Erdiger Sound der "Wilden Wurzeln"

"The Wild Roots" aus Tschechien spielten sich mit ehrlichem Grunge-Rock im Kunsthaus Eschenbach erneut in die Herzen der Zuhörer. Dazu gab es noch eine Vernissage mit GeBrüder Onkel.

Von Marlies Dähn

Eschenbach - Die Dämmerung senkt sich über dem Kunsthaus in Eschenbach. Der Winter hält das Dörfchen in seinen eisigen Fängen. Hinter den beleuchteten hohen Fenstern im Ballsaal spiegelt sich Gemütlichkeit. An den Wänden haben sich die GeBrüder Onkel ausgebreitet mit ihren künstlerischen Werken. Bunt, schrill und aufsehenerregend blicken zombiehafte Fratzen herab. Die Zwillingsbrüder Robby und Marcel aus Meerane haben diesmal Abstraktes mitgebracht in ihre Ausstellung "ME and EYE". Wer möchte, kann noch bis 3. Mai vorbeischauen und Kunst der GeBrüder auch kaufen.
Wie an jedem ersten Samstag im Monat öffnen Ines und Mario Falcke das Kunsthaus und bieten ausgewählten Kulturgenuss. Neben der Vernissage sind diesmal "The Wild Roots" erneut Publikumsmagnet.
 Nach genau zwei Jahren hat Hausherr Mario Falcke die Band aus Lazne Kynzvar erneut nach Eschenbach gelockt. Die Gewinner eines Band Contestes im Dreiländereck überzeugten schon 2017 bei ihrem Auftritt in Eschenbach. Damals war es ihr erstes Gastspiel in Deutschland überhaupt. Inzwischen ist die Fangemeinde gewachsen. Und auch das Eschenbacher Publikum hat die drei Musiker erneut ins Herz geschlossen. Wenn Alice (Bass), Johnny (Gitarre) und Kraken (Schlagzeug) die Bühne rocken, schwingt Ehrlichkeit in allen Melodien. Dem erdigen Sound der wilden Wurzeln wohnt eine besondere Magie inne. Ihre Stimmen zeichnen Bilder, schwingen sich auf, wie der Adler über dem schottischen Hochland. Sie erzählen Geschichten von Liebe und Schmerz, von Sehnsucht nach Ferne und vom sich selber finden. Sie besingen die wilde Natur im harten Norden und beschwören die Monster herauf in der Einsamkeit. 
Dichte Drums, dröhnende Becken, wilde Wirbel kommen vom Schlagzeug. Rhythmisch, geradlinig und kraftvoll begleitet der Bass. Hart, vorwärtstreibend oder melodisch einfühlsam schwingen sich die Gitarrenriffs durch den Raum. 
"The Wild Roots" sind zurück mit "Back Into The Wild", "Death Is Not Coming Tonight", "Irish Girl" oder "Animals". Alice hat ihr blondes Haar wild nach oben gesteckt, sich die Bass-Gitarre umgehängt und nimmt den Rhythmus direkt auf über ihre tänzelnden Füße. Kraken schließt die Augen, bearbeitet die Drums und lässt den tiefen Bass seiner Stimme bis unter die Kuppel der Bühne steigen. Atemberaubende Riffs entlockt Johnny seiner Gitarre. Wenn sich der Gesang der drei Musiker in kraftvoller Harmonie vereint, bricht Jubel aus. Das rhythmische Stampfen der erdig ehrlichen Melodien ruft das Publikum auf die Tanzfläche. Bis zum letzten Titel bleiben alle einander verbunden. Und als das Publikum am Ende mitsingt, die Band mit machtvollem whow ho ho ho, whow, ho ho ho von der Bühne begleitet, sich die Musiker mit ehrlichen Gesten dankend verbeugen, fühlt man sich angekommen.