Entgegen den Erwartungen - Kaum tschechische Arbeiter in vogtländischen Betrieben

Selbst gestandenen Handwerkern bereite es zuweilen Mühe, den Unterschied zwischen den einzelnen Gremien zu erkennen und manche Post lande falsch, begann der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Vogtlands, Jürgen Petzold, seinen Vortrag vor den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsauschusses. Denn während in den drei Handwerkskammern Sachsens 24 000 Betriebe mit durchschnittlich fünf Beschäftigten und im Vogtland 4000 Handwerksbetriebe organisiert sind, ist die Kreishandwerkerschaft das Gremium, in dem nicht Betriebe, sondern Innungen organisiert sind.

Diese insgesamt 800 wiederum, so Petzold, weisen einen unterschiedlichen Organisationsgrad auf, der im Orthopädiebereich am höchsten sei. Ausgesprochen niedrig sei er im Bauhauptgewerbe, wo Petzold ein weiteres Problem ausmacht. Im Zuge der Wirtschaftskrise hätten sich viele kleine, teilweise Einmann-Unternehmen aus größeren Firmen heraus gegründet, die sich nun mit Dumping-Löhnen am Markt zu behaupten versuchen.

Zugleich legte er die Befürchtung ad acta, das Arbeitskräfte aus dem nahen Tschechien die Region überschwemmen würden. Dies sei nicht mal im Oberland der Fall, so der Experte. Spürbarer sei ein anderer Trend im nördlichen Vogtland. "Die Peripherie von Reichenbach leidet am Hunger von Mosel", zeichnete Petzold ein Bild, das ausdrücken soll, dass allein bei VW 23 bestens ausgebildete Bäckergesellen arbeiten, die aus der Backstube des Meisters dem besseren Verdienst des Autobauers hinterherzogen.