Eisbahn "schläft" nicht nur im Sommer

Klingenthal - Wie geht es weiter mit der defekten Klingenthaler Eisbahn? Dazu hatte am Dienstagabend Klaus Grimm, ehemals aktiver Eishockeyspieler beim FEV Klingenthal, zu einem Forum zur Zukunft der Klingenthaler Kunsteisbahn in die Bowlingscheune geladen und hierzu Bauamtsleiter Jürgen Leonhardt mitgebracht. Ein gutes Dutzend Besucher hatten sich zu dieser Diskussionsrunde eingefunden.

Bereits seit 1954 gäbe es die Eisbahn in Brunndöbra, die damals anlässlich einer Spartakiade gebaut worden sei, blickte der Eishockeyveteran zurück. Und bereits 1957 habe es erste Konstruktionen zur Errichtung einer Kunsteisbahn gegeben. Allerdings besaß Eishockey in der DDR keinerlei Priorität.

Nach der Wende bestellte Klaus Grimm auf eigene Faust eine Eismaschine in Halle, obwohl der Stadtrat dagegen war. Alleinige Priorität genoss aber damals die Schanze. Erst später lenkte der Stadtrat ein - unter der Bedingung, dass der Verein die Eisbahn betreibt, was dann auch vertraglich inklusive der Zahlung von Zuschüssen vereinbart wurde.

Doch der Betrieb der Eisbahn stand nie unter einem guten Stern. Konnte der Verein die Bahn in den ersten Jahren noch mit einer schwarzen Null betreiben, waren später die anfallenden Reparaturkosten für den Verein nicht mehr finanzierbar.

Als beste Lösung sah man daher die Insolvenz des FEV und eine Vereinsneugründung unter der Voraussetzung an, dass die Stadt Personal und Geld bereitstellt. Ein permanentes Verlustgeschäft für die Stadt. In der Saison 2007/2008 betrug das Defizit 62 700 Euro, verursacht insbesondere durch Reparaturkosten.

Ende 2008 kam dann der Super-Gau. Durch Ausfall eines Überhitzungsschutzes brannte die Eismaschine. Ergebnis: Totalschaden. Natürlich war man versichert, doch die Police hatte wohl Komiker Loriot verfasst. Die deckte nämlich nur den Primärschaden ab, also die Heizpatrone. "Das ist so, als ob die Weihnachtspyramide abbrennt. Die bekommt man ersetzt, das Haus drumrum aber nicht", erläuterte Jürgen Leonhardt. Für mindestens zwei Jahre sei kein Eislaufbetrieb möglich, abgesehen von der Nutzung als Natureisbahn bei ausreichend kaltem Wetter. Sinnvoll sei allein eine neue Eismaschine, doch woraus soll die Stadt die Kosten von rund 250 000 Euro finanzieren? Klaus Grimm merkte an, dass die geringen Einnahmen zum Teil auch auf eine fehlende Überdachung zurückzuführen seien und führte als Vergleich die Eishalle in Greiz an, die jährlich 60 000 Besucher zählen würde. In der Diskussion gab es dann einiges an Vorwürfen bezüglich der Mängel, die letztlich zu dem gegenwärtigen Zustand geführt hätten, wozu vernachlässigte Wartung, Managementfehler oder Personaleinsatz gehörten, doch war dieses Palaver letztlich nicht zielführend.

Klaus Grimm votierte für einen totalen Neuanfang mit etwas Ordentlichem und Kosten von rund 2,5 Millionen Euro, wofür man sogar 90-prozentige Fördermittel erwarten dürfe. Für den Eigenanteil gab er sich optimistisch, mit einem schlüssigen Konzept auch Sponsoren für das Projekt erwärmen zu können, was gegenwärtig allerdings nicht existiert. Ob es überhaupt eine Zukunft für die Klingenthaler Eisbahn gibt, steht auch deshalb in den Sternen, da man in Graslitz zur jüngsten Stadtratssitzung beschloss, mit der Planung zur Errichtung einer Eishalle zu beginnen und sich hierfür den Segen der Stadt Klingenthal eingeholt hatte.

Da tauchte die Frage auf, wie sich zwei Eishallen in der Provinz tragen sollen und ob es nicht vielleicht besser wäre, aus der Klingenthaler Eisbahn einen Bolzplatz oder etwas ähnliches zu machen.  H. S.