Er haste unrasierte Leute

Reichenbach - In der Geburtsstadt Heinrich Dathes las der Journalist Jürgen Mladek aus seinem Buch über den bekannten Berliner Tierparkdirektor.

 

Professor Heinrich Dathe hätte am 7. November seinen 100. Geburtstag gefeiert. Nachdem seine Heimatstadt Reichenbach dem weithin berühmten Sohn bereits mit einem Dathe-Kolloquim, mit einer Jugendbiografie in der hiesigen Museumsreihe und anderen Veranstaltungen gedachte, machte jetzt auch Buchhändlerin Antje Teubert-Bauch Dathe zum Thema. Zum letzten Literarischen Mittwoch in diesem Jahr lud sie den Autor Jürgen Mladek nach Reichenbach ein, um sein Buch "Professor Dathe und seine Tiere" vorzustellen.

Damit bewies sie ein gutes Händchen, denn Dathe bewegt die Reichenbacher. Und so musste die Lesung aufgrund des übergroßen Interesses kurzfristig von der Vogtländischen Buchhandlung in den Trinitatis-Gemeindesaal verlegt werden. Sogar der Autor zeigte sich überrascht und fotografierte die große Zuhörerschar. "Sonst glaubt mir das in Berlin keiner", sagte er immer wieder kopfschüttelnd und erzählte, dass er zu Dathes Beerdigung, die er als Berichterstatter miterlebt habe, noch nicht ahnen konnte, wie sehr ihn das Leben des großen Ornithologen und Tierfreundes einmal beschäftigen wird.

Jürgen Mladek, stellvertretender Chefredakteur des "Berliner Kurier", hat Dathes Biografie intensiv studiert, auch die kleinen Dinge am Rande, die bisher noch keiner kannte. Die besten Informationen in dieser Hinsicht habe er von der Witwe und vom ersten Tierpfleger in Berlin erhalten, beteuert Mladek. Gut 90 Minuten lang erzählte er fast aus dem Steggreif eine Geschichte nach der anderen, gespickt mit viel Hintergrundinformation und auch mit Witz. Dabei gibt er unumwunden zu: "Die Reichenbacher Jahre kommen in meinem Buch eindeutig zu kurz."

Und so erfuhren die Zuhörer, dass Dathe zeitlebens die vogtländische Küche sehr gemocht habe, dass er als Tierparkdirektor 2000 DDR-Mark im Monat verdient habe und dass sein Rausschmiss 1990 wohl mit dem Ziel erfolgte, einen Nachfolger einzusetzen, der die Fusion beider Berliner Zoos vorantreibt. Für den Autor war das "die größte Wende-Sauerei".

Neben spektakulären Tier- und Ausbrechergeschichten beschreibt Mladek Heinrich Dathe auch als Menschen außerhalb des Protokolls. "Er war einer, der unrasierte Leute hasste und als Chef sehr penibel, streng und kontrollsüchtig war." Liebschaften habe es nach Ansicht des Biografen keine gegeben, obwohl der medienwirksame Tierkenner doch mit Sicherheit viele Chancen dazu hatte.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Jürgen Mladek der Bildauswahl für sein Buch. Auch hierbei handelte er nach dem Grundsatz, möglichst viele Fotos zusammenzutragen, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Und so zeigt er Dathe mit Bockwurst oder Dathe mit kurzen Hosen im Mallorca-Urlaub. Am Ende seiner Lesung forderte der 42-jährige Journalist seine Zuhörer auf, den Tierpark Berlin zu besuchen und Dathes Erbe damit wach zu halten. Ina Ullmann