Einlochen ist eine Frage der Technik

Im der Region Plauen gibt es gleich zwei Golfplätze. Trotzdem hat der Sport mit vielen Vorurteilen zu kämpfen und wird unterschätzt."Das ist langweilig. Was für alte Leute. Zu teuer." Das sind Sätze, die oft in Verbindung mit Golf zu hören sind. Ob das so ist, soll "Fit im Vogtland" zeigen.

Von Stephanie Rössel

Plauen/Steinsdorf Das erste was mir auffiel, als ich den Weg am Golfplatz entlang lief, war die Ruhe. Es war ein warmer Sommertag, die Wiesen und die Bäume leuchteten in sattem Grün und irgendwie setzte bereits in dem Moment eine Art Entspannung ein.
Minigolf habe ich, wie wohl jeder, schon öfters gespielt. Wie das Spiel auf einem großen Platz funktioniert, war mir bis zu diesem Tag jedoch fremd.


Bei der Einweisung zum Thema Schläger und Bälle, lernte ich, dass niemals mehr als 14 Schläger in einer Tasche sein dürfen. Interessant sind die unterschiedlichen Formen und Größen, die am Ende alle diesen einen kleinen Ball schlagen können, der laut Regelwerk einen Durchmesser von mindestens 42,67 Millimetern und ein Maximalgewicht von 45,93 Gramm haben muss. Das entscheidende an diesem kleinen, runden Ding jedoch ist die Anzahl der kleinen Dellen, Dimples genannt. Zwischen 300 und 450 sind üblich und entscheiden über die Flugbahn.


Die Grundübung ist das sogenannte Putten. Dabei geht es darum mit einer Pendelbewegung, ohne Einsatz der Handgelenke, den Ball einzulochen. Der Schwung muss aus den Schultern und Armen kommen. Wichtig ist die Ausrichtung und das Zielen, wenn beispielsweise auf dem sogenannten Putting Green Gefälle anliegt. Schnell war mein Ehrgeiz geweckt die Bälle alle mit einem passenden Schlag einzulochen. Das klappte natürlich nicht immer, aber fürs erste Mal dann doch ganz gut. Golf spielen ist nicht nur Bewegung, sondern auch Denkaufgabe. Vor jedem Schlag überlegt man, ob das Loch in einem Gefälle liegt und wie stark man an den Ball schlagen muss. Bereits wenn den Schläger auf den Ball traf, wusste ich, ob es klappt oder nicht. Dieses Gefühl entwickelte sich relativ schnell. Das Einlochen aus kurzer Distanz war also für mich machbar, deshalb ging es dann zum nächsten Schritt - der Abschlag auf Weite. Dabei wird der Ball auf einen kleinen Stift gelegt, der passende Schläger gewählt und dann wurde es schwierig. Die Hände mussten den Schläger richtig greifen. Die volle Verantwortung des Schlages liegt auf der linken Hand. Diese muss den Schläger erst über die rechte Schulter heben und dann nach links durchschwingen lassen, die Hüfte mit drehen und den Ball möglichst weit weg schlagen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ein paar Bälle habe ich gebraucht, bis ich verstanden hatte, welche Konsequenzen das falsche Ausholen hat. Immer wieder habe ich mich auf die Handhaltung konzentriert und meine rechte Hand hat Einfluss genommen. Als ich das endlich im Griff hatte, sind die Bälle tatsächlich gerade geflogen und haben immerhin etwa 60 Meter geschafft. Wer auf dem Platz bestehen will, sollte allerdings wenigstens 150 Meter hinbekommen.


Golf ist überhaupt nicht langweilig. Es kitzelt den Ehrgeiz. Der Kopf ist gefordert und man ist ständig in Bewegung. Wer eine Runde auf dem 18-Loch-Platz spielt, hat zu Fuß gute zehn Kilometer absolviert. Die Kombination aus Koordination, Konzentration und Ausdauer macht Golf zu einer "gesunden" Sportart. Dass viele nach der Arbeit am Abend auf den Golfplatz "flüchten", kann ich tatsächlich nun nachvollziehen. Hier findet man Ruhe und trotzdem Herausforderung. Wer mag, hat hier aber auch Gemeinschaft und mehrere Turniere in der Woche. Wer auf dem Platz spielen möchte, muss eine Platzreife ablegen. Für die regelmäßige Nutzung rechnet sich eine Mitgliedschaft.


Der Golfclub Plauen in Steinsdorf hat eine Besonderheit. Es gibt einen 9-Loch-Kurzplatz mit einer Länge von ca. 1.725 Meter, der für Golfanfänger gedacht ist. Zum Spiel benötigt man keinerlei Spielvoraussetzung oder Mitgliedschaft. Jeder der Lust hat, kann vorbeikommen, sich Schläger und Bälle leihen und für nur neun Euro dort den Platz bespielen und sich im Golf versuchen. Diesen Freizeitspaß lohnt es sich zu nutzen.


Die ganze Anlage befindet sich am Rand von Plauen-Steinsdorf, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen. Der hügelige Platz bietet wunderschöne Ausblicke auf die Kämme der umliegenden Mittelgebirge. Zu fast jeder Seite schaut man in unendliche Weite. Der 54 Hekter große 18-Loch-Platz wurde 2020 erweitert und zieht mit Golfkursen Interessierte aus allen Richtungen Deutschlands an. Damit hat der Platz unterschätztes, touristisches Potenzial, da allein die Kurse für mehrere hundert Übernachtungen pro Jahr in der Region sorgen.