Einzige Solateur-Schule in Sachsen

Lengenfeld - Im Lengenfelder Bildungsinstitut Pscherer knallen morgen die Sektkorken. Dann feiert Unternehmensgründer Herbert Pscherer mit seinen Mitarbeitern das 20-jährige Bestehen der Bildungseinrichtung. Zu Recht kann der Oberfranke Pscherer stolz sein auf die geleistete Arbeit der vergangenen zwei Jahrzehnte, denn das Unternehmen hat sich etabliert, ist gewachsen und hat bundesweite und sogar europaweite Netzwerke in der Aus- und Weiterbildung aufgebaut.

Dabei fing 1990 alles bescheiden an. Die DDR kannte er bereits von Besuchen in den achtziger Jahren. Anfang der Neunziger war Herbert Pscherer gerade dabei, sich eine Existenz für die Zeit nach der Bundeswehr aufzubauen. Dabei verfolgte er zwei Ziele: Selbstständig und im Bildungssektor wollte er arbeiten. Schließlich hatte der gelernte Fluglotsenmeister schon während der Armeezeit als politischer Ausbilder Erfahrungen gesammelt und sich zudem im pädagogischen, methodischen und didaktischen Bereich weitergebildet. Daneben hatte er Volkshochschulkurse in Wirtschaftsinformatik gehalten. "Lehren hat mir einfach Spaß bereitet", erklärt er heute noch seinen damaligen Enthusiasmus.

Am 2. Januar kam der ehemalige Bundeswehrangehörige Pscherer, er hatte zwölf Jahre bei der Luftwaffe gedient, zum ersten Mal in die Wende-DDR. Durch Zufall lernte er den Neumarker Bürgermeister Ralf Fester kennen, der ihm half, seine erste "Schule im Osten" im damaligen LDPD-Gebäude in Reichenbach zu eröffnen. Bereits im März 1990 fanden dort die ersten Wochenend-Schulungen für selbstständige Handwerksmeister statt. Und nach der offiziellen Firmengründung am 22. Juni kamen die ersten Kurse im Auftrag des Arbeitsamtes hinzu. Kaufmännische und EDV-Schulungen waren zu diesem Zeitpunkt gefragt.

Damit war das Bildungsinstitut Pscherer eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Unternehmen, das bereits kurz nach der Wende im Vogtland im Umschulungs- und Weiterbildungsbereich tätig war. "Wir haben uns später in Richtung gewerblich-technische Ausbildung orientiert", erklärt der Firmengründer und nennt vor allem das Bau- und Baunebengewerbe. Die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten war damals so groß, dass schon wenige Monate nach Bezug neuer Räume in der ehemaligen PGH "Vorwärts" in Reichenbach wieder Platzmangel herrschte. Und so zog das Bildungsinstitut Anfang 1992 in die ehemalige Baumwollspinnerei in Lengenfeld, wo auch heute noch der Sitz der Firmenzentrale ist.

Später kaufte Herbert Pscherer die Immobilie und hat sie mit viel Kraft, Idealismus und Geld in eine moderne Bildungseinrichtung umgewandelt. Heute befinden sich dort neben Unterrichts- und Büroräumen auch modern ausgestattete Labors und Werkstätten, in denen Fachkräfte verschiedenster Richtungen ausgebildet werden. "Wir sind breit gefächert aufgestellt", erklärt der Chef und versichert, dass in seinem gemeinnützigen Unternehmen von Anfang an der Mensch im Mittelpunkt gestanden habe. Und so wendet sich Pscherer der Berufsorientierung und Berufsausbildung genauso zu wie der Qualifizierung Alleinerziehender und Langzeitarbeitsloser sowie der Weiterbildung von Fachkräften. Bei der Berufsausbildung stehen im Bildungsinstitut vor allem die erneuerbaren Energien, die Biotechnologie und Handwerksberufe im Metall- und Schweißbereich im Mittelpunkt.

Aus einer Mini-Firma mit zwei Beschäftigten hat sich ein gestandenes Unternehmen mit 80 Mitarbeitern und Niederlassungen in Marktredwitz und Freiberg sowie Außenstellen in Plauen, Zwickau, Glauchau und Adorf entwickelt. Hier befindet sich die erste und bisher einzige sogenannte Solarteur-Schule in Sachsen. Seit 1993 gibt es eine eigene Firmenzeitung. Und Ende der 90er Jahre wurde im Haus der Vogtländische Energie- und Umweltpark als Lehr-, Demonstrations- und Anwendungszentrum für erneuerbare Energien etabliert.

Wenn Herbert Pscherer morgen in Lengenfeld mit Mitarbeitern und zahlreichen Gästen auf den zwanzigsten Geburtstag seines Bildungsinstitutes anstößt, wird er in zwanzig Bildern auch die Entwicklung der Firma demonstrieren. Nicht ohne Stolz kann er dabei auf viele kleine und große Erfolge verweisen: Vorreiter bei der Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit den Schulen, TÜV-autorisierte Schweißwerkstatt, Mitarbeit bei der Fachkräfteauswahl für Magnetto, Innovationspreis Weiterbildung, Ferienakademie, Beschäftigungspakt 50+.... va