Einmal um die Welt

Es gibt nur wenige, die in ihrem Leben 40.075 Kilometer (oder mehr) gewandert sind: Jürgen Hadel gehört zu dem erlauchten Kreis und nicht nur das: Er hat die Strecke, die dem Erdumfang am Äquator entspricht, allein mit 100-Kilometer-Touren bewältigt. Dafür hat er vor zwei Jahren den Weltwanderpokal des Sächsischen Wander- und Bergsteigerverbandes erhalten, einen Globus aus Glas. Seither hat Hadel weitere 100-Kilometer-Wanderungen unter die Wanderschuhe genommen. "Gerade bin ich zurück von Nummer 418 - dem Südharz-Hunderter", sagt der 60-Jährige, der regelmäßig selbst "100er Touren" organisiert, auch zweimal jährlich im Vogtland.


Herr Hadel, können Sie sich noch an Ihre erste 100-Kilometer-Strecke erinnern?
Hadel: Das war 1985 ein Lauf in Grünheide bei Berlin, bei dem ich als 25-Jähriger nach einer Bierwette mitgemacht habe. 100 Kilometer rennen - ich war durchtrainiert, hatte schon einige Marathons bewältigt. Seither habe ich mehrmals 100 Kilometer im Laufschritt bewältigt, auch zweimal den 24-Stunden-Lauf in Reichenbach: Dort habe ich 163 und 158 Kilometer geschafft.

Da sind 100-Kilometer-Wanderungen ja eine Art Kindergeburtstag für Sie, oder?
Irrtum. Die Läufe sind im Regelfall nach zehn, zwölf Stunden beendet - bei Tageslicht. Die Wanderungen dauern doppelt so lange - und führen also durch die Nacht. Körperliche Belastung bei Dunkelheit sind eine ganz andere Hausnummer - reine Kopfsache und für viele ein Problem, auch für mich.

Was bedeuten Ihnen 100-Kilometer-Wanderungen?
Sie sind ein Ausgleich für mein Hobby Bergsteigen im Hochgebirge, eine Art Kurzurlaub: Bei den Touren kann ich gut abschalten, betätige mich sportlich und habe soziale Kontakte zu Gleichgesinnten in der Natur.

Wird es dieses Jahr den 23. Vogtland-Hunderter geben?
Das hängt von Corona ab, ob es die Tour geben wird, wie immer am 28. Dezember. Die Strecke "Fünf Talsperren auf einen Streich" habe ich ausgeguckt und mit dem Messrad abgelaufen - von Falkenstein über die Talsperren Falkenstein und Muldenberg, die Vorsperre Werda, die Talsperren Pirk, Dröda sowie Werda zurück nach Falkenstein. Aber wie gesagt, es hängt von Corona ab.

Corona ist doch schon das ganze Jahr ein Thema, oder?
Das stimmt. Normalerweise gehe ich alle vier Wochen auf eine 100-Kilometer-Tour. In diesem Jahr waren es nur vier: Den von mir innerhalb des Deutschen Winterwandertages mitorganisierten Schönecker Winter-Hunderter, von Jena-Paradies nach Leipzig-Klein-Paradies, von Meißen zu den Schrammsteinen und der Südharz-Hunderter auf einem Stück des Karstwanderweges.

Was sagt eigentlich Ihre Frau zu Ihren Touren?
Sie macht schon Tagestouren über 20, 30 Kilometer mit. Aber auf die großen Strecken lässt sie mich gerne ziehen. ufa