Eiszeit im Ölstaat Texas

Im US-Bundesstaat Texas bringen minus 18 Grad das Gas in den Pipelines zum Gefrieren. Millionen Texaner sitzen in ihren Wohnungen und frieren, sind ohne Strom, Wärme und Wasser. Auch die nach Texas ausgewanderte Falkensteinerin Kathi Stock musste sich warm anziehen.

Von Cornelia Henze

Als Kathi Stock 2002 der Liebe willen in die USA ging, hatte sie wohl keinen Gedanken daran verschwendet, dass sie im sonnigen Texas so etwas wie ein vogtländischer Winter jemals ereilen könnte. Zuhause ist sie in Levisville, einem Vorort von Dallas. Und weil es dort meist warm ist, seien die Häuser weniger gut isoliert und die Wasserleitungen liegen auch nicht tief genug, um Frost und Kälte ab zu können. Das hat den Menschen aus dem Ölstaat Texas nun arg geschadet. Wegen zweistelliger Minusgrade und ausgeknockter Heizkraftwerke, mussten die Texaner erfinderisch werden, um sich warm zu halten. Manche übernachteten im Auto bei laufendem Motor, andere fachten offene Feuer im Eigenheim an. Im Zuhause von Kathi Stock wäre alles gut gewesen, gibt es doch dal als alternative Heizquelle noch einen Kamin. "Das Problem war nur, dass es keine Presslinge und Feuerholz mehr zu kaufen gab, als die Temperaturen angekündigt wurden", so die Ex-Vogtländerin. Mit einem Rest von neun Presslingenhielt sich die Familie einen Tag warm. Verzweiflung machte sich breit, als klar wurde, dass es keine rollende - also nur zeitweilige - Stromabschalte geben wird, stattdessen der Strom gar nicht mehr wiederkommt. "Man kann nix kochen, aufwärmen oder sich in den eigenen vier Wänden behelfen", so Kathi Stock. Also musste gehandelt werden. Das Paar klapperte am Dienstag sämtliche Hotels ab, die aber auch mit Stromausfällen zu kämpfen hatte. Für jene, die weder in Hotels oder bei Freunden unterkommen konnten, hatte die Stadt Lewisville im Einkaufszentrum eine Auffangstation zum Aufwärmen eingerichtet. Essen und Trinken wurde dort aber nicht verteilt, alles das mussten die Leute sich selbst mitbringen, auch Feldbetten und Decken.


Dorthin musste Kathi Stock und ihr Partner zum Glück nicht. Untergekommen sind beide letztlich bei der Ex-Schwiegertochter und den Enkeln. Unter einem warmen Dach schlafen, duschen, warm essen: "Wahnsinn, wie die kleinen Dinge des Lebens wichtig werden."


Viele Texaner hatten zusätzlich große Probleme mit dem Wasser. Leitungen waren eingefroren, Rohre geplatzt. Zum Glück hatten wir vor der langen Stromabschaltung noch die Wasserzufuhr zum Haus abgestellt, um Schäden zu vermeiden. Inzwischen fließt der Strom wieder. Die Gasheizung sprang allerdings nicht an. Ein Handwerker musste geholt werden. Ärger gibt es noch immer mit gefrorenen PVC-Leitungen. Aber das nehme man gern in Kauf für ein warmes Haus, sagt Kathi Stock. Ab nächste Woche fahren die Temperaturen in Texas schon wieder Achterbahn. Bis 26 Grad Plus sind angesagt. Die Swimmingpools können also wieder gefüllt werden.