Einmal Kießling - immer Theodor

Zwei Sachen sind sicher: Den Fachgroßhandel Theodor Kießling gibt es seit 125 Jahren und alle Söhne in der Familie heißen Theodor.

Auerbach/Falkenstein - Familienunternehmen mit einer 125-jährigen Geschichte haben im Vogtland Seltenheitswert. Vor allem, wenn sich das Unternehmen heute noch erfolgreich am Markt behauptet. Der Fachgroßhandel Theodor Kießling, ansässig in Falkenstein und Auerbach, ist so eine Firma. Seit sechs Generationen handelt die Familie im großen Maßstab mit technischen Dingen für Industrie und Handwerk, aktuell besteht ihr Sortiment aus rund 150.000 Artikeln.

Das Unternehmen wurde Anfang April 125 Jahre alt, kam jedoch jetzt erst zum Feiern. Am Freitag und Samstag ging daher bei Theodor Kießlings Fachgroßhandlung eine Party verbunden mit einer Hausmesse über die Bühne. Wenn von Theodor Kießling als Chef gesprochen wird, muss man genau unterscheiden. Er ist nämlich der fünfte Theodor seit dem Firmengründer, der in dem Familienunternehmen die Verantwortung trägt. "Es ist bei uns Pflicht, dass unsere Söhne die Vornamen Theodor tragen", erklärt der 59-jährige amtierende Geschäftsführer Theodor Alfred Kießling.

Los ging es mit den Kießlings am 1. April 1889. In einem Wohn- und Geschäftshaus an der Falkensteiner Schlossstraße eröffnete Theodor Kiessling (damals schrieb sich der Familiennamen noch mit einem doppelten "S") einen Laden. "Er hat mit Näh- und Strickmaschinen, Nadeln, Ölen, Werkzeugen und technischen Fetten gehandelt", so Theodor Alfred Kießling.

Die wachsende Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts brachte der Firma Wind in die Segel. "Schrauben-Kiessling" expandierte, machte gute Umsätze und wurde landesweit bekannt. Rückschläge brachte der erste Weltkrieg, die Inflation und Weltwirtschaftskrise. Doch Theodor der Dritte überstand die schweren Jahre und etablierte sich in den 1930er Jahren zum führenden Eisenwarengeschäft in Falkenstein.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Handel mit Herden und Öfen dazu. "Vor allem die vielen Flüchtlinge und Ausgebombten waren damals unsere Kunden. Im Jahr 1965 übernahm Theodor der Vierte das Geschäft und erreichte 1970 die Umsatzzahl von einer Million DDR-Markt. Trotz staatlich festgelegte Preise ging die Erfolgskurse weiter nach oben. Zum Ende der 1980er Jahre standen über fünf Millionen Ostmarkt Umsatz in den Büchern.

Nach der politischen Wende 1989/90 expandierten die Kießlings. Im Industriegebiet Auerbach/Rebesgrün errichtete die Familie einen 1.800 Quadratmeter großen Neubau. Das Stammhaus in Falkenstein wurde zum Ladengeschäft. "Mittlerweile konzentrieren wir uns ausschließlich auf den Großhandel, der in Auerbach über die Bühne geht. In Falkenstein haben wir nur noch eine Außenstelle mit Lager und Ausstellung", so Theodor Alfred Kießling.

Heute trägt sich das Familienunternehmen ausschließlich über den Großhandel. Das Einzugsgebiet umfasst Industrie- und Handwerksbetriebe in Thüringen, Franken und Sachsen. Rund 3.500 Stammkunden stehen als feste Partner bereit, das aktuelle Sortiment umfasst 150.000 Artikel. "Wir sind in der Lage, großen Mitbewerbern Konkurrenz zu machen", freut sich der amtierende Theodor Kießling. Er kündigt an, dass schon sein Nachfolger in den Startlöchern steht. Theodor der Sechste ist nach seinem BWL-Studium an der Uni Bamberg vor fünf Jahren in die Firma eingestiegen. Er wird die Kießlings weiterführen.