Eisbaden besser als Rouladen

Plauen - Eisbader sind ganz mutige Burschen und sie gibt es nicht nur im fernen Russland. Seit einigen Jahren hacken auch einige Plauener nahe Neundorf regelmäßig ein Wasserloch in einen kleinen, zugefrorenen Teich nahe dem Dorf, um beinahe täglich ins für sie erfrischende Nass zu hüpfen. Auch Weihnachten und Silvester.

 

Für Hans Jürgen Arlt aus Neundorf bedeutet das Eisbaden pure Lebenslust. "Es ist besser noch als Rouladen essen, aber sagen Sie es nicht meiner Lebensgefährtin Brigitte, die kocht nämlich sehr gute Rouladen", sagt der passionierte Eisbader mit einem breiten Lächeln. Derweil legt der wackere Mann nach und nach die winterliche Kleidung ab, um mal kurz im Adamskostüm mitten in einer malerisch verschneiten Landschaft zu stehen (schon allein das ist für ihn ein Genuss), um sich dann elegant in ein etwa drei mal zwei Meter großes, Eis umrandetes Freiluft-Wasser-Bassin zu begeben. Wie in der Badewanne sitzend aalt sich der 58-Jährige glücklich im etwa drei Grad warmen Wasser und strampelt mit den Beinen, dass das Wasser bis ans Ufer stiebt. "Klasse", ruft der Neundorfer aus.

 

Die Lufttemperatur mag bei etwa acht Grad Minus liegen. Für ein paar Minuten bleibt die Uhr für Hans Jürgen Arlt stehen. Entspannung, Ruhe, Kälte, Wärme. Bei sich sein. Glück. Am Teichufer übt sich derweil ein weiterer Eisbader bei sportlichen Aktivitäten nach dem Baden. Zur Aufwärmung. Gerhard Gurklies, ein Rentner aus Neundorf, stemmt sich flott wie ein junger Hüpfer auf eine an kleinen Bäumen befestigte Reckstange. Der drahtige Mann zaubert eine und noch eine Rolle, wagt locker leicht einen Feldaufschwung, ein paar Klimmzüge und schaut in die Weite. Schön ist das hier, denkt sich der 79-Jährige. Die Wälder und Felder, alles zeigt sich in sattem, majestätischem Weiß, der Himmel blau und still wölbt sich über ihnen. "Ich komme seit einigen Jahren hierher, immer so ab dem Herbst", erzählt der Neundorfer, der mit ein paar weiteren Rentnern, die heute nicht dabei sind, und dem Hans-Jürgen eine frohe Eisbader-Gemeinschaft in ruhiger Abgeschiedenheit pflegen. "Ich bin bei Wind und Wetter da", schwört der Senior, der schlank und rank ist und gesund wie ein 45-Jähriger wirkt. Kein Wunder bei dieser Lebensweise.

"Klar, es fühlt sich wunderbar an im Wasser und es härtet ab", meint Gerhard Gurklies. Für heute ist es aber genug, sie freuen sich auf Zuhause, auf ein Bierchen oder einen heißen Tee. Eisbader Arlt zieht sich nach ausgiebigem Trockenrubbeln wieder warm an. Die zwei Männer packen nach und nach ihre Sachen zusammen, inklusive einer kleinen Axt, mit der sie auch Morgen aufs Neue eine Wasserfläche aus der Eisdecke hacken werden.  Frank Blenz