz, so dass bereits im Mai vorigen Jahres das Dach erneuert werden konnte. Und auch alle weiteren Baumaßnahmen wurden von rund zehn einheimischen Firmen planmäßig ausgeführt, da Geld- und Sachspenden sprudelten. 
Jetzt ist das Gehege mit 20 Quadratmeter großen Innen- und 40 Quadratmeter messendem Außenbereich fertig, in dem bis zu zwölf erwachsene Tiere leben dürfen. Derzeit sind es aber erst einmal zwei Männchen aus Hoyerswerda und ein Weibchen aus Wolgast, die übliche Verfahrensweise bei der Neueinrichtung eines solchen Geheges.
Am Sonntagnachmittag wurde das Gehege eingeweiht, das wirklich ein Schmuckstück geworden ist. Es war auch der erste Freigang der putzigen kleinen Gesellen, nachdem sich diese eine Woche lang erst einmal in ihrer neuen Umgebung eingelebt hatten. Und es war gewissermaßen ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem sich zahlreiche Besucher schon vor dem offiziellen Akt eingefunden hatten. Die Begrüßung der Gäste übernahm Stadtrat Carsten Förster als Mitglied des in diesem Jahr neu gewählten Vorstands des Tierparkvereins. Dabei dankte er unter Applaus allen Spendern und Sponsoren für ihre Unterstützung, die auf einer Ehrentafel neben dem Gehege aufgelistet sind. So kamen letztlich 38 000 Euro in bar und 10 000 Euro als Sachspenden zusammen. Gleichzeitig nannte er einige Ziele des Tierparkvereins, damit die Einrichtung noch attraktiver wird.  Dabei sprach er auch von hirnlosen Idioten, die immer wieder in den Tierpark einbrechen, ohne große Beute wieder abziehen, da nichts zu holen sei, aber dafür einen riesigen Schaden hinterlassen.
Tino Richter erläuterte die umfangreichen Baumaßnahmen am Erdmännchengehege und berichtete ein wenig über die Lebensweise dieser Tiere. In diesem Zusammenhang ging er auf die jüngsten Neuzugänge des Tierparks ein. Da wohnt ein neuen Leguan im Warmhaus, der bald auf den Namen Fritz hören soll. Steppenfüchse sind ins Fuchsgehege eingezogen, es gibt einen neuen Minischwein-Eber oder eine Schaubeute am Insektenhotel, bei der man Bienen bei ihrer Arbeit beobachten kann. Gerhard Nöbel dankte als Vize-Bürgermeisters dem Tierparkverein für seine Initiative zur Erhöhung der Attraktivität des Tierparks.
Dann war es endlich soweit, dass die Erdmännchen an die frische Luft und sich endlich durch die 100 Tonnen aufgeschüttete Erde graben durften. Anfangs noch etwas scheu, doch schon bald war die Neugier zu groß, und die drei flitzten durch das Freigehege und erklommen auch die Felsen und den von Tino Richter angefertigten und gut erklimmbaren Termitenhügel. 
Da wurden dann allseits die Handys gezückt. Man konnte sich beim Zusehen ja Zeit lassen, denn bei Imbiss und Getränken wurde es schließlich nicht langweilig.