Enthüllungen hinterm Bauzaun

Verhüllt zeigt sich der Nord West Flügel des Plauener Rathauses. Dahinter tut sich einiges. Die Glasfassade ist zertrümmert und somit fensterlos. Bauende für den Umbau ist Ende März 2021.

Von Marlies Dähn

Plauen - Der Bauzaun wird geöffnet für einen kurzen Baustellenrundgang. Vor allem im Ratssaal sind Veränderungen sichtbar. Die Glasfassade ist ohne Fenster. Die gut 665 Quadratmeter Glasflächen haben Maik Friedrich, Tobias Eckert und Gabi Gewald von der Firma Meister Service Gera mit Muskelkraft und Feustel herausgestemmt. Balkone und Terrassen sind üblicherweise ihr Metier. Die riesige schräge Glasfassade war da schon eine ganz besondere Herausforderung, räumen die drei Handwerker ein, die während der Arbeiten Schutzbrillen tragen. Über eine Schuttrutsche wurde der Glasbruch in Container transportiert. Eingebaut wird am Ende eine Zwei-Scheiben Verglasung. Laut Axel Markert bringe das eine weit bessere Dämmung, als bisher. Spezialglas von E-Control sei leider für die Stahlkonstruktion zu schwer, lässt Markert wissen. Der Statik wegen bleiben die senkrechten Streben der bisherigen Fassade erhalten. 
 Zu den unerfreulichen "Entdeckungen", die solch eine Baustelle mit sich bringt, gehörte Asbest. "Das war doch mehr, als wir erwartet haben", sagt Axel Markert. Technisch unlogische Bauweisen habe man vorgefunden. So waren zum Beispiel Stahlträger auf einer Seite mit Asbest bestückt, auf der anderen Seite jedoch nicht. Was ist alles geplant bei der Sanierung im Nord West Flügel?
 Die Glasfassade wird erneuert, der Ratssaal wird saniert. Es erfolgt der Umbau des dritten Obergeschosses zur Fraktionsebene mit Fraktionszimmern und Sitzungsräumen. Eine Technikebene mit Lüftungsgeräten wird im vierten OG errichtet. Der Haupteingang bekommt einen Aufzug, wird umgestaltet und die Eingangstreppe wird ins Gebäudeinnere verlegt. Neu entsteht eine Freitreppe zur Straßenbahnhaltestelle hin.
Das Bürgerbüro wird im Foyer angeordnet. Die bisherige Poststelle im Quergang A wird zum Einwohnermeldeamt. Auch im 1. OG wird das Foyer umgestaltet. Dort entsteht ein Lichtschacht mit Glaskuppeldach. Das dort vorhandene Relief ist dann eingebettet in eine Oval. "Eine Art Torbogen entsteht", beschreibt Axel Markert. Das Archiv wird erweitert durch Einbau einer Rollregalanlage sowie weiteren Lagermöglichkeiten im 2. Untergeschoss.
Erneuert werden Dachabdichtung, Fenster, Fassaden, Türen, Elektro- Lüftungs-, Sanitär und Heizungsinstallationen. Es wird gemalert und Bodenbeläge eingebaut. Abbruch- und Entkernungsarbeiten laufen derzeit im Keller-, Erd- und im 1. Obergeschoss sowie an der Glasfassade. "Bis zum Jahreswechsel soll das Gebäude wieder dicht sein", blickt Axel Markert in die Zukunft. Die Baukosten betragen 9 950 000 Euro, davon sind 7 090 000 Euro Fördermittel.