Ellefeld: Fruchtsaft fließt wieder

Die Marke "Kinella" will der Konkurrenz von Hipp und Alete im Supermarktregal Paroli bieten. Bis dahin ist noch ein Stück Weg, weiß der neue Eigentümer in Ellefeld - Werner Deharde von der Lausitzer Früchteverarbeitung. "Es läuft ganz gut, aber wir machen noch Verluste."

Ellefeld - "Das Werk in Ellefeld passt bei uns gut ins Konzept", nennt Seniorchef Werner Deharde den Grund, warum er das alteingesessene Fruchtsaftunternehmen der Ellefelder Familie Ackermann aus der Insolvenz heraus im Jahre 2016 erwarb.

Damals hatte "Ackermanns Haus", das zu DDR-Zeiten mit der Marke Kinella zu Ruhm gelangte, eine schlimme Odyssee hinter sich. 2012 holte sich Ackermann, damals finanziell von der Wirtschaftskrise gebeutelt, den französischen Kinderdessert-Hersteller Fruiterroir ins Boot, der alsbald die Mehrheitsanteile erwarb und die Alteigentümer vor die Tür setzte. Wenige Jahre später fuhr Fruiterroir den Ellefelder Betrieb in die Insolvenz.

Mit 17 Mitarbeitern - per Insolvenz waren es noch 25 - meistert der neue Eigentümer aus der Lausitz das Alltagsgeschäft bei "Kinella". Der Großteil des Maschinenparks, von der Abfüllanlage bis zu den großen Lagertanks, stammt noch von der Familie Ackermann. "Investiert haben wir 2017 eine Viertelmillion Euro in Wartung und Instandhaltung", berichtet Werkleiter Frank Kuske bei einem Werksrundgang mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Sören Voigt und Ellefelds Bürgermeister Jörg Kerber.

Die fragten nach, wie das Unternehmen laufe und wo der Schuh drücke. So sagte Voigt Hilfe bei Förderanträgen für geplante Investitionen zu. Themen waren auch der anstehende Breitbandausbau und Arbeitskräftemangel.

So suche man verzweifelt Facharbeiter für Lebensmitteltechnik und Instandhaltungselektriker, erwähnt der Firmenchef just an dem Tag, an dem auch Gerd Seifert nach 42 Arbeitsjahren im Ellefelder Unternehmen seinen letzten Arbeitstag hat.

"Da will ich mal Platz machen für Jüngere", sagt die 63-jährige Fachkraft. Anwachsen soll die Mitarbeiterzahl demnächst auf 20, wobei in Ellefeld ausschließlich die Produktion angesiedelt ist. Die Verwaltung verlegte man schon 2016 zentral an den Stammsitz nach Sohland in der Lausitz/Spree.

Verabschiedet hat man sich auch von der Direktannahme von regionalem Gartenobst aus der Bevölkerung. "Zu aufwändig", sagt Deharde und verweist auf die im Babynahrungsgeschäft nötige 1-A-Qualität der Früchte. 500 Tonnen Äpfel wurden 2017 zu Saft und anderen Produkten aus Obst. Die Äpfel bezieht man aus Polen, Südfrüchte, wie Orangen, kommen aus Italien und Spanien. Alles aus Europa.

Das erste volle Geschäftsjahr liegt hinter den neuen Saft-"Machern". Die Bilanz fällt noch verhalten aus. Eine Weile habe es gedauert, bis man die Kelterei in Gang gebracht hat. 15.000 Flaschen können pro Stunde abgefüllt werden - die Kapazität der Anlage wird noch nicht ausgereizt. Von ursprünglich 600 Produkten stellt man in Ellefeld derzeit noch 300 her.

Abgefüllt wird in Gebinde von der kleinen 0,2-Liter- bis in die Ein-Literflasche oder Fruchtmus in den Poutches (Beutel). In eine neue Poutch-Anlage will man investieren, sobald die wirtschaftliche Lage es zulässt.

"In Ellefeld haben wir Platz ohne Ende, was in der Lausitz nicht der Fall ist", nennt Kuske einen Grund, warum man am Standort Ellefeld unbedingt festhalten will. Überlegt wird daher, ob und welche Produkte an welchem der beiden Standorte hergestellt oder miteinander kombiniert werden können.

In der Lausitz füllt man Obst- und Sauerkonserven ab und stellt Frucht-Ingredienzien für die Backwaren- und Eiscreme-Industrie her. In Ellefeld konzentriert sich das Fruchtsaft-Geschäft.

Die Marke "Ackermanns Haus" sucht man im Portfolio der Neueigentümer vergeblich. Man habe zwar die Namensrechte, wolle aber Ärger mit den Alteigentümern vermeiden, heißt es. So findet sich Ellefelder Saft in Flaschen von "Lausitzer" wieder, oder in Fitness- und Proteingetränken sowie Auftragsprodukten aus aller Welt.